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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Hertha BSC – Auf den Knien in die weite Welt

Kai Butterweck | Dienstag, 17. Oktober 2017 ohne Kommentar

Der symbolische Kniefall von Hertha BSC vor dem Spiel gegen Schalke 04 schlägt in der Presse hohe Wellen

Plumpe PR-Masche oder große Geste? Der Kniefall von Hertha BSC vor dem Spiel gegen Schalke sorgt weltweit für Aufsehen. Philipp Köster (stern.de) spendet Beifall: „Gut, dass sich die Hertha solidarisiert hat. Nicht jeder, der da das Knie beugte, wird es mit voller Überzeugung getan haben. Und natürlich sind solche Aktionen durch das etwas klebrige Pathos immer auch ein bisschen peinlich. Aber darauf kommt es auch nicht an. Sondern darauf, dass da endlich mal wieder ein Profiklub den Hintern hochbekommen hat.“

Längst überfällig im Profi-Fußball

Uwe Bremer (morgenpost.de) schließt sich an: „In gesellschaftspolitischen Fragen hat sich Hertha – wie viele andere Vereine in der Stadt – schon lange engagiert. Aber selten so pointiert, so öffentlich. Behalten die Verantwortlichen diese Linie bei, darf man annehmen, dass Hertha sich auch für andere Werte ­einsetzen wird. Dann war das, was am Sonnabend im Olympiastadion zu beobachten war, der Anfang einer neuen Entwicklung. Das wird – wie im aktuellen Fall – nicht immer und nicht jedem gefallen. Das müssen die Verantwortlichen in jedem Einzelfall abwägen. Glaubwürdigkeit ist ein sensibles Gut. Dass aber ­Hertha offensiv Gesellschaftspolitik mit Sport mischt – das ist längst überfällig im Profi-Fußball.

Oskar Beck (Welt) lobt die PR-Verantwortlichen in Berlin: „Haben die Berliner übertrieben? Die Antwort ist nein. Ihr Kniefall war für eine gute Sache – und tut auch ihrer Marke gut, denn ganz Amerika weiß jetzt, dass Hertha nicht nur ein deutscher Frauenname, sondern auch ein Fußball-Verein ist.“

Entstand der Kniefall-Gedanke in der Hertha-Kabine, oder folgte die Mannschaft nur dem Vorschlag einer PR-Agentur? Andreas Sten-Ziemons (dw.com) grübelt: „Die Aussagen der Hertha-Spieler erinnern ein wenig an die von Musikern, die behaupten alle Songs stammten aus eigener Feder und seien beispielsweise beim letzten Roadtrip durch die USA entstanden, während dahinter in Wahrheit ein Team professioneller Musikproduzenten steckt und der Künstler nur das „Gesicht“ zum Lied liefert.“

Zwischen Sein und Schein

Philipp Selldorf (SZ) zeigt mit dem Daumen nach unten: „Der aufdringliche Versuch, Aufmerksamkeit erzielen zu wollen, entwertet die Botschaft. Das ist etwas, das die Experten in Werbung und Vermarktung ohnehin oft nicht verstehen: dass das Publikum gar nicht so einfältig ist, wie sie meinen. Dass die Leute unterscheiden können zwischen echt und falsch bzw. zwischen Sein und Schein. Zugegeben: Hertha hat es nicht leicht mit dem Publikum in Berlin, der Verein gibt sich viel Mühe, „als Marke zu wachsen“. Er will, so sagt es Manager Preetz, „Innovationsführer“ sein. Das wird man aber nicht durch Nachmachen.“

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