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Deutsche Elf

WM-Analyse – Alles wieder gut?

Kai Butterweck | Donnerstag, 30. August 2018 ohne Kommentar

Zwei Monate nach dem WM-Debakel nehmen Oliver Bierhoff und Joachim Löw erstmals Stellung. Die Presse ist ganz Ohr

Die WM-Analyse-Pressekonferenz in München schlägt erwartungsgemäß hohe Wellen. Markus Lotter (Berliner Zeitung) schlägt die Hände vors Gesicht: „Wenn das tatsächlich alles ist, was Joachim Löw und Oliver Bierhoff in ihrer Analyse erarbeitet haben, dann ist das für den Nationalmannschaftsfußball mit Sicherheit zu wenig, um schon in naher Zukunft wieder konkurrenzfähig zu sein. Dann stellt sich die Frage, ob der Bundestrainer und der Nationalmannschaftsdirektor in ihrer Funktion als Manager der eigenen Krise nicht total überfordert sind.“

Er will weiter Goldbroiler sein

Markus Völker (taz) stellt dem Bundestrainer schweres Gepäck vor die Tür: „Der Coach hätte das alles hinter sich lassen können, diese ganzen mäandernden Diskussionen über das Erdoğan-Foto, die Rassismusdebatte und das Kartoffel-Kanaken-Gedöns, mit dem der Spiegel zuletzt daherkam. Er hat es nicht getan. Er will weiter Goldbroiler sein. Das ist legitim, aber er muss wissen, dass er die ganzen Altlasten der Vergangenheit als schweren Rucksack mitschleppt.“

Klaus Hoeltzenbein (SZ) fährt mit folgendem Eindruck nach Hause: „Löws Botschaft vom Mittwoch lautet: Ich, der Trainer, habe mein sportlich-pädagogisches WM-Versagen eingestanden – jetzt seid ihr dran! Zu verlieren haben wir gemeinsam eh nicht mehr viel.“

Christoph Cöln (Welt) sieht schwarz: „Für die Zukunft des Nationalteams könnte das mantraartige Festhalten am Glauben an die eigene Stärke, wie Löw ihn nun wieder artikulierte, katastrophal sein. Denn dieser Glaube ist vor allem vom Sentiment getragen und weniger von der Kraft neuer Ideen. Man hatte gehofft, dass Löw den ein oder anderen Mann von außen holt, mit frischem Blick und orginellen Ansätzen. Dass er vielleicht eine Art Beraterzirkel einsetzt, mit dem man sich regelmäßig trifft und austauscht. Nichts dergleichen.“

Überträgt sich all das ab kommender Woche aber nicht auf die Mannschaft…

Florian Plettenberg (sport1.de) mimt an Bord des Wir-erhöhen-den-Druck-Kans den Kapitän: „Der Bundestrainer verspürt nach eigenem Bekunden die Energie und Motivation, die Nationalmannschaft wieder zur Einheit und zur Weltspitze zu führen. Überträgt sich all das ab kommender Woche aber nicht auf die Mannschaft, wird sich trotz epischer Analyse unter dem alten Trainer kein neues Feuer entfachen. Dann könnte der Bundestrainer nicht nur Glaubwürdigkeit verlieren, sondern am Ende vielleicht sogar seinen Job.“

Oliver Fritsch (Zeit Online) freut sich über Kleinigkeiten: „Es blieb offen, ob die Führung der Nationalmannschaft wirklich begriffen hat, wie und warum die Titelverteidigung auf solch deprimierende Art scheiterte. Und ob der Trainer weiß, wie die deutsche Nationalmannschaft wieder mehr Tore schießen wird und künftig wieder ein Halbfinale anpeilen kann. Jedenfalls schienen es Löw und Bierhoff ehrlich zu meinen mit ihrem Bußgang von München. Er war keineswegs nur gespielt. Der gute Wille zählt, und der war da.“

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