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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Deutsche Elf

Nations League – Joachim Löw unter Druck

Kai Butterweck | Dienstag, 8. September 2020 3 Kommentare

Zwei Tore, zwei Unentschieden und viele Fragezeichen: Die Presse beschäftigt sich intensiv mit den dürftigen Nations-League-Auftritten der deutschen Nationalmannschaft

Die Nationalelf wartet weiter auf ihren ersten Sieg in der Nations League. Christian Schwager (Berliner Kurier) hält sich Augen und Ohren zu: „Der Auftritt der deutschen Elf ist kritikwürdig, die Corona-Pandemie keine Entschuldigung. Das Virus hat den Fußball in ganz Europa zu Pause und Neustart gezwungen, und unabhängig davon sollte jeder Profi über die gesamte Spieldauer konzentriert sein. Egal, wie unbedeutend eine Partie sein mag.“

Pech war nicht im Spiel

Patrick Strasser (sportbuzzer.de) fasst das Gesehene wie folgt zusammen: „Da war das 1:1 gegen Spanien, das ein 1:0-Erfolg hätte sein müssen. Unterhaltsam, ansprechend, unglücklich. Am Ende beim Ausgleich in der 96. Minute hatte man inkonsequent verteidigt. Zwei Punkte verloren, Lehrgeld gezahlt, Erfahrung gewonnen. Nun das 1:1 in der Schweiz, bei einem Gegner, der vom Leistungsvermögen ein bis zwei Kategorien tiefer angesiedelt werden muss als die Spanier. Wieder unterhaltsam, anfangs recht ansprechend, dann aber riss der Faden. Pech war in Basel nicht im Spiel. Am Ende hatte die deutsche Mannschaft eher Glück, nicht noch verloren zu haben.“

Oliver Fritsch (Zeit Online) ist genervt: „Freilich sind die Umstände zurzeit nicht ideal, woran sich auch so schnell nichts ändern wird. Dennoch wäre es nicht verkehrt, wenn Joachim Löw die anstehenden je drei Länderspiele im Oktober und November als Chance zur Stimmungsaufhellung nutzen und nicht als überflüssige Belastung ansehen würde.“

Tobias Nordmann (n-tv.de) fiebert der Rückkehr der Triple-Kicker entgegen: „Allen voran Manuel Neuer, aktueller Kapitän des FC Bayern und der Nationalmannschaft, und Joshua Kimmich, womöglich künftiger Kapitän beider Teams, fehlen der Mannschaft derzeit mit ihrer lauten, bisweilen emotionalen Art. Toni Kroos und Ilkay Gündogan, die beiden Alphatiere und großen Strategen der Nationalmannschaft, sind eben vor allem Strategen und keine mitreißenden Anführer. Ihre Statements sind hochfeine Kunst am und mit dem Ball, aber nicht aufweckender Krach.“

Wucht und Körperlichkeit fehlen

Tobias Escher (11Freunde) nimmt die deutsche Offensive in den Schwitzkasten: „Keiner der deutschen Angreifer überzeugt durch Wucht und Körperlichkeit. Deutschland kann zwar das Mittelfeld dominieren mit den Passkünstlern Toni Kroos und Ilkay Gündogan; Beide brachten in beiden Partien über 90 Prozent ihrer Pässe zum Mitspieler. Doch weder kann die deutsche Mannschaft Bälle in der vordersten Linie halten, noch über Flanken in den Strafraum gelangen. Dadurch kann Deutschland das Spiel weniger gut diktieren als die Bayern, sie verlieren häufiger den Ball in vorderster Linie. Entsprechend häufiger muss das deutsche Team dem Gegner hinterherlaufen – etwas, das angesichts des Spiels Mann gegen Mann Kraft raubt.“

Christian Kamp (FAZ) jongliert mit der Fernbedienung: „Im Schnitt schalteten nur 6,51 Millionen Menschen (Marktanteil: 21,7 Prozent) ein, während der Wiener „Tatort“ auf 8,26 Millionen (25,5) kam. Beim Publikum scheint sich die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass 90 Minuten Fernsehspiel derzeit einen größeren Kick versprechen als 90 Minuten Fußballspiel – zumindest, wenn die Nationalmannschaft und ihr Bundestrainer den Plot liefern. Man kann dieses dramaturgische Defizit auch anders nennen: eine Enttäuschung mit Ansage.“

Die Mannschaft fliegt!

Statt mit Bus oder Bahn jettet die Nationalelf mit dem Flieger von Stuttgart nach Basel. Claus Vetter (Tagesspiegel) schüttelt den Kopf: „Geht schon bei 260 Kilometern, ist gut für die Spieler, so der DFB-Tenor. Der Verband hat das fröhlich in die sozialen Netzwerke gehauen. Als gäbe es kein Morgen mehr und als sei das kollektive Umweltbewusstsein im Jahre 1950 stehengeblieben. Hey Kinder, mögt ihr während Corona auch auf Manches verzichten – die Mannschaft fliegt! Dem kurzen Flug folgte in den sozialen Netzwerken ein langer Shitstorm.“

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Kommentare

3 Kommentare zu “Nations League – Joachim Löw unter Druck”

  1. Charly
    Dienstag, 8. September 2020 um 17:50

    Deutsche Bundestrainer stehen immer unter Druck.

    Dafür sorgen schon unsere höchst sportlichen Titelhamster in den verqualmten Redaktionsstuben und in mit Bier getränkten Heimcomputer-Betten. Mit Flick und Co-Trainer Klopp wäre natürlich alles gut, was seit 2008 so übel war 😉

    Freundlicherweise ist Joachim Löw an diesen künstlich erzeugten Themen kaum interessiert.

  2. Charly
    Dienstag, 8. September 2020 um 18:20

    Übrigens danke für den Hinweis auf den Tobias-Escher-Artikel.

    Dieser bewertet das Spiel eiskalt taktisch klug und verzichtet auf persönliche Animositäten sowie auf boulevardeske Jammereien.
    Das bietet Stil, Niveau und einen Mehrwert.

  3. Charly
    Dienstag, 8. September 2020 um 18:21

    Übrigens danke für den Hinweis auf den Tobias-Escher-Artikel.

    Dieser bewertet das Spiel eiskalt taktisch klug und verzichtet auf persönliche Animositäten sowie auf boulevardeske Jammereien.
    Alles bietet Stil, Niveau und einen Mehrwert.

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