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Erkenntnisse im Fußball sind von kurzer Halbwertszeit

Oliver Fritsch | Donnerstag, 25. März 2004 Kommentare deaktiviert für Erkenntnisse im Fußball sind von kurzer Halbwertszeit

München streicht die Segel in der Champions League, Dortmund und Leverkusen hingegen erfolgreich, was beides überraschend kommt

Jetzt, wo alle Entscheidungen der Champions League aus deutscher Sicht gefallen sind, gilt es zurückzublicken: Vor wenigen Wochen waren alle drei teilnehmenden Mannschaften aus dem Land des frischgebackenen Vize-Weltmeisters zur allgemeinen Enttäuschung mit Niederlagen gestartet. Dass ausgerechnet der vermeintliche Primus aus München nun als einziger die Segeln streichen muss, war nicht vorhersehbar, zumal die Fußballöffentlichkeit das damalige 2:3 des FC Bayern gegen Deportivo La Coruña als Ausrutscher wertete, während die beiden anderen Ergebnisse (Dortmund verlor chancenlos in London, Leverkusen desaströs in Piräus) als zukunftsweisende Bestandsaufnahme ausgelegt wurden. Die Erkenntnisse des Fußballs sind von kurzer Halbwertszeit.

Es fällt auf, dass bei den Urteilen über das Abschneiden der drei Vereine der Blick derzeit verstärkt auf den Trainer gerichtet wird. An der Säbener Straße verweilt der „nicht mehr sakrosankte Trainer Hitzfeld“ (FAZ) in einer defensiven Grundhaltung. Über seine Zukunft wird spekuliert. Borussencoach Sammer wird enormer Einfluss auf den realistischen wie selbstbewussten Erfolgsstil seiner Mannschaft zugeschrieben. Zuguterletzt haben die Experten in Leverkusen einen Reifeprozess des ehemaligen „Sprücheklopfers“ Toppmöller festgestellt, der die Schwingungsweiten sowohl von Siegen als auch von Niederlagen einzugrenzen imstande sei.

Außerdem heute: neues aus München, Stuttgart, Kaiserslautern und Lübeck u.v.m.

Borussia Dortmund – Arsenal London 2:1

Uwe Marx (FAZ 1.11.) schreibt über Sammers Reaktion nach dem Sieg. „Es gibt Tage, an denen die Gewißheiten des Fußballs wanken. Eine lautete bis Mittwoch abend so: Wenn der Pfosten getroffen wird, dann ist das für angreifende Mannschaften ärgerlich und für verteidigende hilfreich. Für Matthias Sammer aber gibt es Ausnahmen. Seine Mannschaft, Borussia Dortmund, hatte soeben den FC Arsenal 2:1 besiegt, da sinnierte der Meistertrainer über einen Pfostentreffer in der zweiten Spielminute. Er sei „nicht unglücklich“ über den frühen Fehlschuß von Lars Ricken gewesen, versicherte Sammer. Seine eigentümlich gelassene Begründung: Ein solcher Pfostentreffer sei nebensächlich, spielentscheidend sei eine starke mannschaftliche Leistung – erbringt man diese, gewinne man so oder so, erbringt man sie nicht, nutze am Ende auch ein schnelles Tor nichts. Sammers Mannschaft hat dieses Urvertrauen offenbar verinnerlicht, daß sich für den Unbeirrbaren alles fügt. Dafür spricht allein die Chronologie der Partie gegen den englischen Meister: Dortmund spielte stark, traf sogar zweimal den Pfosten, geriet früh in Rückstand, spielte danach wieder gut, erzielte zwei Treffer, verteidigte den Vorsprung sicher – und erreichte am Ende vorzeitig die Zwischenrunde in der Champions League. Den notorisch skeptischen Trainer verleitete das zu ungewohntem Lob. Schließlich sah sich Analytiker Sammer bestätigt, diesmal im internationalen Vergleich: Was gut ist, endet auch gut, komme, was da wolle.“

Ulrich Hesse-Lichtenberger (taz 1.11.) beschreibt die spielentscheidende Szene. „Meistens hängt alles an einer einzigen Szene. Im Spiel Borussia gegen Arsenal trug sich diese nach 62 Minuten und beim Stand von 1:1 zu, als der Ball durch die englische Abwehr und in den Strafraum kullerte. Das wiederum führte zum tollsten Laufduell der jüngeren Sporthistorie, weil die beiden Sprintduellanten ausgerechnet die langsamsten Profis weit und breit waren: Dortmunds Stürmer Jan Koller und Arsenals Torwart David Seaman. Wie in dem Michael-Jordan-Werbespot für Nike, so schienen auch im Westfalenstadion die Uhren plötzlich langsamer zu ticken, als sich Koller und Seaman wie in Zeitlupe dem Ball entgegenquälten. Klar war nur: Sollte der Angreifer das Spielgerät eher erreichen, so musste das Drama mit einem Elfmeter enden. Er tat es – und so war es.“

In der NZZ(31.10.) lesen wir. „Das Spitzenspiel in der Gruppe A ist dieser Affiche durchaus gerecht geworden. Im ausverkauften Westfalen-Stadion sahen die 52.000 Zuschauer besonders vor der Pause einen hochklassigen Match mit vielen Torchancen und spielerischen Leckerbissen. Es war in erster Linie die Equipe Borussia Dortmunds, die über weite Strecken überzeugend auftrat, im Vergleich mit der letzten Saison in vielen Belangen Fortschritte aufzeigte und schliesslich verdientermassen 2:1 gewann. Die Deutschen wiesen im Vorwärtsgang erstaunliche Vorzüge auf und schufen sich immer wieder spektakuläre Tormöglichkeiten. Das Team Arsenals war dagegen lange zu passiv und vermochte sich, als es in Rückstand geriet, nicht mehr massgeblich zu steigern. Die Londoner wiesen zudem mehr Schwachpunkte auf als der weit ausgeglichener besetzte Platzklub (…) Vom perfekten Spiel, das Trainer Wenger vorschwebt, war der englische Meister an diesem Abend jedenfalls ein grosses Stück entfernt.”

Reaktionen nach dem Spiel Tsp

Bayer Leverkusen – Olympiakos Piräus 2:0

Über die Entwicklung von Trainer Klaus Toppmöller heißt es bei Peter Heß (FAZ 31.10.). „Vor acht Jahren prägte Klaus Toppmöller den Ausspruch „Bye, bye Bayern“. Damals stand er mit dem Außenseiterteam Eintracht Frankfurt ganz oben in der Tabelle und die favorisierten Münchner deutlich darunter. Im Herbst 2002 zeigt sich der 51 Jahre alte Fußball-Lehrer geläutert und gereift. Wieder ist er mit einer schwächer besetzten Mannschaft den Bayern voraus. Mit Bayer Leverkusen erreichte er am Dienstag abend durch ein 2:0 über Olympiakos Piräus die zweite Runde der Champions League, während der deutsche Rekordmeister an La Coruña scheiterte. Aber diesmal war Toppmöller nicht nach Schadenfreude oder Häme, sondern nach Mitgefühl mit dem großen Rivalen zumute. „Es ist schade für den deutschen Fußball“, sagte der Leverkusener Trainer. Dabei haben ihm die Bayern mit Michael Ballack und Zé Roberto zwei seiner besten Spieler weggekauft und damit zum schwachen Saisonstart seines Teams beigetragen. Doch Toppmöller hat die Gefühlsebene des von Sozialneid geplagten Emporkömmlings längst verlassen. Transfers gehörten nun mal zum Fußballgeschäft, und einer Mannschaft mit so netten Spielern wie Ballack und Zé Roberto gelte sowieso sein ehrliches Mitleid. Außerdem stellt Toppmöller inzwischen das Wohl des deutschen Fußballs über alles: Im Kampf um den vierten deutschen Teilnehmerplatz in der Champions League zähle jeder Erfolg.“

Dagegen lesen wir von Christoph Biermann (SZ 31.10.). „In seinen guten Momenten schafft Klaus Toppmöller den Brückenschlag zwischen den Traumwelten der Champions League und dem Kick, wie ihn jeder Kreisligaspieler kennt. Dann geht es nicht mehr um großes Brimborium und Millionen, sondern um Sport und seine Randgeschichten. Rührend stolz war der Trainer von Bayer Leverkusen nach dem 2:0 über Olympiakos Piräus, mochte das nicht verbergen und öffnete einen Spalt weit die Tür zur Kabine: Mit dem vorzeitigen Einzug in die Zwischenrunde der Champions League hatte er nämlich eine „kleine Wette gegen einem Spieler gewonnen, der daran nicht geglaubt hatte“. Etwas widerwillig und zugleich grinsend nannte Toppmöller Namen und Wettgegenstand: Mit Boris Zivkovic hatte er um hundert Euro gewettet. Für den Verteidiger bedeutet das zweifellos einen überschaubaren Verlust, aber es ging halt nicht ums Geld, sondern um Zutrauen und richtige Einschätzung der Situation. Nach dem Ausscheiden des FC Bayern gefragt, fiel Toppmöller ein, was Bernd Schneider im Frühjahr beim Halbfinale in Manchester gesagt hatte. Zur Pause hatte Michael Ballack damals seine Kollegen angefeuert: „Ins Endspiel kommt Ihr so schnell nicht mehr.“ Und Schneider dem designierten Bayern-Star geantwortet: „Oder Du.“”

Erik Eggers (taz 31.10.) erzählt. „In den 20er-Jahren, als Fußball in Deutschland zu einem Massensport explodierte, machten sich intellektuelle Beobachter einen Spaß daraus, die Dinge des Fußballs mit reichlich Metaphern aus der Sprache des Alltags zu illustrieren. Es dauerte daher nicht lange, bis sich irgendjemand, weil er den zwar katastrophalen, aber doch nicht ganz ausweglosen Zustand einer Fußballmannschaft beschreiben wollte, dem Vokabular des damaligen Außenministers Gustav Stresemann bediente. Der hatte nämlich, nachdem sich die zähen Reparationsverhandlungen mit den Alliierten nicht völlig aussichtslos gestalteten, das einleuchtende Bild vom „Silberstreif am Horizont“ geprägt, um so dem darbenden Volk ein wenig Hoffnung zu vermitteln. Nun ist die Finanzlage der Fußballabteilung Bayer Leverkusens keinesfalls mit dem Haushaltsdesaster jener Zeit zu vergleichen, ganz im Gegenteil. Und doch war Stresemanns Metapher ziemlich stimmig nach dem hart erkämpften 2:0 gegen Olympiakos Piräus, der das vorzeitige Erreichen der Zwischenrunde in der Champions League bedeutete. Schließlich hatte die Mannschaft in den letzten Wochen enorm viel Kredit verspielt. Erstmals in dieser Saison aber schienen die Spieler am Dienstag nun dazu ansatzweise in der Lage, angstfrei mit der schweren Hypothek der vergangenen Saison umgehen zu können. In einigen Situationen blitzte sie nämlich wieder auf, die zuletzt vermisste Spielfreude.“

Bernd Müllender (FR 31.10.) fragt. „Wie konnte Bayer gegen diese Elf im Hinspiel 2:6 verlieren? Rekordmeister Piräus, so etwas wie der FC Bayern München aus Hellas, seit sechs Jahren ohne jeden Auswärtssieg jenseits der Landesgrenzen, hatte die manchmal rüpeligen, aber ansonsten braven Statisten gestellt. Frankreichs Ex-Weltmeister Christian Karambeu bemüht, aber ohne Wirkung; der frühere brasilianische Strafraumschreck Giovanni, für Abermillionen vom FC Barcelona gekauft, war nur darauf bedacht, sich kein Aua zu holen. Was ihm in jedem Moment gelang.“

Weiteres aus der Champions League

Angesichts der tröstenden Worte aus Dortmund und Leverkusen an die Münchner Adresse resümiert Roland Zorn (FAZ 1.11.) die erste Gruppenphase aus deutscher Sicht. „Das in Noblesse gehüllte Mitleid trifft die Bayern, weil sie es in der Vergangenheit waren, die für majestätische deutsche Fußball-Maßarbeit standen. Der bajuwarische Exportschlager aber ist im Augenblick kein Hit mehr. Statt dessen hat Borussia Dortmund mit einer frappierenden Selbstverständlichkeit die Rolle des internationalen Hauptdarstellers aus der Bundesliga übernommen, assistiert von den langsam wieder in Schuß kommenden Leverkusenern. Der BVB und Bayer 04 haben, als es darauf ankam, genau das gezeigt, wovon die Bayern in dieser europäischen Spielzeit nur redeten: Ehrgeiz, Biß, Zielstrebigkeit und, zumindest im Fall Dortmund, auch einen Hauch von Extraklasse. Die Gegenüberstellung der drei führenden Mannschaften in Deutschland macht das nahezu kampflose Ausscheiden der Bayern um so peinlicher. Champions-League-Finalist Leverkusen unterlag zu Beginn der neuen Runde gleich zweimal nacheinander und ließ sich nicht entmutigen; Dortmund verlor sein erstes Spiel bei Arsenal chancenlos 0:2 und ging seinen Weg unbeeindruckt weiter. Die Bayern dagegen kamen schon nach der ersten Heimpleite gegen La Coruña nicht mehr auf die Beine und ergaben sich trotz markiger Kampfesworte tatenlos. Bei der Borussia hat Trainer Matthias Sammer eine Mannschaft beieinander, die sich den zickigen Amoroso als Starsolisten soeben noch leisten kann; Bayer hat sich nach einem desaströsen Start in die Bundesliga-Saison im Kollektiv ächzend berappelt. Und die Bayern? Sie feierten sich auf ihrem wirren Egotrip schon als „weißes Ballett”, als noch gar nichts von Belang gewonnen war. Tatütütü: Es folgte der Sturz vom vermeintlich Erhabenen ins nur noch Lächerliche.“

Joachim Mölter (FAZ 1.11.) fasst Münchner Schweigen zusammen. „Es ist kein Presseboykott, keine „Silencio stampa“, die es beim FC Bayern auch schon einmal gegeben hat. Es ist eher eine Mischung aus Sprach-, Rat- und Hilflosigkeit. Selbst die Chefs des bayerischen Fußball-Unternehmens geben keine Erklärung zur Lage ab. Karl-Heinz Rummenigge bittet auch an diesem Morgen um Verständnis dafür, daß er nichts mehr sagen möchte nach seiner Ansprache beim obligatorischen Bankett nach Champions-League-Spielen. Der sonst sehr mitteilsame Manager Uli Hoeneß hat nach der Niederlage überhaupt noch nichts gesagt. Auf dem Rückflug von La Coruña nach München am Mittwoch morgen sah er aus, als würde er gleich platzen, so viel Ärger hatte er in sich hineingefressen.“

Felix Reidhaar (NZZ31.10.) sah die 0:1-Heimniederlage Liverpools gegen einen sehr starken spanischen Meister. „Ungeachtet des besten Meisterschaftsstartes seit einem Jahrzehnt bildeten die Reds erneut eine Enttäuschung. Sechs Wochen nachdem sie in Valencia im ersten Match geradezu vorgeführt worden waren, zeigte sich das Team Houlliers an der Anfield Road in einem intensiven, aber nicht sonderlich gehaltvollen Match zwar gefestigt und mental gestärkt, spielerische Fortschritte sowie inspiriertes Vorgehen waren aber höchstens schemenhaft zu erkennen. Der technischen Überlegenheit und dem ungleich kultivierteren, exakteren und auf einer vortrefflichen Organisation im Raum abgestützten Kombinationsspiel der Spanier konnten die Briten nichts Gleichwertiges entgegensetzen. Sie kämpften zwar, forcierten vor allem nach der Pause den Rhythmus und liessen in den Bemühungen zur Freude des ziemlich anspruchslosen Publikums nie nach, aber ernsthaft in Schwierigkeiten vermochten sie die cleveren Spanier nicht zu bringen (…) Was gestrenge britische Kritiker im Zusammenhang mit dem sicheren Premier-League-Leader unter old-fashioned verstehen, dafür lieferte schon die erste Halbzeit Anschauungsunterricht. Die Liverpooler hatten allergrösste Mühe, das Spiel nach vorn gegen die aufsässigen Valencianos geordnet zu entwickeln, geschweige denn überhaupt einen beständigen Druck zu erzeugen, wie ihnen dies in der Landesmeisterschaft jeweils gelingt. Weil das einheimische Team fast immer dasselbe tat (regelmässig hohe Bälle von den Seiten ins Strafraumzentrum), dabei fast jede Originalität vermissen liess und dem Gegner die defensive Kontrolle erleichterte, fiel unter leicht verärgerten Zuschauern die wenig schmeichelhafte Namensänderung von Liverpool in Simple-pool. Mit ihrer hervorragenden Raumaufteilung, der mannschaftlichen Solidität und der technischen Ballfertigkeit in den Kombinationen machten es die Spanier ihrem Herausforderer allerdings schwer – so sehr, dass von ihnen zunehmend mehr Offensivwirkung ausging.“

Reaktionen nach dem Spiel NZZ

Uefa-Cup

Spielbericht Apoel Nikosia – Hertha Berlin (0:1) Tsp

Spielbericht Ferencvaros Budapest – VfB Stuttgart (0:0) Tsp

Hintergründe aus Deutschlands Fußball

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt wurde zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden des VfB Stuttgart gewählt. Roland Zorn (FAZ 31.10.) war vor Ort. „Mit Dieter Hundt, der von einem der rund 600 anwesenden Mitglieder zum „Obelix“ des VfB Stuttgart erklärt wurde, und Manfred Haas, der demselben Fußballfreund wie „Asterix“ vorkam, als Doppelspitze wollen die Schwaben bald wieder von größeren Gewinnen als den jetzt bilanziell ausgewiesenen 201.000 Euro reden. Illusionen aber dürfen sich die Anhänger des VfB nicht machen. „Wir kommen nicht mit dem großen Geldkoffer und sind auch keine Wunderheiler“, hat der 64 Jahre alte Hundt, in den fünfziger Jahren ein wuchtiger Mittelstürmer bei Grasshopper Zürich, am Montag von vornherein klargestellt. Aus Ideen Geld machen und mutig in die Zukunft schauen, so stellt sich Deutschlands bekanntester Arbeitgeber die Entwicklung vor.“

Oliver Trust (FR 31.10.) auch. „Selten wurde das Denkmal eines ehemaligen Präsidenten so geräuschvoll vom Sockel gestoßen. Gerhard Mayer-Vorfelder, heute Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und VfB-Ehrenpräsident, war nicht in seine Heimat gereist. Der 69-Jährige wusste wohl, warum. Nicht nur, dass die Nachfolger an einen Schadenersatzprozess gegen ihn denken. Der abgetretene Aufsichtsratsvorsitzende Heinz Bandke ließ kein gutes Haar am „mächtigsten Mann“ des DFB. Nun werden die Diskussion um dessen Tragfähigkeit im höchsten Amt des deutschen Fußballs wieder aufflammen. „Gerhard Mayer-Vorfelder hat jedes Augenmaß und jede Teamfähigkeit verloren“, sagte Bandke. Mit Alleingängen und einer völlig verfehlten Einkaufspolitik habe „MV“ den Verein in eine bedrohliche Lage gebracht. Im Juni 1999 habe man ihm das Misstrauen ausgesprochen. Man habe allein deshalb keinen Misstrauensantrag gestellt, da dies zu einer Zerreißprobe des Vereins geführt hätte, sagte Bandke. Wie der amtierende Präsident Manfred Haas mitteilte, seien die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft noch nicht in allen Punkten abgeschlossen. Der Klub, so Bandke, habe Mayer-Vorfelder eine Aufwandsentschädigung von monatlich 25.000 Mark zugestanden. „Es war schwer, den Präsidenten auf diese Summe zurückzudrängen. Er hatte andere Vorstellungen.“ Wie Haas sagte, gehe es zudem um den Kauf diverser teurer Bilder, die Büroeinrichtung Mayer-Vorfelders sowie um Feierlichkeiten, die der Klub im Auftrag von Mayer-Vorfelder zu begleichen hatte.”

„Beim FCK steht die Nacht der Abrechnung an“ Tsp

Führungswechsel beim HSV Tsp

„Nie war der Nürnberger Sasa Ciric so wertvoll wie heute“ FR

Zu den voraussichtlichen Wirkungen der angekündigten Fan-Proteste („Pro 15.30“) meint Udo Muras (Welt 1.11.). „Alles wird bleiben wie es ist, weil die Kalkulation der engagierten Fans nicht aufgeht. Die DFL kann es sich leisten, ihre Proteste zu ignorieren. Denn sie werden von der Masse der Zuschauer, die nur Fußball-Konsumenten sind, ohnehin nicht aktiv unterstützt. Je moderner die Stadien werden, desto mehr Zuschauer, die nicht unbedingt stehen müssen, um in Stimmung zu kommen, die keine Lieder singen und die zu den Auswärtsspielen sowieso nicht mitfahren. Die Probleme der Kämpfer von „Pro 15:30“, für die der Fußball Droge und Seelentröster ist, sind nicht die ihren. Und die echte Fans kommen sowieso immer.“

Oke Göttlich (FR 1.11.) beleuchtet Nordlichter. „Nach furiosem Auftakt zu Beginn der Saison und einem Stil, der es selbst Freiburg und Köln schwer machte, sich über den sportlichen Erfolg hinaus auch als berechtigte Sieger zu fühlen, wissen die Lübecker nun woran sie sind. In einer Liga „in der jeder jeden schlagen kann“ (Freiburgs Trainer Volker Finke) könne der VfB, glaubt Dieter Hecking (Trainer Lübecks, of), „mit den Spitzenmannschaften mithalten.” Doch der 38-Jährige wäre kein besonderer Trainer für den VfB, wenn er nicht postwendend die Gefahr erkannt hätte. „schnell ganz hochgeschrieben“ zu werden, um später „um so schneller fertig gemacht werden zu können.“ Vom Saisonziel Klassenerhalt lässt sich derzeit niemand in Lübeck abbringen (…) Auf dem Spielfeld ist es dem VfB im Rahmen seiner Möglichkeiten gelungen, ein Team aufzubauen, dass sich durch besondere Flexibilität auszeichnet. Hecking musste dazu vor der Saison zehn neue Spieler integrieren und vervielfachte die Defensivoptionen. Besonders der wiedergenese Außenverteidiger mit Offensivdrang, Marco Laaser, und der sichernde Mittelfeldakteur Farai Mbidzo spielen eine zentrale Rolle im sich ständig verschiebenden Gefüge der Lübecker. Im zentralen Mittelfeld sorgt der ehemalige Freiburger Marco Weißhaupt für die Einbindung der drei Stürmer im Lübecker System.“

„Wie gut könnte man den Erfolg von zwei beliebten Fernsehformaten kombinieren: Sport- und Gerichtssendungen“, findet Christian Eichler ( FAS 27.10.). „Sportler vor Gericht, ein Karrieremuster von ständig zunehmender Bedeutung. Als der deutsche Sport noch von Wirtschaftswunderkindern geprägt war, wurden die Fehltritte von Heroen eher still und leise abgehandelt – wie bei dem vorübergehend verknackten WM-Helden Helmut Rahn oder dem mit Bewährung davongekommenen Fußballnationalspieler Erich Juskowiak. Damals war noch der Muff unter den Talaren, man redete nicht so laut über prominente Peinlichkeiten. Heute ist man weiter und weiß dank des Zivilisationsfortschrittes des Privatfernsehens, daß der größte Spaß dann gelingt, wenn man mit dem Finger auf andere zeigen kann. Gerichtsverfahren sind dafür ein wunderbares Medium. Prozesse gegen Sportler mußte man hierzulande lange mit den Verfahren des DFB-Sportgerichts nach dem Bundesligaskandal derfrühen siebziger Jahre gleichsetzen – einem Vorgang mit dem bürokratischen Charme der ARD-Pokalauslosung des Trios Kuhlins/Baresel/Tietze-Ludwig. Um zu sehen, welchen Unterhaltungswert Gerichtsathletik hat, brauchte man Amerika: Dort landete 1994 das Eisenstangen-Attentat der „Eishexe” Tonya Harding gegen ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan hollywoodreif vor dem Kadi (…) Es gibt ein Bündel von möglichen Gründen, warum Sportler immer öfter vor Gericht landen. Entweder sie sind nach Jahren eines isolierten Star-Daseins nicht mehr sozialverträglich oder glauben ihre eigenen Spielregeln definieren zu können oder verfangen sich in einem internationalen Gewebe aus Wirtschafts-, Steuer-, Verbands-, Arzneimittel-, Transfer-, Persönlichkeitsrechten oder werden öfter verklagt als andere, weil jemand von ihrem Geld oder Ruhm etwas abbekommen möchte, oder werden etwas hartnäckiger strafverfolgt der größeren Aufmerksamkeit wegen oder haben einen überdurchschnittlichen Umschlag an Sexual- oder Lebenspartnern inklusive finanziellen Folgefragen. Die Fälle Daum, Baumann, Rocchigiani, Ullrich, Yeboah, Bosman, Pantani, Virenque, Davids, de Boer und viele mehr: alle liegen anders, alle fanden großes Aufsehen. Ebenso natürlich die vorherigen Prozesse von Boris Becker, sein Scheidungsprozeß in Miami,seine Unterhaltsverhandlung in London. Das englische Wort „court“ gibt es vor. Es heißt beides: a) Tennisplatz, b) Gericht. Und verbindet so die beiden Eckpunkte mancher Karriere, jedenfalls der von Boris Becker: vom Centre Court von Wimbledon bis zum Landgericht München. Ganz nebenbei beweist sein Fall, wie teuer die Wahl der falschen Räumlichkeiten werden kann: Besenkammer in London, Dachkammer in München, am Ende Strafkammer (…) Nicht jeder Sportler trägt vor Gericht Schrammen davon. Der kluge Athlet versteht den Gerichtssaal, wie er die Sportarena versteht: als Bühne; und den Prozeß als das, was ihm jeder Wettkampf ist: eine Chance.“

Gewinnspiel für Experten

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