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Bundesliga

Bayern in der Krise

Kai Butterweck | Dienstag, 20. September 2022 ohne Kommentar

Nach vier sieglosen Bundesliga-Spielen in Serie liegen in München die Nerven blank

Drei Punkte aus den letzten vier Spielen: Die Bayern können in der Bundesliga nicht mehr gewinnen. Martin Volkmar (ran.de) erhöht den Druck: „Unter Nagelsmann stagniert das Star-Ensemble aktuell. Die Defensive ist nach wie vor nicht sattelfest, wie die glücklich überstandene erste Halbzeit gegen den FC Barcelona deutlich machte. Und im Spiel nach vorne gelingt es nach dem Abschied von Tormaschine Robert Lewandowski nicht, aus den vielen Hochbegabten eine schlagkräftige Offensive zu formen, die aus ihrer individuellen Klasse und ihren vielen Chancen Kapital schlägt. Schafft der FC Bayern hier nach der Länderspielpause keine schnelle Wende, könnte es für Nagelsmann tatsächlich eng werden.“

Karlheinz Wild (kicker.de) schließt sich an: „Es ist höchste Zeit, dass der Fußball-Lehrer sich und seine Hauptrolle als Trainer des FC Bayern hinterfragt und definiert. Schon in der vorigen Saison hatte er Glück, dass sein Lehrjahr und vor allem die holprige Rückrunde nicht kritischer beurteilt wurden, weil der Rosenkrieg um Robert Lewandowski alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Exakt diese Personalie holt Nagelsmann nun ein, und das viel früher, als zu erwarten war.“

Fehlende Durchschlagskraft

Nino Duit (spox.com) nimmt sich die FCB-Offensive zur Brust: „Das Remis gegen Borussia Mönchengladbach vor drei Wochen konnte man noch mit jedem Recht auf die Chancenverwertung schieben, mittlerweile gehen die Probleme des FC Bayern aber darüber hinaus. Trotz der Taktik-Umstellung von 4-2-3-1 zu 4-2-2-2 fand Star-Neuzugang Sadio Mané erneut keine Bindung zum Spiel, seine Formkrise ist alarmierend. Die Leichtigkeit vom überragenden Saisonstart ist längst verflogen, der neuen flexiblen Offensive fehlt aktuell die Durchschlagskraft. In allen Mannschaftsteilen leistet sich der FC Bayern viel zu viele völlig unnötige Fehlpässe und Ballverluste.“

Sebastian Mittag (goal.com) nimmt die „Neuen“ in die Pflicht: „Bei der Suche nach den Ursachen wird alles auf den Prüfstand gestellt, öffentlich ist vor allem Trainer Julian Nagelsmann in der Diskussion. Aber auch über die Bayern-Neuzugänge muss eine Zwischenbilanz gezogen werden. Natürlich kann das aktuell nur eine Momentaufnahme sein und neue Spieler brauchen nun mal eine gewisse Zeit, um sich zu akklimatisieren. Aber: Es ist schon gut ein Fünftel der Bundesligasaison gespielt, die Bayern laufen in der Liga hinterher und im Moment sind die Neuzugänge eher Sorgenkinder als klare Verstärkungen.“

Alles andere als ein Zufall

Während man in München hadert, genießt man in Berlin Köpenick den Moment. Kit Holden (Tagesspiegel) streckt beide Daumen nach oben: „Als einzige Mannschaft der Liga ist Union in dieser Saison noch ungeschlagen, kein anderes Team hat weniger Tore kassiert. Auf dem Weg an die Spitze haben die Berliner nicht nur gegen Wolfsburg, sondern auch gegen Rasenballsport Leipzig und den FC Bayern gepunktet. Wie Kapitän Christopher Trimmel am Sonntag nochmal betonte, ist das alles andere als ein Zufall.“

Sebastian Stier (FAZ) zeigt sich ebenfalls beeindruckt: „Der Saisonstart des kleineren der beiden Berliner Klubs ist auf allen Ebenen bemerkenswert, erst Recht vor dem Hintergrund der immensen Belastung. Am Donnerstag hatte Union in der Europa League noch im fernen Braga in Portugal verloren. Dort hatte die Mannschaft von Trainer Urs Fischer weniger souverän gewirkt, ähnlich wie in der Vorwoche gegen die Belgier von St. Gilloise. In der Bundesliga ist davon nichts zu sehen, Union kann da anscheinend problemlos differenzieren.“

Ein weiterer Aufreger: Die Rückkehr von Ex-Gladbach-Sportdirektor Max Eberl. Andreas Becker (t-online.de) stapelt Fragezeichen: „Eberls Einstieg bei den Sachsen hatte sich zwar über Wochen abgezeichnet – und wirkte doch unvorstellbar. Irgendwie unpassend. Man kann die Gladbacher Fans verstehen, die auf die Barrikaden gehen, die Eberl eine Schmierenkomödie vorwerfen. Sie sind sauer, dass der von ihnen so verehrte Manager nach so kurzer Zeit schon eine komplette Kehrtwende vollzieht und sich doch wieder komplett dem Fußball verschreibt – obwohl er doch so eindringlich betont hatte, „mit dem Fußball nichts mehr zu tun haben“ zu wollen.“

Alles richtig gemacht?

Pit Gottschalk (sport1.de) wünscht dem Comebacker alles Gute: „Max Eberl wird sich bei RB Leipzig auf sein Kerngeschäft konzentrieren können: auf das Suchen und Finden von Talenten und Leistungsträgern, auf die gemeinsame Kaderplanung mit dem Trainerstab, auf das Austarieren der wirtschaftlichen Konsequenzen. Und alles ohne Nebengeräusche. Ihm kann es gleichgültig sein, wie der Rest der Republik darüber denkt. Leipzig wird ihm eine Oase errichten, wie man es schon bei seinem Vor-Vorgänger Ralf Rangnick getan hat, der hier ebenfalls nach überstandener Schwächephase eine neue Heimat gefunden hat. Man könnte Max Eberl für diesen Schritt jetzt kritisieren. Man könnte aber auch zu dem Schluss kommen: Alles richtig gemacht, Max Eberl!“

Heiko Ostendorp (sportbuzzer.de) verteilt Taschentücher: „Dass Eberl seinem großen Titeltraum nachjagen will und mit Marco Rose, den er einst selbst zu Gladbach lotste, seinen Wunschtrainer an der Seite hat, kann man ihm grundsätzlich nicht verübeln. Dennoch hat er sich mit seiner Unterschrift beim „Konstrukt RB“ aufgrund eigener Aussagen ein stückweit unglaubwürdig gemacht. Dass er bei den meisten Borussia-Fans seinen Legendenstatus darüber verlieren wird, muss ihm bei seiner Entscheidungsfindung bewusst – und vermutlich egal – gewesen sein. Und das ist irgendwie eine traurige Nachricht für alle übriggebliebenen Fußballromantiker.“

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