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Bundesliga

Oliver Fritsch | Dienstag, 27. April 2004 Kommentare deaktiviert für Bundesliga

„beste Stilnoten“ (FAZ) für Werder Bremen in Bochum; „ein 4:4 ohne Tore“ (BLZ) – Bayern München , „mit neuer Angriffslust und alten Zweifeln“ (FAZ); „Kutzop und Haching, zu solchen Mitteln greifen die Bayern jetzt“ (SZ); Roy Makaay, „abnormal normal“ (Spiegel) u.v.m.

Martin Hägele (NZZ 27.4.) erklärt die Kommunikationsrollen in der Meisterantwort: „Die Spannung muss am Leben bleiben, so lautet das Motto der für den Lieblingsfilm einer Mehrzahl von Deutschen zuständigen Unterhaltungsindustrie; die Traumfabrik Bundesliga soll ihre Illusionen bitte bis zum finalen und 34. Teil der Serie durchziehen. Die Meinungsmacher des deutschen Rekordmeisters spielen die ihnen dabei zugedachte Rolle gerne mit. Auch weil dies die beiden Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge und Hoeness von den eigenen Zweifeln ablenkt, wie man ein stets auf den Gewinn von Trophäen und Titeln aller Art ambitioniertes Ensemble nun mit dem Ziel Platz zwei motivieren soll, weil dieser Rang in der Abschluss-Tabelle eben den direkten Zugang zur Champions League und damit auch ein um 15 Prozent höheres Budget bedeutet. Solange noch um Titelchancen geredet wird, verbietet sich in der Metropole der Bundesliga schon höflichkeitshalber die Diskussion, zu welchem Zeitpunkt der neue Trainerstar Felix Magath den erfolgreichen Altmeister Ottmar Hitzfeld an der Säbener Strasse beerben soll – Tabellenplatz drei am 22. Mai wäre mit ziemlicher Sicherheit das Ende der ausserordentlichen Beziehung, ja geradezu einer Ära. Schaut man gut 200 Kilometer nördlich auf dieses Problem, so verändert der Stuttgarter Blickwinkel das entscheidende Datum um eine ganze Woche. Das direkte Duell um den zweiten Champions-League-Platz der Bundesliga am 15. Mai im Gottlieb-Daimler-Stadion wertet Magath als „unser grosses Endspiel“; im Kalkül des VfB-Teamchefs sollen Kahn und Co. dort endgültig abgeschlagen werden. Der „Trainer des Jahres“ rechnet bis dahin mit einer Siegesserie seines Teams, das nun schon neun Auftritte in Serie ungeschlagen ist. Zudem würden die Bayern zuvor noch einmal straucheln. Aus der von Magath so souverän zur Schau getragenen Siegermentalität leitet das Fachmagazin „kicker“ die Qualifikation für den Chefposten beim FC Bayern ab: Auf diese Art würde er den Münchner Bossen die allerletzten, falls noch vorhandenen Zweifel an seiner Person rauben [of: das hab ich doch schon vor sechs Wochen geschrieben. Ich sag’s wenigstens, dass ich abschreibe.]. Man kann dies auch als Versuch interpretieren, aus dem Kaffeesatz zu lesen. Mehr über die wohl heisseste Personalie der Bundesliga ist auch im „Zentralorgan“ des deutschen Fussballs nicht bekannt. Diese psychologischen Reize wirken vor allem am Kiosk – und schlagen sich in den Auflagezahlen der Boulevard- und Sportblätter nieder. Fraglich ist es jedoch, ob die medialen Pfeile aus dem Süden in Bremen überhaupt Wirkung zeigen. Immerhin haben die zuletzt schwächelnden Werder-Professionals die äusserst heimstarken Bochumer klar dominiert – und weshalb soll eine Mannschaft, die 25 Pflichtspiele ohne Niederlage hingelegt hat, ausgerechnet vor dem Nordderby und dem Hamburger SV Angst bekommen, einer vor fremder Kulisse fast schon zahnlosen Truppe? Ein richtiges Argument gegen den Deutschen Meister Werder Bremen gibt es nämlich nicht, denn selbst mit ihren schwächeren Auftritten oder an jenen Tagen, an denen der SV Werder Bremen auch einmal das Glück gebraucht hat, haben die Leute von Trainer Schaaf und Manager Allofs immer Charakter gezeigt.“

VfL Bochum – Werder Bremen 0:0

Duell mit Verve und nach allen Regeln der Spielkunst

Nicht nur Roland Zorn (FAZ 27.4.) verteilt sehr gute Zensuren: „Peter Neururer war begeistert – vom Gegner. „Werder Bremen hat ein sensationell gutes Spiel gemacht“. Daß auch Kollege Thomas Schaaf, der seine Komplimente sonst gern eine Nummer kleiner verteilt, mit der Höchstnote nicht geizte, war der Situation seines Teams geschuldet. „Was wir heute gezeigt haben, war Superklasse. Das läßt Gutes ahnen.“ Noch einmal allerdings, das weiß auch der Trainer des Tabellenführers, läßt sich ein 0:0, mag es auch eines mit Schleifchen gewesen sein, nicht mehr hochjubeln. Und auch Schaafs proportional ungenaue Hochrechnung, nach der die Bremer zu 99 Prozent alles richtig gemacht und lediglich ein Prozent im großen Ganzen versäumt hätten, wird in dieser Spielzeit kein zweites Mal offene Ohren finden. Vier Runden vor Ultimo erlebten die Bremer und ihr zahlreicher Anhang einen vertrackten Sonntagnachmittag: Wer ein solches Duell mit Verve und nach allen Regeln der Spielkunst beherrscht und es dennoch versäumt, sich den verdienten Lohn abzuholen, der muß sich langsam Sorgen machen. Allzu verschwenderisch haben die Bremer in den vergangenen fünf Spielen einen Teil ihres Punktguthabens gegenüber dem Titelverteidiger FC Bayern München hergegeben, ohne deshalb erkennbar zu kriseln. So wie das Bremer 4:4 in Stuttgart das vielleicht beste 4:4 der Bundesliga-Geschichte war, so war das 0:0 vom Sonntag beim Tabellenfünften Bochum die attraktivste torlose Begegnung dieser Serie. Ist aber nicht Werder das Team, das mit 67 Toren die meisten Treffer von allen schoß, führt etwa nicht Ailton die Schützenliste mit 25 Toren an? Wohl wahr, und doch haben sich die seit 21 Partien unbesiegten Norddeutschen jetzt erstmals in dieser Saison zweimal nacheinander mit einem 0:0 begnügen müssen. (…) Es wird Zeit für den immer noch ersten Titelkandidaten, endlich wieder punktgenau zur Sache zu kommen. Wer stets aufs neue behauptet, nur auf sich und nie auf die Bayern zu gucken, müßte aus der Selbsterkenntnis, daß im Fußball selbst die besten Stilnoten einen Treffer nicht ersetzen, Schlüsse ziehen und ab sofort einen Schuß präziser zur Sache kommen.“

Insgesamt waren die Zuschauer der große Gewinner

Christoph Biermann (SZ 27.4.) sieht das ähnlich: „Man wird in den kommenden Tagen viel darüber debattieren, dass der Vorsprung der Bremer auf den FC Bayern nur noch sechs Punkte beträgt. Schließlich waren es einmal elf. Die Mannschaft von Thomas Schaaf hat nur eines der letzten fünf Spiele gewonnen. Sie hat in den letzten beiden Partien keinen Treffer erzielt, und der beste Torjäger Ailton hat nun schon seit 302 Minuten nicht mehr getroffen. Das alles muss man erwägen, weil es den Eindruck erweckt, als würden sich die Vektoren der Bremer Erfolgskurve sanft senken. Doch nach den 90 Minuten im Bochumer Ruhrstadion blieb in Wirklichkeit ein ganz anderer Eindruck zurück. „Man muss auch sehen, wie ein Ergebnis zustande kommt“, sagte Allofs. Und das war der Grund dafür, warum die gut 6000 Bremer Fans ihr Team trotz des 0:0 frenetisch feierten. So dominant und angriffslustig, so elegant und schwungvoll kombinierend, in einem derart flüssig vorgetragenen Stil spielt ein Meister. Oder: So sollte er spielen. „Insgesamt waren die Zuschauer der große Gewinner“, sagte Bremens Trainer Thomas Schaaf, und die Reaktionen auf den Rängen belegten das. Jeder der 32 645 Zuschauer, ob er nun wegen der Gastgeber, der Gäste oder einfach in Erwartung eines guten Spiels gekommen war, ging applaudierend nach Hause. Und die meisten hatten das Gefühl, dass diese Bremer Mannschaft es verdient hat, am Ende der Saison die Schale für den Deutschen Meister in den Himmel zu recken. „Hier haben schon alle Spitzenmannschaften gespielt, aber im Vergleich zu Werder Bremen war das gar nichts“, sagte Peter Neururer.“

Geld ausgeben

Frank Heike (FAS 25.4.) erläutert den Strategiewechsel Werder Bremens: „Sportdirektor Klaus Allofs hat unlängst vorgerechnet, daß Werder 10 bis 15 Prozent mehr an Gehältern für den vergrößerten Kader aufwenden müsse, sollte die Champions League erreicht werden. Wachstum also, wo der Markt schrumpft, und das basierend auf soliden Kaufmannsprinzipien. Zu schön, um wahr zu sein? Daß Werder bei diesem Risikomanagement die alten Wurzeln nicht verläßt, dafür stehen Männer wie Aufsichtsrat Willi Lemke, aber auch Jürgen Born. Der sagt: „Wir sind die Profiteure der Misere, denn wir haben uns nicht zu tief ins Wasser getaucht.“ Auch die vormaligen Bedenkenträger sind angesichts des sportlichen Erfolges und der daraus resultierenden glänzenden Zukunft mutiger geworden. (…) Das Umfeld wächst mit dem sportlichen Erfolg, und mögen 13000 Mitglieder im Vergleich zu Bayern, Schalke oder Dortmund auch nicht wirklich viele sein, so ist Werder stolz auf die Wachstumsrate – vor knapp zwei Jahren waren es kaum 3000. Im Meisterjahr 1992/93 kamen 20000 Zuschauer pro Spiel ins Weserstadion, jetzt sind es 37000 im Schnitt, die vergangenen waren und die nächsten beiden sind ausverkauft: 42500 Zuschauer. Dazu muß man wissen, daß Bremen keine Stadt ist, die rückhaltlos hinter ihrem SVW steht. Werder war irgendwie schon immer da, gehört zum Stadtbild, wurde aber nur in Zeiten des großen Erfolges geliebt. Lange glaubten die Fans an der Weser fest an den Einbruch auch in dieser Saison – erst jetzt, wo wirklich nicht mehr viel schiefgehen kann, gibt es eine Werder-Welle mit grün-weiß gefärbten Haaren, Belagerungszuständen beim Training und Vorgärten, deren Hecken in Form des „W“ im Vereinsemblem geschnitten sind. Die Begeisterung um die Meisterprofis in spe ist groß wie nie. Werder hat dazu beigetragen, ist in Postern und auf Litfaßsäulen präsenter denn je. Und der Klub schürt das Eisen, solange es heiß ist. Für den Paradigmenwechsel in der Vereinsphilosophie steht Klaus Allofs, der Sportdirektor, der Mann der unkonventionellen Gedanken, der schon oft von den Geschäftsführerkollegen irritiert angeschaut wurde, beim Gerangel um Klose etwa. Allofs will, muß jetzt riskieren: Eine auf allen Positionen doppelt stark besetzte Mannschaft, die in der Champions League die Gruppenrunde übersteht, das will er haben. Millionenbeträge werden investiert, in Miroslav Klose, vielleicht in Yildiray Bastürk und Emile Mpenza. Verträge mit Micoud und Ernst sollen verlängert werden, gewiß nicht zu schlechteren Bedingungen. Im Sommer will sich Allofs wieder in Südeuropa umschauen. Vielleicht bringt er ein Schnäppchen wie vorher Davala, Ismael oder Reinke mit. Allofs sagt: „Wenn wir uns international etablieren wollen, müssen wir die Gelegenheit dazu auch nutzen.“ Und also Geld ausgeben. Denn sowohl Born als auch Lemke, Allofs und Trainer Thomas Schaaf wissen: Die Bewährungsprobe für Werder Bremens Sprung vom gehobenen Bundesliga-Mittelmaß der letzten Jahre zum Spitzenteam der Bundesliga findet erst in den kommenden Jahren statt.“

Bayern München – 1860 München 1:0

Der Glaube an die eigene Stärke fehlt

Elisabeth Schlammerl (FAZ 27.4.) bezweifelt die Echtheit bayerischer Dominanzsignale: „Selbst der Siegerpose hat jegliche Entschlossenheit gefehlt. Es gab nur ein kurzes Abklatschen, ein paar Umarmungen und das obligatorische Winken in die Fankurve. Die Spieler des FC Bayern bejubelten den Erfolg so verhalten, wie zuvor ihr Spiel, das Engagement auf dem Platz gewesen ist. Womöglich hat die Mannschaft in diesem Moment ein ganz feines Gespür entwickelt für das, was unangebracht gewesen wäre nach der schwachen Leistung. Denn der Blick auf die Bundesliga-Tabelle hätte schon Anlaß gegeben zu ein wenig mehr Ausgelassenheit. (…) Natürlich reklamieren die Bayern mit gewohnt markigen Worten die Meisterschale wieder für sich. Zuständig sind für die verbale Einschüchterung des Gegners in der Hauptsache Manager Uli Hoeneß und Kapitän Oliver Kahn. Die beiden erledigten ihren Job auch zuverlässig – aber selbst bei den beiden waren ein wenig Zweifel an einem erfolgreichen Abschluß der Aufholjagd herauszuhören. Im Fernsehinterview sofort nach Spielschluß gab sich Hoeneß kämpferisch. „Jetzt wird’s wieder lustig in der Meisterschaft. Jetzt greifen wir wieder voll an.“ Hinterher in den Katakomben klang er ein wenig vorsichtiger. Er sei nicht davon überzeugt, es noch zu schaffen, gab der Manager zu. „Aber wir haben jetzt wieder eine Chance.“ Die Bayern bemühen im Titelkampf, der schon aussichtsloser schien, die Vergangenheit. Hoeneß erinnert an das Saisonfinale vor vier Jahren. „Da hatten wir gegen Leverkusen eine viel schlechtere Ausgangsposition vier Spieltage vor Schluß und haben es geschafft.“ Allerdings wirkten die Bayern damals entschlossen, nicht nur mit Worten außerhalb des Platzes, sondern sie ließen auch auf dem Rasen keine Zweifel aufkommen, überzeugt zu sein, alle noch ausstehenden Spiele zu gewinnen. Mit dieser Einstellung, mit diesem Auftreten haben sie damals den Gegner geschockt. Jetzt fehlt den Bayern eine Demonstration der Stärke. Mit dem knappen Sieg gegen die abstiegsgefährdeten „Löwen“ haben sie niemanden eingeschüchtert. Die Körpersprache der Spieler verrät in dieser Saison immer wieder, daß der Glaube an die eigene Stärke fehlt.“

Kutzop und Haching, zu solchen Mitteln greifen die Bayern jetzt

Andreas Burkert (SZ 27.4.) ergänzt: “71 000 Zuschauer mögen ermattet den Heimweg angetreten haben, gelangweilt vom 199. Münchner Derby der Bayern mit dem zunehmend hoffnungsloseren TSV 1860. Aber für die Wortführer des Meisters ist es ein Festtag gewesen, abgesehen vielleicht vom Präsidenten Franz Beckenbauer, der trotz des 1:0 seiner Roten genervt den Daumen senkte. Nicht einmal mit rosarotem Vergrößerungsglas hätte der Freund des schönen Spiels von seinem Ehrensitz aus akzeptables Niveau orten können. „Einen solchen Unterhaltungswert wie in der zweiten Halbzeit“, sprach er angewidert von so viel Durchschnitt, „das hab“ ich noch nie erlebt.“ Uli Hoeneß dagegen ignorierte das Erlebte, er tröstete die auch unter dem neuen Trainer Gerald Vanenburg in der Offensive dramatisch limitierten Sechziger („sehr ordentlich gespielt“) – und vergnügte sich ansonsten am großen Ganzen. Nur noch sechs Punkte hinter Werder, das ja noch nach München müsse, sagte er erfreut, „wir sind wieder in Reichweite“. Wobei die Umstände doch unheimlich bitter seien für die Bremer: Die hätten in Bochum nach einer Ewigkeit mal wieder ordentlich gespielt, „aber wenn du so ein gutes Spiel nicht gewinnst, ist das natürlich fatal“. Das psychologische Nachspiel liegt dem FC Bayern immer noch am meisten, ist er auch noch so erschrocken über seine eigene Leistung. (…) Bremen zeige Nerven, das stehe fest. Das reden sich die Bayern nun seit zwei Wochen ein und hoffen, ihre Litanei möge irgendwie Eingang findet in die Köpfe der Werder-Profis. Die letzten vier, fünf Spiele hätten es jedenfalls in sich, erklärte der weitgereiste Tiefenpsychologe Oliver Kahn, „was du da als Spieler erlebst, das glaubst du nicht!“ Der Bayern-Kapitän rief abermals das Versagen des Michael Kutzop in Erinnerung, der 1986 für Werder einen Elfmeter gegen Bayern in der Schlussminute fatalerweise an den Pfosten gesetzt hat. „Nach der alten Punkterechnung haben die schon mal vier Punkte an zwei Spieltagen verschenkt.“ In der Bremer Haut wolle er nicht stecken, schob er genussvoll nach: „Du bist doch der Idiot, wenn du zehn, elf Punkte noch verspielst.“ Jetzt warten die Bayern also wieder auf einen Kutzop. Hoeneß nennt seine Sehnsucht anders, bei ihm ist sie nach einem Münchner Vorort benannt. In früheren Duellen mit Leverkusen habe man „schon schlechtere Ausgangspositionen gehabt“, erinnerte er sich, und wenn Werder beim Saisonfinale mit nur drei Punkten Vorsprung nach Rostock müsse – „dann könnte das ein Unterhaching werden“. Kutzop und Haching, zu solchen Mitteln greifen die Bayern jetzt.“

Thomas Becker (taz 27.4.) berichtet Wesentliches aus dem Olympiastadion: „Zur Halbzeit 0:4 hinten – das drückt auf die Stimmung. Schon kurz vor dem Anpfiff musste die Nordkurve den ersten kapitalen Gegentreffer einstecken. Die Fans des TSV 1860 hatten sich an einer Choreografie versucht, weiße und hellblaue Täfelchen mitgebracht und so verteilt, dass ein Schriftzug lesbar werden sollte. Prima Idee. Dumm nur, dass das Entziffern der weißblauen Buchstabensuppe recht schwer fiel. „Sechzig“ heißt das, sagt der Nachbar zur Rechten, der zur Linken will „Sieg“ gelesen haben. Tja. Der Konter der Südkurve ist eine Demonstration der Überlegenheit: mannshohe Buchstaben, bergseeklar die Schrift: „Und draußen vor der Roten Stadt, stehen die Blauen sich die Füße platt“ – will sagen: Wenn wir vom FC Bayern in die Allianz-Arena einziehen, müsst ihr Löwen draußen bleiben. Und dann noch die drei Schlappen in der Halbzeitpause: Niederlagen in den urbayerischen Wettbewerben Fass-Anschlagen, Steinheben und Im-Dirndl-Fesch-Ausschauen. 0:4 – eine Klatsche für die leidgeprüften Löwen-Fans.“

Abnormal normal

Sehr lesenswert! Gerhard Pfeil (Spiegel 26.4.) schwärmt für Roy Makaay: „Fußball, darauf wird von den Gelehrten immer wieder hingewiesen, ist ein Laufsport. Doch wer Roy Makaay, 29, trainieren und spielen sieht, könnte meinen, für ihn gelte diese Grundregel nicht. Etwas „seltsam Apathisches“ präge bisweilen die Darbietungen seines Schützlings, räumt auch Hitzfeld ein. Ernstlich beunruhigt gibt sich der Übungsleiter deshalb aber nicht: „Er macht die Dinger ja rein.“ Im Prinzip ist damit das Geheimnis eines Fußballers beschrieben, der die Fachwelt seit Monaten in Staunen versetzt. Als „Tormaschine“ oder „Wunderstürmer“ feiern die Medien den Holländer, weil der eine Treffsicherheit an den Tag legt, wie man sie in der Bundesliga lange nicht erlebt hat. Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten die Jubelarien, als dem „Knipser aus Gelderland“ („Frankfurter Rundschau“) im Heimspiel vor gut zwei Wochen gegen Schalke 04 die Saisontreffer 21 und 22 gelangen. Ernsthaft wurde die Frage erörtert, ob Makaay vielleicht sogar besser sei als einst Gerd Müller. Sicher ist, dass der Siegeszug des Niederländers auch für die Rückständigkeit der hiesigen Branche steht. Als er im Sommer vorigen Jahres in München seinen Dienst antrat, musste er sich jedenfalls fühlen, als sei er in einem Fußball-Entwicklungsland gestrandet. Es begann damit, dass sie ihm, kaum angekommen, schon vorhielten, ein Fehleinkauf zu sein. „Rheuma-Kay“, so höhnten die Bayern-Fans, weil der mit 18,75 Millionen Euro bislang teuerste Einkauf der Münchner nicht auf Anhieb ins Tor traf. Es hieß, er sei ein Fremdkörper, er passe nicht in das System. Die Wahrheit war, dass dem Neuzugang wegen des späten Ortswechsels anfangs Training und Spielpraxis fehlten und zweitens seine Mitspieler erst mal begreifen mussten, wie man so einen Hochbegabten Gewinn bringend einsetzt. Dabei ist es gar nicht so schwer, mit Makaay zu spielen. Meist lauert er auf Höhe der gegnerischen Abwehrreihe auf einen Pass in die Tiefe. International gilt diese Spielweise als en vogue, weil sich so die bei Spitzenclubs beliebte Defensivtaktik der Viererkette am besten aushebeln lässt. Auch dass Makaay manchmal minutenlang nur spazieren geht, ohne den Ball zu berühren, zeuge eher von „großer Klasse“, wie Thomas Linke, der als Innenverteidiger bei Bayern und in der deutschen Nationalmannschaft schon gegen die besten Stürmer der Welt angetreten ist, betont: „Es gibt Stürmer, die rennen und rennen, und als Verteidiger denkt man sich, Mamma mia, bleib doch mal stehen. Aber denen fehlt dann im entscheidenden Moment die Konzentration vor dem Tor, weil sie sich vorher verausgabt haben. Das passiert Roy sicherlich nicht.“ Makaays Effizienz erstrahlt umso mehr in einer Liga, deren deutsche Spitzenkräfte Miroslav Klose, Kevin Kurányi und Oliver Neuville zwar emsig jedem Ball hinterherhetzen, in der Chancenauswertung jedoch weit entfernt von internationaler Klasse sind. (…) „Abnormal normal“, so beschreibt Ted van Leeuwen, Manager des holländischen Zweitligisten AGOVV Apeldoorn, den spröden Angreifer. Van Leeuwen begleitete Makaay früher als Journalist des Fachmagazins „Voetbal International“. Mehrfach startete er mit Makaay den Versuch, auch mal über was anderes zu reden als über Fußball, „aber es klappte nicht“. Es gibt nichts Ungewöhnliches in der Vita Makaays. Die einzige Extravaganz, die sich Makaay im bisherigen Verlauf seiner Karriere leistete, war somit der Entschluss, wissentlich zu einem Verein zu gehen, der sich wie kaum ein anderer zu seiner Rolle als Unterhaltungsbetrieb bekennt. Denn natürlich ist der „FC Hollywood“, wie der FC Bayern auch genannt wird, nicht seine Welt. Es gibt hier Spieler, deren Privatleben in Magazinen detailgenau Niederschlag findet. Da hat er nichts zu bieten. Makaay ist Vater zweier Kinder und seit Jahren mit seiner Jugendliebe Joyce verheiratet. Auch mit der Neigung des Clubs, die eigene Großartigkeit zur Schau zu stellen, kann Makaay vom Wesen her nichts anfangen. In München erhielt er einen Dienstwagen mit dem Kennzeichen M-DM, für „Deutscher Meister“. Weil es dieses Jahr mit dem Titel wohl nicht klappt, werden die Schilder einfach ausgewechselt in M-RM wie „Rekordmeister“. Doch glücklicherweise erwarten die Bayern von Makaay nicht, im Showgewerbe tätig zu sein. Im Gegenteil: Die Club-Strategen haben erkannt, dass die echten Superspieler des europäischen Fußballs ausschließlich auf dem Platz glänzen. Ob Zinedine Zidane, Henry oder van Nistelrooy – sie zeigen jedes Wochenende, dass das Beste an der Entertainment-Ware Fußball das Spiel ist und nicht das tosende Beiwerk. Der zurückgezogene Makaay ist somit ein Volltreffer für den FC Bayern. Nur: Ist der deutsche Vorzeigeclub auch ein Volltreffer für Makaay?“

Sparzwang?

Wird Bayern München künftig weniger Geld ausgeben? Elisabeth Schlammerl (FAS 25.4.) spekuliert: „Gerne wurde jahrelang in der Fußball-Bundesliga das Feindbild vom mit Geld um sich werfenden Branchen-Krösus FC Bayern München gezeichnet. Die Verantwortlichen des Rekordmeisters haben nichts gegen dieses Image der Millionarios getan, im Gegenteil, sie haben es oft genug bestätigt. Mit großzügigen Schecks für Wunschspieler nach Unterzeichnung eines Vorvertrags oder Aussagen wie: der FC Bayern könne jeden Spieler haben, den er wolle. Schon damals haben sie aber nicht jeden Spieler um jeden Preis haben wollen, und es gibt sogar Profis, die von München nach Dortmund nicht nur wegen besserer sportlicher Perspektiven gewechselt sind, sondern vor allem, weil dort monatlich ein wenig mehr aufs Gehaltskonto floß. Derzeit müsssen die Spieler der Westfalen allerdings froh sein, daß das Gehalt überhaupt noch pünktlich überwiesen wird von der klammen Aktiengesellschaft, und soviel wie einmal vereinbart ist es auch nicht mehr. Beim FC Bayern hat bisher noch immer jeder bekommen, was in seinem Vertrag steht, aber die großen Euroscheine sitzen auch nicht mehr so locker, weshalb mittlerweile das Bild mit den kleinen Brötchen viel passender ist. Schon vor längerem haben die Verantwortlichen angekündigt, daß die Spieler bei Vertragsverlängerungen mit Gehaltskürzungen rechnen müßten. Als dann Bixente Lizarazu aber vor gut einer Woche bekanntgab, er werde den FC Bayern am Saisonende verlassen, weil die neue Offerte nicht seinen finanziellen Vorstellungen entsprach, mutmaßte die Branche schon einen Sparzwang beim Meister.“

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