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WM 2006

Das reale Deutschland ist zu besichtigen: Gut vernetzt und schlecht beraten

Oliver Fritsch | Mittwoch, 29. September 2004 Kommentare deaktiviert für Das reale Deutschland ist zu besichtigen: Gut vernetzt und schlecht beraten

Wer wird die Eröffnungsfeier veranstalten? Thomas Kistner (SZ 29.9.) kommentiert die Diskussion: „Das Gezerre um die diversen WM-Eröffnungsfeiern – Vor-Feier in Berlin, Hauptfeier in München vorm Anpfiff des ersten WM-Spieles – wirkt absurd. Ja wer hat sie denn, die größte, längste, teuerste Party: Die Bundeshauptstadt und -regierung mit Sportminister Schily oder die forsche Fußballhauptstadt der Nation, mit ihrem Bayern-Verwaltungsratschef Stoiber an der Spitze? Die WM-Organisatoren können noch so sehr beteuern, dass sich dieses parteipolitische Muskelspiel im üblichen Bereich bewegt. Tatsache ist, dass wenige Wochen nach dem WM-Finale in Deutschland Bundestagswahlen sind und es natürlich weit und breit keine prächtigere Bühne gibt im Lande für potente, siegreiche Selbstdarstellung. (…) Die Fifa hat die Gefahr erkannt, die aus der politischen Gemengelage erwächst, vor allem aber das zusätzliche Vermarktungspotential, das im Land der stolz rivalisierenden Deutschen noch schlummert. Die aber sind, ob Schily oder Stoiber, Spreewaldgurken oder Schuhplattler, vom Bild einer neuen, dynamisch aufbrechenden Nation noch ein gutes Stück entfernt. Im Moment ist das reale Deutschland zu besichtigen: Gut vernetzt und schlecht beraten.“

Robert Ide (Tsp 29.9.) referiert den Hintergund: „Als Veranstalter des Berliner Festes, das am Vortag des Eröffnungsspiels in München stattfindet, tritt bislang die Bundesregierung auf. Die Opposition befürchtet deshalb eine verdeckte Werbeshow für Rot-Grün kurz vor der Bundestagswahl 2006. Seit einigen Tagen aber ist sich CDU-Politiker Klaus Riegert sicher: „Otto Schilys WM-Fete ist geplatzt.“ Hintergrund sind unter Sportfunktionären und Politikern kursierende Gerüchte, die Fifa wolle die Eröffnungsfeier in Berlin veranstalten. Aus höchsten DFB-Kreisen heißt es dazu: „Es ist denkbar, dass die Fifa das macht.“ Der Verband selbst bestätigt Verhandlungen. „Wenn die Fifa tatsächlich Veranstalter der Feier wird, hat das Folgen für die Finanzierung“, sagte der Sportexperte der Grünen, Winfried Hermann, am Dienstag dem Tagesspiegel. Dann nämlich müsste sich die Fifa an den Kosten beteiligen. Bereits verplante öffentliche Mittel wären wieder frei. Politiker verschiedener Parteien haben schon Ideen entwickelt, wie man das Geld ausgeben könnte. Die Grünen wünschen sich eine Verwendung für internationale Sportprojekte, die Union für Dopingbekämpfung und den Behindertensport.“

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