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Ball und Buchstabe

Es gibt in Europa längst eine Mafia, die über Sportwetten Einfluss auf Fußballspiele nimmt

Oliver Fritsch | Mittwoch, 26. Januar 2005 Kommentare deaktiviert für Es gibt in Europa längst eine Mafia, die über Sportwetten Einfluss auf Fußballspiele nimmt

Fall Hoyzer – Armin Lehmann (Tsp 26.1.) wundert sich über die sehr starke Empörung und die Fassungslosigkeit einiger Beobachter: „Grundsätzlich ist es nicht verkehrt, einen gesunden Generalverdacht gegen die modernen Strukturen des Sports zu hegen und sie permanent auf ihre Tauglichkeit zu befragen. Das ist notwendig, weil der Sport sich nach außen immer sehr moralisch gibt und gerne so tut, als verfolge er hehre Ziele. Aber der Sport hat jahrelang eklatant bei der Dopingbekämpfung versagt. Hohe Funktionäre haben die Augen verschlossen und nicht verhindert, dass weltweit ein kriminelles System entstehen konnte. Der Sport und seine Funktionäre sind sehr naiv. Ernst zu nehmende Vorfälle im Fußball zeigen: Es gibt in Europa längst eine Mafia, die über Sportwetten Einfluss auf Fußballspiele nimmt. Aber das will der Fußball einfach nicht wahrhaben.“

Bisher hat nur eine öffentliche Vorverurteilung stattgefunden

So einfach wie der DFB sich ein Urteil vorstellt, so einfach wie der DFB es darstellt, wird die Rechtsfindung nicht – Michael Horeni (FAZ 26.1.): “Weitet sich der Schiedsrichterskandal auf Bundesligaspieler aus? Könnte zumindest sein, sagt die Staatsanwaltschaft in Braunschweig. Das muß sie auch sagen: Ihre Erfahrungen in anderen Wettbetrugsfällen legen es nahe, nicht nur an eine Einzelfalltheorie zu glauben, sondern in alle Richtungen zu ermitteln. Aber die Staatsanwaltschaft sagt noch etwas ganz anderes über eine Affäre, die schon mit dem Bestechungsskandal von 1971 gleichgesetzt wird: daß es äußerst schwierig werden dürfte, die Schuld Hoyzers, falls er manipuliert hat, auch zu beweisen. Das ist eine ziemlich überraschende Wendung in dem jungen Fall angesichts der Haltung des DFB, der schon vom ersten Tag der Affäre an den Eindruck vermittelte, über handfeste Beweise zu verfügen – und überzeugt von „Betrug“ sprach. Bisher hat nur eine öffentliche Vorverurteilung stattgefunden.“

Der DFB hatte seine Kronzeugen verraten

Im Tagesspiegel liest man über die Reaktion der vier Berliner Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich, Manuel Gräfe, Olaf Blumenstein und Felix Zwayer, die dem DFB geheim Aussagen zukommen lassen wollten: „Zum erheblichen Unwohlsein der Berliner hat vor allem das unprofessionelle Vorgehen des DFB beigetragen. Dass sie mit einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit gingen, hat einen simplen Grund: DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte unter den möglicherweise manipulierten Spielen auch das Zweitligaspiel zwischen Rot-Weiß Essen und dem 1. FC Köln genannt. Dieses Spiel aber leitete Schiedsrichter Manuel Gräfe aus Berlin. Er rief deshalb nach Zwanzigers Erklärung „völlig konsterniert“ beim DFB an, um Auskunft zu verlangen. Am Abend musste der DFB dann eine Ehrenerklärung für das Schiedsrichtergespann abgeben. Da aber niemand vom DFB dementierte, dass der 25 Jahre alte Hoyzer versucht habe, Einfluss auf einen der Assistenten zu nehmen, war klar: Der DFB hatte seine Kronzeugen verraten.“

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