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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

EM 2008

Nicht mehr Stier, sondern Stierkämpfer

Oliver Fritsch | Sonntag, 29. Juni 2008 Kommentare deaktiviert für Nicht mehr Stier, sondern Stierkämpfer

Marca betont die Gegensätze der Finalisten: „Spanien hat Europa verzaubert und eine Symphonie geschenkt. Es gibt mehrere Wege, ins Finale einzuziehen, Deutschland verkörpert die Maxime, dass das Ergebnis zählt und wir haben aufs Spektakel gesetzt. Mal sehen, welcher Ansatz siegen wird.“

César Luis Menotti predigt in seiner Kolumne in El Mundo: „Es besteht die Vision, ein großes Spiel zu sehen, wenn die Spieler mit Respekt spielen. Respekt dem Ball, dem Wettkampf und dem Publikum gegenüber. Wenn er solche Werte würdigt, wird der Fußball nie wegen einer Niederlage beleidigt sein.“ Den Wandel der Spanier beschreibt er so: „Früher verkörperten sie die Furie. Heute zeigen sie den Mut des Stierkämpfers und nicht des Stiers.“ Den Deutschen gibt Menotti den Rat, sich ihrer Stärken zu erinnern: „Frischt Euer Fußballgedächtnis auf!“

As schickt ein leicht vergiftetes Lob hinterher: „Das Geheimnis Deutschlands ist seine Intelligenz. Deutsche Spieler wenden ihre Klugheit im Dienste des Kollektivs an, sie reagieren mit gesundem Menschenverstand auf die Probleme und Wendungen des Spiels, um ihre zahlreichen Mängel zu kaschieren.“

Synthese

Der Spanien-Korrespondent Paul Ingendaay (FAZ) schildert die neue Homogenität Spaniens: „Ein Markenprodukt musste her, und Luis Aragonés wagte tatsächlich etwas Neues: Er entmachtete das fußballerische Ancien Régime, drängte den alternden Leitwolf Raúl aus dem Team und vertraute die Führung einer Horde mittelalter bis junger Akteure an. Manche von ihnen haben eine schwache Saison hinter sich, Xavi und Iniesta bei Barcelona, Silva und Villa beim FC Valencia. Keiner von Aragonés‘ Männern ist, für sich genommen, ein Star, mit Ausnahme von Torres und Fàbregas, die beide in der Premier League spielen. Ausgerechnet diese beiden konnten den Stil der Nationalmannschaft bisher kaum prägen, weil das britische Steilpassspiel die Antithese des spanischen Ticki-tacka ist. Erst in der brillanten zweiten Halbzeit gegen Russland gelang die Synthese der beiden Systeme, und es zeichnet sich ab, dass der einundzwanzigjährige Cesc Fàbregas mit seiner überragenden Spielauffassung der künftige Lenker des spanischen Teams sein wird. Und dieser Gegner wäre wirklich zu fürchten.“

FAZ: Die spanische Elf in Kurzportraits

Spanische Presse bearbeitet von José Fernandez-Perez

Geht Pacco Fabregas auch heute durchs Feuer?

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