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Internationaler Fußball

Die Roten Ritter wollen Manchester United retten

Christoph Asche | Mittwoch, 3. März 2010 2 Kommentare

In Manchester wollen die Roten Ritter United vor dem Ruin bewahren, eine Frau zerstört die WM-Träume der Engländer, die Premier League umweht ein asozialer Hauch und Maradona spaltet die Nation

Hochrangige Figuren aus der Finanzwelt

Manchester United plagt seit der Übernahme durch den US-amerikanischen Investor Malcolm Glazer ein gewaltige Schuldenlast, die sich mittlerweile auf 700 Millionen Pfund beläuft. Christine Mai berichtet in der Financial Times Deutschland über eine Gruppe von United-Anhängern – allesamt hochrangige Figuren aus der Finanzwelt –, die den Klub vor dem finanziellen Kollaps retten will: „Die ‚Red Knights‘ bestätigten am Dienstag, dass sie sich am Tag zuvor in London getroffen hatten, um die Möglichkeit eines Übernahmeangebots auszuloten. Sie unterstützten das derzeitige Management, betonten sie, wollten den Verein aber auf eine ‚vernünftige finanzielle Grundlage‘ stellen“, schreibt Mai. Die Planungen sind allerdings noch sehr vage. In einer Pressemitteilung habe es geheißen, dass die Diskussionen noch „in einem frühen Stadium“ seien, zur Glazer-Familie habe man noch keinen Kontakt aufgenommen. Mai macht deutlich, dass das Konsortium zwar hohe Hürden überwinden muss („Experten schätzen, dass die Gruppe mindestens 1 Mrd. Pfund auftreiben muss“), vermutet aber gleichzeitig eine positive Auswirkung auf das Umfeld der Red Devils: „Den Fans dürfte die Initiative dennoch Auftrieb geben. Immer mehr von ihnen tragen aus Protest gegen die Glazers nicht mehr die roten Man-United-Trikots und Schals – sondern gelb und grün, in Anspielung auf Newton Heath, den 1878 gegründeten Verein, aus dem Manchester United hervorging. Die ‚Red Knights‘ könnten ihnen die Farbe rot wieder schmackhaft machen.“

Historische Revolution steht bevor

David Anderson (Mirror) zieht in der Causa Glazer/“Red Knights“ historische Vergleiche: „Der Glazer-Clan wurde von den ‚Red Knights‘ gewarnt, dass eine Revolution bevorsteht. Die Gruppe wohlhabender und gut vernetzter Manchester-Fans, die die Glazers verdrängen wollen, sind unerschrocken von der Tatsache, dass die Familie den Verein nicht verkaufen will. Wie beim Fall der Berliner Mauer vor 20 Jahren glauben sie, dass die Antriebskraft der Anhänger helfen wird, die unbeliebten Amerikaner aus dem Old Trafford rauszuschmeißen.“ Die Fans hätten es satt, dass der Verein von seinen derzeitigen Besitzern bis auf den letzten Tropfen Blut ausgesaugt werden würde, zitiert Anderson ein Mitglied der „Red Knights“.

Sky Sports beantwortet die wichtigsten Fragen zu den „Red Knights“, die für viele Fans so etwas wie das langersehnte Licht am Ende des Finanzchaos-Tunnels sind. Zur Zusammensetzung dieses Konsortiums: „Eine Mischung aus Bänkern, Anwälten und langjährigen United-Fans. Mitglieder sind unter anderem Jim O‘Neill, Chef-Ökonom von Goldman Sachs, John Marshall, Partner beim Hedge-Fonds Marshall Wace, Richard Hytner von der Werbeagentur Saatchi and Saatchi und Mark Rawlinson, der United 2005 bei der Übernahme durch die Glazers beraten hat.“ Über den Anführer der „Red Knights“, Keith Harris, erfährt man, dass er sich sehr gut im Fußballgeschäft auskenne, da er bereits bei Übernahmen von Aston Villa, Manchester City und West Ham United involviert gewesen sei.

Was nun, Signore Capello?

Thomas Kielinger beschreibt auf Welt Online, welche Ausmaße der Streit zwischen Wayne Bridge und John Terry in England angenommen hat. Es habe sich mittlerweile ein „nationales Problem“ entwickelt, da es „nun um das englische Fußballnationalteam und seine Aussichten beim kommenden WM-Turnier“ gehe. Bridge, der zuvor in Capellos Planungen für Südafrika eine zentrale Rolle gespielt hatte, hat bekannt gegeben, dass er nicht mit zur WM fährt. Kielinger fasst die prekäre Lage zusamen: „Heroismus oder Überreaktion? Die Meinungen sind gespalten – und die Nation fragt: Was nun, Signore Capello? Die sorgfältige Weltmeisterschaftsplanung des italienischen Trainers liegt am Boden wie ein Kartenhaus. Capello, Meister der Fußballtaktik und der streng-disziplinarischen Führung, musste hilflos den Skandalen abseits des Spielfeldes zusehen.“ Hinzu kommt der eher unglückliche Umgang mit Bridge, dem eigentlichen Leidtragenden in der ganzen Sache: „Mit Wayne Bridge nämlich nahm Capello keinen Kontakt auf, wo doch gerade er als das ‚Opfer‘ des Stücks besondere Streicheleinheiten benötigt hätte. Daher wirkt Capellos Beteuerung jetzt wie zu spät gekommen: Die Tür zur Nationalmannschaft stehe Wayne Bridge weiter offen, er, Capello, hoffe auf ein Umdenken des Verteidigers. Da kann er lange hoffen.“

Im Guardian erfährt man, wie Capello versucht, den Fokus seiner Nationalspieler trotz – oder gerade wegen – aller aktuellen Querelen auf die WM zu richten: „Er weist seine Spieler mahnend darauf hin, dass sie während der nächsten drei Monate außerhalb des Spielfelds Opfer bringen müssen.“ Eine Wiederholung der aktuellen Streitigkeiten, die das Team im Hinblick auf die WM abgelenkt hätten, müsse vermieden werden. „Wir stehen im Rampenlicht, aber wir müssen uns benehmen. Jeder von uns weiß das. Die Ansprache des Trainers war kurz und bündig und hat uns klargemacht, dass wir uns auf Fußball konzentrieren müssen“, wird Steven Gerrard zitiert.

Eine Art Albtraum

Christian Eichler (FAZ) hat am vergangenen Wochenende besonders auf der Insel  einen „asozialen Hauch“ verspürt. Abgesehen von der Terry/Bridge-Posse ist ihm in der Premier League besonders das brutale Foul von Ryan Shawcross gegen Aaron Ramsey negativ aufgefallen, bei dem sich der junge Mittelfeldmann von Arsenal London einen doppelten Schien- und Wadenbeinbruch zugezogen hat. „Manchmal aber muss, wer den Fußball liebt, ihn auch genau dafür hassen. Was in der 66. Minute der Partie zwischen Stoke City und dem FC Arsenal geschah, war für viele, die diese Szene sahen – und man konnte sie nur einmal sehen, weil die Fernsehregie entschied, sie nicht noch einmal zu zeigen, schon gar nicht in Großeinstellung und Zeitlupe –, ein übles Déjà-vu; eine Art Albtraum, den man schon mal hatte. Ein schreckliches Foul, mit lang gestrecktem Bein, halbhoch über der Grasnarbe. Ein Tritt, der das Bein des Gegenspielers nahezu zerteilte.“ Dass Shawcross am selben Tag noch in den Kader der englischen Nationalelf für das Testspiel gegen Ägypten berufen wurde, stößt bei Eichler auf Unverständnis. Besonders in England seien die Kriterien, nach denen man bei der Auswahl der Spieler des Nationalteams gehe, nicht immer ganz einfach zu durchschauen. „Sicher ist, dass ein Hauch von asozialem Verhalten nicht schadet“, bemerkt Eichler.

Über Diego Maradona zu lachen, ist gefährlich

Wer bei der WM die Argentinier nicht auf dem Zettel hat, „wird in Südafrika seine Überraschung erleben“, schreibt Peter Ahrens (Spiegel Online) in seinem Portrait über Diego Maradona. Dabei sei der 49-Jährige in seiner Amtszeit als Nationalcoach bislang durch Himmel und Hölle gegangen: „Mittendrin ein Trainer ohne Plan, der nach Gefühl und Wellenschlag Spieler im Dutzend nominierte und wieder aussortierte. Der versehentlich Profis in sein Aufgebot berief, die gar nicht auflaufen konnten, weil sie nach einer Operation noch im Krankenhaus lagen. Andere Nominierte mussten für Länderspiele absagen, weil der Nationaltrainer Maradona bei ihrer Berufung übersehen hatte, dass sie in derselben Woche wichtige Spiele für ihren Verein zu absolvieren hatten.“ All das heißt jedoch nichts. „Über Diego Maradona zu lachen, ist gefährlich“, mahnt Ahrens. „Man kann ihn als komplett überspannt abtun, als irrational, als nur von seinem Bauchgefühl gesteuert – er betreut immer noch ein Team, in dem einige der besten Fußballer der Welt spielen.“

Nicht wenige zweifeln an Maradonas Trainerfähigkeiten

Peter Burghardt (Süddeutsche Zeitung) findet dagegen, dass das argentinische Team derzeit etwas kränkelt. So trete Messi für sein Land „nicht annähernd so maradonianisch“ auf wie in Barcelona. Auch Messis Teamkollegen vollbringen derzeit alles andere als Wunderdinge im Nationaldress, weiß Burghardt: „Fast alle Stürmer schießen ihre Tore lieber in ihren Klubs, gerade wieder Messi für den FC Barcelona, Carlos Tevez für Manchester City, Gonzálo Huguaín für Real Madrid, Diego Milito für Inter Mailand und Schwiegersohn Sergio Agüero für Atlético Madrid.“ Da auch die Abwehr wackelt, ist die Stimmung im eigenen Land alles andere als gut. Nicht wenige zweifeln an Maradonas Trainerfähigkeiten: „Das Publikum fragt sich unterdessen, ob er die Ansammlung weißblauer Talente noch zum Kollektiv vereint.“ Andererseits sei die Messlatte von den Vorgängern Daniel Passarella, Marcelo Bielsa und José Pekerman auch nicht besonders hochgehängt worden, bemerkt Burghardt.

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Kommentare

2 Kommentare zu “Die Roten Ritter wollen Manchester United retten”

  1. Luke
    Mittwoch, 3. März 2010 um 20:09

    Come on Red Knights! Gebt nicht auf und vertreibt die Glazers!

  2. Luke
    Mittwoch, 3. März 2010 um 20:10

    Come on Red Knights!

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