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2. Liga: St. Pauli vor Aufstieg, 1860 vor Auszug, Frankfurt vor Rettung

Frank Baade | Mittwoch, 14. April 2010 1 Kommentar

Der FC St. Pauli hat dank guter Arbeit von Präsident und Team beste Chancen aufzusteigen, mit wiedervereinten Fans; 1860 will ins Olympiastadion und der FSV Frankfurt in der Liga bleiben

Nicht mehr wie ein Rudel gefräßiger Wölfe

Als „gereift und stabil“ bewertet Jörg Marwedel in der SZ den FC St. Pauli des Jahres 2010. Corny Littmann habe viel dazu beigetragen, „dass es im sportlichen und wirtschaftlichen Bereich inzwischen so wenig Chaos gibt, dass man dem FC St.Pauli nach dem Aufstieg diesmal durchaus Chancen auf mehr als ein Jahr im Oberhaus einräumen kann. Nie ging es dem Klub auch finanziell besser als jetzt.“ Neben den diversen finanziellen Rettungsaktionen habe Littman auch in Trainer Stanislawski, Scouts, Jugendtrainern und Sportchef Helmut Schulte ein fähiges Team installiert. Sportliche Folge davon: „Man rennt trotz offensiver Spielweise nicht mehr nur an wie ein Rudel gefräßiger Wölfe. Man wartet auch einmal, bis der Gegner den ersten Fehler macht. So wie gegen den FC Augsburg, der in der ersten Halbzeit das bessere Team war.“

Auf dem Platz seien zwei Spieler maßgeblich für die neue Stärke dieser Saison gewesen, analysiert Frank Heike (Tagesspiegel): „St. Pauli mag eine flache Hierarchie haben und war schon in der vergangenen Serie eine spielstarke Mannschaft. Aber erst durch die erfahrenen Anführer Lehmann und Ebbers ist das Team zum Aufstiegskandidaten gereift. Ebbers ist ein Mannschaftsspieler, den aber auch etwas Persönliches umtreibt: auf den Erstligastationen Duisburg, Köln und Aachen konnte er nie beweisen, die Qualitäten für die Bundesliga zu besitzen. Das soll in der nächsten Spielzeit anders werden.“

Stanislawski ist kein Trickser und Blender

Dass sie dabei auf ihre Fans zählen können, ist nun wieder wahrscheinlicher als noch direkt nach einem Zwischenfall, den Ralf Lorenzen (Financial Times Deutschland) schildert: „Aus Protest gegen die von der Polizei verfügte Einschränkung für die Gästefans boykottierten einige Fangruppen des FC Sankt Pauli, darunter die besonders obrigkeitskritischen Ultras, den Zugang zur Südtribüne. Es kam zu Handgreiflichkeiten. Anschließend war davon die Rede, dass eine Spaltung der Fanszene drohe.“ Doch während der Partie gegen Aachen standen die Fans vereint hinter dem Team, mit dem bekannten Ergebnis auf dem Platz. „Am Dienstag verzichtete das Präsidium auf Stadionverbote und Strafanzeigen. Gleichzeitig kündigte der Verein die Sonderrechte der Ultras bei der Vergabe der Stehplätze auf. Es besteht keine Gefahr, dass es beim Kiezklub in der ersten Liga zu harmonisch wird.“

Dorthin will vielleicht noch mehr als seine Spieler ihr Trainer. Stanislawski sei „kein Schreihals oder Blender. Der beste Schüler des letzten DFB-Trainerlehrgangs ist ein akribischer Arbeiter, der die Nächte vor Spielstrategien am Laptop verbringt und den Profis eine Mappe mit Spielzügen erstellt hat. St. Pauli gilt als spielstärkstes Team der zweiten Liga.“ Weiter weiß Frank Heike (FAZ) auch von der Distanz zwischen Trainer und Fans. „Mit den bei den Fans so geschätzten Attributen ‚Freibeuter der Liga‘ oder ‚Kultklub vom Kiez‘ kann Stanislawski nichts anfangen. Bei den Fans der St.-Pauli-Ultras eckt er mit solchen Sätzen an. Zum Glück interessiert das Stanislawski und Präsident Corny Littmann nicht besonders.“

Frankfurt im Aufwind — Oberhausener Minimalisten

Der FSV Frankfurt ist plötzlich sogar punktgleich mit Hansa Rostock, welches auf dem nächsten, einem Nichtabstiegsplatz, rangiert. Denn der FSV siegte gegen Rot-Weiß Oberhausen, welches Jörg Hanau (FR) sogar in Überzahl enttäuschte: „Kaum vorstellbar, dass diese Oberhausener Minimalisten am vergangenen Wochenende noch Tabellenführer 1. FC Kaiserslautern besiegen konnten. Eine unerklärliche Vorstellung. Oberhausen kann von Glück reden, als Tabellen-14. bereits 37 Punkte eingesammelt zu haben. Einen Sieg braucht RWO aber noch, um die Klasse sicher zu halten. Ein Ziel, dass sich auch der FSV weiter vor Augen hält.“ Gelegenheit, diesem Ziel näherzukommen hat der Klub: der nächste Gegner heißt Hansa Rostock.

Nicht ganz so einmalige Union

Bei einem Team im seit dieser Saison etwas größeren Niemandsland der Zweitligatabelle ist die Luft raus. Matthias Wolf (Berliner Zeitung) fuhr mit erschöpften Unionern Zug: „Am Bahnhof in Kaiserslautern gab es viele ungläubige Gesichter. Als der Berliner Tross in den Sonderzug stieg, waren viele Anhänger der Heimmannschaft regelrecht neidisch: Spieler und Anhänger des 1. FC Union reisten gemeinsam zurück in die Heimat. Die Profis verteilten sich im ganzen Zug, führten viele Gespräche und tranken sogar das eine oder andere Bier mit den Fans – wohl ein einmaliger Vorgang im deutschen Profifußball.“ Dabei wollen wir allerdings nicht den SC Freiburg vergessen. Dass die Zugfahrt überhaupt so bemerkenswert war, lag aber auch am fußballerischen Auftritt der Berliner. „Nur eine Randnotiz blieb letztlich, dass Union nun seit acht Partien ohne Sieg ist, auf dem Betzenberg auch nicht glänzen konnte.“ Die Spielweise sei wohl „nur ein weiteres Indiz dafür, dass der Akku leer ist und sie sich vor allem ins Ziel retten wollen nach dieser Saison der Höhen und Tiefen.“

1860 will unter Druck zurück

Der TSV 1860 München will oder und muss immer noch raus aus der Allianz-Arena. Nach dem gescheiterten Versuch, das Grünwalder Stadion für Profifußball zu reaktiveren, soll es jetzt zurück ins heimelige Olympiastadion, um Kosten zu sparen natürlich. In diesem Monat solle eine Entscheidung darüber fallen, berichtet Gerald Kleffmann (SZ), ob ein Auszug machbar ist. Problematisch auch deshalb, weil der TSV 1860 zur Zeit mit dem FC Bayern wegen Differenzen bezüglich der Arena-Nutzung vor Gericht streitet. Uli Hoeneß habe sich geäußert, dass er bis zu einer Einigung in diesen Fragen zu anderen Anliegen schweigen werde. „Ein in der Tat ordentliches Druckmittel ist das. Am 6. Mai, wenn der Olympiapark-Aufsichtsrat tagt und über Umbauten im Stadion entscheidet, muss schließlich klar sein, ob der Fußball zurückkehrt. Dass die Stadt als Eigentümerin darauf drängt, erschließt sich anhand finanzieller Gründe. 1860 wäre eine neue und erträgliche Einnahmequelle.“ 1860 werde den Bayern also etwas bieten müssen, um diese Lösung zu erreichen. Denkbar seien ein Verzicht auf die Klage oder eine hohe Abstandszahlung. Unter Druck sei 1860 aber in jedem Falle: „Nachdem die Vereinsführung den angestrebten Umzug ins Grünwalder Stadion nicht geschafft hatte, sollte alsbald mal ein Vorhaben gelingen.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “2. Liga: St. Pauli vor Aufstieg, 1860 vor Auszug, Frankfurt vor Rettung”

  1. Trainer Baade » Birne oder Beine:
    Donnerstag, 15. April 2010 um 03:48

    […] Gelesen während eines indirekten freistosses. […]

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