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DFB-Pokal

Schalke plagiiert Dortmund und wirft Bayern aus dem Pokal

Kai Butterweck | Donnerstag, 3. März 2011 13 Kommentare

Mit einem treffsicheren Raul, einem starken Manuel Neuer und der kopierten Spielweise des ungeliebten Reviernachbarn aus Dortmund gewinnt der FC Schalke 04 bei den Bayern. Außerdem: Überschwängliche Freude im gebeutelten Duisburg

Sebastian Krass (Tagesspiegel) kündigt unruhige Tage in München an: „Man hatte nach der Demütigung gegen Dortmund ja gedacht: Viel schlimmer kann es für den FC Bayern nicht mehr kommen. Doch das war ein Irrglaube. Denn seit Mittwochabend steht fest, dass der deutsche Rekordmeister in dieser Saison keinen nationalen Titel mehr gewinnen kann. Die Mannschaft von Louis van Gaal verlor das DFB-Pokal-Halbfinale zu Hause gegen den FC Schalke 0:1. Da mit dem momentanen Tabellenplatz vier zu allem Übel selbst die Champions-League-Qualifikation in Gefahr ist, dürften an der Säbener Straße eisige Stunden bis zum wichtigen Ligaspiel beim Dritten Hannover 96 bevorstehen.“

Andreas Burkert (SZ) richtet seinen Fokus auf die beiden Schlussmänner der Partie: „Im Spiel haben sich weder Kraft noch Neuer sonderlich auszeichnen können, wenn man einmal davon absieht, dass der Schalker nach der Halbzeit sehr routiniert das Obst vor seinem Kasten entfernte und stets eine Autorität darstellte, als die Bayern doch den Druck erhöhten. Robben schoss, Kroos zog ab, aber das stellte ihn nicht vor Probleme. Gegenüber fror Kraft allmählich fest, einmal vertändelte er gefährlich den Ball. Dann lief Neuer dem konsternierten Mob fror: Abpfiff, er jubelte.“

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Neuer war der beste Mann auf dem Platz

Christian Paul (Spiegel Online) lobt Manuel Neuer: „Die Fans des FC Bayern hatten sich bereits vor dem Halbfinale festgelegt: Torwart Manuel Neuer, der seit Wochen mit dem Rekordmeister in Verbindung gebracht wird, soll nicht in den Süden wechseln. Mit ausgestreckten Armen hielten sie ihre Botschaften in den Himmel. Doch nach dem Spiel dürften einige Anhänger ihre Meinung noch einmal überdenken. Durch das 0:1 ist der FC Bayern ausgeschieden, Schalke fährt zum Endspiel nach Berlin und Neuer war der beste Mann auf dem Platz.“

Oliver Fritsch (Zeit Online) analysiert die Spielweise der Mannen von Felix Magath: „Schalke hat sich, grob gesagt, von Dortmund einiges abgeschaut, hat es ebenso geschafft, Robben aus dem Spiel zu nehmen, völlig unerwartet mit Hans Sarpei in einer sehr gelungenen Nebenrolle. In der Feinanalyse zeigen sich jedoch Unterschiede: Schalke stand sehr tief, hat die Konter seltener als der BVB und auch mit weniger Spielern gefahren. Es war eher das Inter-Mailand-Modell von 2010. Sehr überlegen waren die Schalker bei Ecken, da hätten sie noch mehr Tore schießen können.“

Blaupause für Felix Magath

Jörg Hanau (FR) wundert sich über die Passivität der Bayern: „Wer nach der 1:3-Demütigung gegen Borussia Dortmund am vergangenen Samstag einen Sturmlauf der Bayern erwartet hatte, wurde maßlos enttäuscht. Die Schalker standen tief, die Defensivtaktik des BVB geriet zur Blaupause für Felix Magath. Die Kreativen Arjen Robben und Franck Ribéry wurden gedoppelt. Eine ebenso simple wie effektive Strategie.“

Elisabeth Schlammerl (FAZ) befürchtet eine Saison ohne Titelgewinn für die Bayern: „Louis van Gaal muss damit rechnen, am Ende der Saison sogar mit leeren Händen dazustehen. Denn in der Champions League, dem letzten Wettbewerb, in dem die Bayern noch vertreten sind, ist die Mannschaft in der derzeitigen Verfassung keine Konkurrenz für Barcelona, Real Madrid oder Manchester United. Die Bayern wirkten wieder unsicher in der Defensive und nach vorne fehlte gegen eine gut gestaffelte Schalker Abwehr die Durchschlagskraft.“

Unterirdischer Auftritt von Franck Ribery

Florian Bogner und Stefan Mosner (spox.com) fordern mehr von Franck Ribery: „Der Franzose machte gegen Uchida kaum einen Stich, verlor viele Bälle in der Vorwärtsbewegung und strahlte kaum Torgefahr aus. Für seine Verhältnisse ein unterirdischer Auftritt.“

Manfred Hendriock (derwesten.de) freut sich mit den Schalkern: „Schalke hat durch das Erreichen des Pokalfinales jetzt wieder eine echte Perspektive – bei einem Erfolg  ist sogar die Europa League erreicht. Dies war das Minimalziel vor der Saison. Auch Manuel Neuer wird nun nicht mehr als Notverkauf über den Tisch gehen. Wenn jetzt sogar Manchester United mitbietet, werden die Bayern für Neuer tief in die Tasche greifen müssen, sofern Schalke seinen Super-Torwart überhaupt hergibt. Dennoch ist auf Schalke durch diesen Sieg natürlich noch nicht wieder alles gut. Nur werden die Kritiker von Felix Magath konstatieren müssen, dass mit dem Pokalfinale und dem Erreichen des Achtelfinales der Champions League  in zwei von drei Wettbewerben die Ziele mehr als erfüllt wurden.“

Kleiner Club, großes Gefühl

Daniel Theweleit (Spiegel Online) amüsiert sich über Duisburger Emotionen: „Natürlich wurde gefeiert, wenige Momente nach dem Schlusspfiff hatten die siegreichen Spieler eigens gedruckte Final-T-Shirts übergestreift, Trainer Milan Sasic wurde während eines Fernsehinterviews mit Bier aus einem dieser überdimensionierten Humpen überschüttet, die normalerweise erst zum Einsatz kommen, wenn Titel auch gewonnen wurden. Aber Duisburg ist eben ein kleiner Zweitligist und bejubelte den Einzug ins Berliner Endspiel wie einen großen Sieg. Hier gilt: kleiner Club, großes Gefühl.“

Felix Meininghaus (FR) berauscht sich an der Atmosphäre auf den Duisburger Rängen: „Gegen Cottbus war das Stadion zum ersten Mal seit Mai 2008 wieder ausverkauft. 31500 Zuschauer verbreiteten eine solch grandiose Stimmung, dass die Hoffnung glimmt, das zart lodernde Flämmchen der Begeisterung zumindest ein wenig erhalten zu können. Duisburg, dieser eher verträumte Fußballstandort an der Nahtstelle zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein, fühlt sich auf Dauer zu Höherem berufen, als in der zweiten Etage zu kicken und den großen Sport nur dann zu erleben, wenn der Pokal zu Gast ist.“

Große Sprünge gibt es nicht

Ralf Birkhan (derwesten.de) beerdigt die Hoffnung auf eine Vielzahl von Neuzugängen beim MSV: „Zudem ist es eine Illusion, dass der MSV die rund sechs Millionen Euro, die er in dieser Saison insgesamt durch den Pokal kassiert, in Neuverpflichtungen investieren kann. Der größte Teil der Summe fließt in die Schuldentilgung und sichert somit den Spielbetrieb der Zebras. Ohne dass es im Verein einer konkret ausspricht: Für den Ausbau des Kaders bleibt von den sechs Millionen vielleicht eine übrig. Große Sprünge gibt es damit nicht.“

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Kommentare

13 Kommentare zu “Schalke plagiiert Dortmund und wirft Bayern aus dem Pokal”

  1. Hubert Weber
    Donnerstag, 3. März 2011 um 11:54

    Also es geschieht den Bayern gerade recht, endlich ist auch mal wer anders vorne dabei. SO ists recht!!!

    MFG Hubert aka. PlauzenW.

  2. Lukas Fritz alias Puffmudda
    Donnerstag, 3. März 2011 um 11:57

    Herr Plauzenwebber, ihr Kommentar ist dermaßen inakzeptabel dass man sie verklagen sollte und ihnen das Mittagessen verweigern sollte !!!

  3. Kai Butterweck
    Donnerstag, 3. März 2011 um 12:01

    Vielleicht sollte der Hubert etwas begründeter ausholen, um seiner Ansicht die nötige Tiefe zu verleihen

  4. Manni
    Donnerstag, 3. März 2011 um 12:03

    … und irgendwie ist der SZ-Kommentar kaputt zitiert und auch nicht auf der SZ Seite zu finden ???

    „Gegenüber fror Kraft allmählich fest, einmal vertändelte er gefährlich den Ball. Dann lief Neuer dem konsternierten Mob fror: Abpfiff, er jubelte.“

    Äh, wie meinen??? 😉

  5. Kai Butterweck
    Donnerstag, 3. März 2011 um 12:09

    @Manni: das zweite „fror“ soll natürlich fort heißen, mein Fehler, sorry. Ansonsten ist das ein Print-Artikel der SZ, daher nicht als Text online verlinkbar

  6. Manni
    Donnerstag, 3. März 2011 um 12:12

    Ah, Danke für die Info!

  7. Kai Butterweck
    Donnerstag, 3. März 2011 um 12:14

    Gerne

  8. erz
    Donnerstag, 3. März 2011 um 13:39

    So langsam trennt sich ja die Spreu vom Weizen, wenn diverse Blätter jetzt auf den Taktikzug aufspringen. Hat Schalke nun Dortmund kopiert oder nicht? Kann halt nicht jeder selbst Spiele lesen, wie zum Beispiel Herr Fritsch dankenswerterweise ab und zu durchblicken lässt, da fällt es auf, dass nur populäre Schlagworte nachgeplappert werden, statt sich Gedanken über Taktik zu machen. „Wurden gedoppelt“ meine Fresse. Das ist ja eine unglaubliche Idee, dass da letzte Saison noch niemand drauf gekommen ist!

    Wäre nur schön, wenn das auch mal in den Redaktionen ankäme, dass das Personal mancherorts mit den neuen Ansprüchen an Fußballberichterstattung überfordert ist.

  9. Manfred
    Donnerstag, 3. März 2011 um 13:49

    Mit etwas Glück legen die Bauern ne richtig schöne Serie von fünf Niederlagen hin, ob das nun der Puffmudda weiter oben gefällt oder nicht.
    Für eine selbst- und medienseits ernannte Spitzenmannschaft ist, sobald die Robbe und der Fronck mal zufällig wieder gleichzeitig nicht verletzt sind, das Fehlen jeglichen Planes B einfach nur bizarr (von der brillianten Variante ‚hohe Bälle auf van Buyten‘ mal abgesehen).
    Gut, man weiß nicht, wie Schalkes Aufstellung gewesen wäre, hätte Magath die Option Huntelaar gehabt, andererseits: wie weltfremd muß man sein, um vielleicht anzunehmen, Magath schaue sich nicht bei Dortmund ab, wie man in München an- und auftritt?
    Das war die Rache der Genervten, blaue Gladiolen für alle 😀

    Und der Text von Frau Schlammerl ist ja mal furchtbar zu lesen, rein fehlertechnisch auf einem Level mit den Bauern gestern.

  10. Ulfert
    Donnerstag, 3. März 2011 um 13:49

    Andreas Burkert schreibt, dass Neuer sich nicht besonders auszeichnen konnte – da habe ich wohl ein anderes Spiel gesehen. Neuer hat jede der vielen Situationen optimal geklärt, er hatte keine einzige Unsicherheit und hat einige Male gefährliche Bälle mit gutem Reflex abgewehrt (zB strammer Schuss über den Kopf, Ball gegen die Laufrichtung noch mit der Hand erwischt). Zudem hat Neuer (wie auch Herr Burkert selber schreibt) eine unglaublich ruhige und souveräne Vorstellung geliefert und sich nicht von den Pfiffen, Schmährufen oder der harten Attacke von Robben provozieren lassen, wie es andere (ehemalige) Torhüter tun würden. Ein Torhüter mit großartiger Leistung, aber ohne den Wahnsinn anderer.

    Ich wüsste gerne was Herr Burkert von einem Torhüter erwartet um ihm eine Auszeichnung zuzurechnen?

  11. Tam Tam
    Donnerstag, 3. März 2011 um 14:25

    @Ulfert: Volle Zustimmung. Technisch (Fangsicherheit, Positionsspiel, Entscheidungstreffen) war das Spiel von Neuer extrem sauber. Tippe mal: Der Schreiberling von der SZ hat mehr auf seinen Computer statt aufs Spielfeld geschaut. Oder vielleicht kann er das Torwartspiel auch gar nicht beurteilen.

  12. Fan
    Donnerstag, 3. März 2011 um 18:33

    Was die Mode- und Erfolgsfans der Bayern ganz offenkundig einfach nicht wahrhaben wollen und nicht vertragen können ist, dass man als Fan oder sogar auch Spieler sein Herz einem Verein schenkt, der schlechtere technische Daten hat als der FC Bäh, weniger erfolgreich agiert etc..

    Ein echter Schalkefan oder Spieler (wie eben Neuer) aber denkt nicht nur an diese Daten und an Geld. Denn ein Fan handelt leidenschaftlich und emotional. Er ist wie ein Verliebter, der auch mit einer grauen Maus das glücklichste Leben führen kann. Die Bayernfans ahnen, ja wissen und antizipieren das offenkundig, dass so ein tadelloser bodenständiger Sportler wie Neuer nur ganz ungern zum FC Bäh gehen und am liebsten ewig auf Schalke bleiben würde.

    Ob es die Bayernkunden wahrhaben wollen oder nicht: Kein einziger Schalker Fan (und auch Neuer ist ja einer!) würde auch nur ein einziges gutes Spiel seines Lieblingsvereins gegen zehn (zukünftige) Meisterschaften des Zum-Halse-Raushängeschild des deutschen Fußballs eintauschen wollen. Genau das vertragen die Bayernfans nicht und genau das kommt in den Missfallenskundgebungen gegen Neuer in beeindruckender Weise zum Ausdruck.

  13. Pere Bambule
    Donnerstag, 3. März 2011 um 21:26

    @Fan: Sag mal, hast du das mit Tränen in den Augen geschrieben? Soviel sentimentales Geschwurbel liest man selten 😉

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