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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

DFB-Pokal

DFB-Pokal: David gegen Goliath – Jedes Jahr dasselbe Theater

Kai Butterweck | Montag, 1. August 2011 12 Kommentare

Die erste Hauptrunde im DFB-Pokal sorgt auch in diesem Jahr wieder für faustdicke Überraschungen. Außerdem: Fassungslosigkeit nach Krawallen in Berlin

Christof Kneer (SZ) sorgt sich um Werder Bremen: „Das Überraschende an dieser Pokalüberraschung war, dass sie nicht wirklich überraschend kam. Es war mehr so ein normales Fußballspiel, bei dem die bessere Mannschaft gewann. Zwar gelang es den Bremern, auch ohne Torchance durchs Rosenbergs Schuss in Führung zu gehen, aber danach gab die Elf ein Bild ab, das alarmierender war als alle Debatten, unter denen das einst so debattenfreie Bremen gerade leidet. Wer mit Werder sympathisiert, macht sich Sorgen, wenn er hört, dass der Stadionumbau viel teurer war als geplant; dass das Gehaltsgefüge im Kader auf Champions League berechnet ist und den Verein ohne Champions League erdrückt; dass wegen eines kleineren Leihgeschäfts ein Transferstopp diskutiert wird und Allofs und Aufsichtsratschef Willi Lemke ihre liebevoll gewachsene Männerfehde pflegen. Am meisten Sorgen macht sich aber, wer Tim Borowski, Aaron Hunt und Clemens Fritz Fußball spielen sieht.“

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Frank Heike (FAZ) fordert frisches Blut für die Bremer Zentrale: „Schaaf ist ein Trainer, der lange, manchmal zu lange an Bewährtem festhält. Mit Nibelungentreue setzt er auf Profis wie Borowski und Hunt, die ihren Wert für Werder vor Jahren nachgewiesen haben. Beide waren aber schon in der abgelaufenen Serie Bremer Schwachpunkte und Zielscheibe von Fan-Anfeindungen. Das Bremer Mittelfeld müsste dringend renoviert werden; es fehlt vor allem ein bissiger ‚Sechser‘, der Schnelligkeit mit Spielintelligenz verbindet. Bargfrede ist allein auf dieser Position schon gegen einen Drittliga-Klub überfordert.“

Bremen gleicht einem Hühnerhaufen

Birger Hamann (Spiegel Online) schlägt die Hände vors Gesicht: „Viel schlimmer als fehlende Einnahmen aus weiteren Pokalrunden und Negativ-Schlagzeilen nach dem Aus gegen eine unterklassige Mannschaft war jedoch die Leistung Werders. Die Bremer Mannschaft glich eine Woche vor dem Bundesligastart eher einem Hühnerhaufen denn eines eingespielten Teams. Vor allem die Werder-Defensive muss dem Trainer große Sorgen bereiten. Die neue Innenverteidigung mit Andreas Wolf und Sokratis Papastathopoulos wirkte überfordert, die Außenverteidiger Clemens Fritz und Lukas Schmitz agierten kaum besser. Weder Philipp Bargfrede noch Tim Borowski, Aaron Hunt oder Marko Marin waren in der Lage, das Bremer Spiel zu lenken.“

Frank Hellmann (FR) blickt sorgenvoll hinter die Werder-Kulissen: „Nun steht Grundsätzliches auf dem Prüfstand: Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Geschäftsführung mit dem stets risikobereiten Frontmann Allofs dem in Finanzfragen viel konservativer denkenden Aufsichtsrat einen Haushalt vorgelegt hat, der erstmals das Budget in satter siebenstelliger Größenordnung zu überziehen gedenkt. Allofs möchte einen Risikokurs fahren; der als GmbH &Co KGaA firmierende SV Werder soll − ohne Einnahmen aus dem Europapokal – erstmals und einmalig Miese machen. Wenn damit das internationale Geschäft erreicht wird, kann die Rechnung aufgehen. Und wenn nicht? Davor fürchtet sich Ex-Manager und der Aufsichtsratschef Willi Lemke – der öffentliche Streit über diese Ausrichtung offenbart eine interne Zerrissenheit, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat.“

Wann kommt René Adler zurück?

Philipp Selldorf (SZ)stachelt in Leverkusen eine Torhüter-Diskussion an: „Der amerikanische Torwart Yelldell, im Sommer aus Duisburg gekommen, ist einer der Spieler, über die man jetzt sprechen wird in der Klubzentrale. Bei mindestens zwei der vier Gegentreffer hat er eine unselige Rolle gespielt. Bayer wird aber noch eine beträchtliche Weile auf den Stammkeeper René Adler verzichten müssen, die Dauer seiner Abwesenheit nach einer Knieoperation ist ungewiss, bei den Verantwortlichen herrscht darüber große Sorge. Er könnte im Spätsommer wiederkommen oder auch im Herbst, keiner weiß es. Da Adlers Vertrag Ende der Saison ausläuft und die Bemühungen um eine Verlängerung außer Misstrauen und gegenseitiger Distanzierung kein Ergebnis brachten, ist die Torwartfrage bei Bayer nicht nur kurzfristig ein zentrales Thema – nicht ausgeschlossen, dass bis zum Transferschluss am 31.August sogar noch eine neue Nummer eins verpflichtet wird.“

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Bastian Strobl (spox.com) kritisiert die Wechselpolitik des Leverkusener Trainers Robin Dutt: „Der als ‚ewige Zweite‘ verspottete Michael Ballack betritt in der 63. Minute den Rasen – und die komplette Bayer-Mannschaft fällt auseinander. Dass die Werkself einen 3:0-Vorsprung gegen Dynamo Dresden aus der Hand gab, ist allerdings nur bedingt am ehemaligen Capitano festzumachen. Vielmehr muss sich Robin Dutt die Frage stellen, warum er mit Simon Rolfes den Kopf der Mannschaft aus dem Spiel nahm. Der 29-Jährige ist mehr als der Kapitän der Leverkusener. Er ist der Taktgeber im Mittelfeld. Er ist es, der brenzlige Situationen erkennt und seinen Nebenmännern zur Hilfe eilt. Im Gegensatz zu Ballack: Der 34-Jährige wirkt auch über ein Jahr nach seiner Rückkehr wie ein Fremdkörper im Leverkusener Spiel. Selbst seine Torabschlüsse, die einstige Stärke Ballacks, waren eher Präsente für die Fankurve hinter dem Dresdner Kasten.“

BFC Dynamo Berlin: Mit einem Mal war das Image von Hooligans und Neonazis wieder da

Beim Spiel des BFC Dynamo Berlin gegen den 1. FC Kaiserslautern kam es nach dem Abpfiff zu schweren Krawallen. Matthias Wolf (FAZ) schüttelt fassungslos den Kopf: „Mit einem Mal war es wieder da, das Image, das den Klub nach der Wende geprägt hatte: das von Hooligans und Neonazis. Obwohl tief im Amateurlager versunken, ist der BFC Dynamo laut Polizei mit einer der größten Schlägerbanden der Republik ausgestattet. Zeitweise okkupierten obendrein die Rocker der Hells Angels den Klub. Heute ist der BFC bemüht, sich von seiner gewalttätigen Klientel loszusagen. Das war auch beim Pokalspiel zu spüren. Immer wieder, wenn Böller oder Rauchbomben gezündet wurden, wodurch es auch zu einer Spielunterbrechung kam, gab es deutliche Ansagen. Stadion- und Pressesprecher Martin Richter nannte die Störenfriede und ihre Taten ‚dämlich‘: ‚Ihr schadet dem Ruf des BFC.‘ Als alles eskalierte, die Krawallmacher hemmungslos und teilweise sogar unmaskiert vorpreschten, rief er flehentlich ins Mikrofon: ‚Ihr habt nichts verloren im Gästeblock.‘ Doch da war es schon zu spät.“

Daniel Raecke (stern.de) verlangt drastische Strafen: „Dass beim allerersten Spiel des Traditionsclubs auf Bundesebene nach 12 Jahren wieder solche Szenen zu sehen waren, die durch den Ordnungsdienst des Vereins begünstigt worden sein sollen, der laut Spiegel Online den Hools die Tür öffnete, die Polizei aber aussperrte, bestätigt alle schlimmen Vorurteile, die die meisten Fans über die Anhänger der Weinroten haben. Der Club selbst reagierte deutlich und schaltete seine Website zugunsten einer Entschuldigung an alle FCK-Fans ab. Da aber direkt vor dem Blocksturm Tausende von Zuschauern ‚Auf die Fresse‘ skandierten, wirken die Beteuerungen, das seien gar nicht die wahren Dynamo-Fans gewesen, die nach dem Spiel die Runde machten, arg verharmlosend. Vor allem aber muss in einer Zeit, in der jedes geschwenkte Bengalo von den Medien mit Empörung und Extremrhetorik quittiert wird, mal gesagt werden. Genau die Szenen von Berlin – tätliche Angriffe auf friedliche Fans – sind das, wofür es wirklich Stadionverbote geben sollte. Und Strafverfahren.“

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Kommentare

12 Kommentare zu “DFB-Pokal: David gegen Goliath – Jedes Jahr dasselbe Theater”

  1. breeze
    Montag, 1. August 2011 um 10:40

    „Vor allem aber muss in einer Zeit, in der jedes geschwenkte Bengalo von den Medien mit Empörung und Extremrhetorik quittiert wird, mal gesagt werden.“

    Was will mir Daniel Raecke damit sagen?

  2. Hartei
    Montag, 1. August 2011 um 11:31

    @ breeze
    In der Tat ein verwirrender Satz, der wahrscheinlich mit einem Doppelpunkt zu beenden gewesen wäre

  3. Kai Butterweck
    Montag, 1. August 2011 um 11:39

    @breeze und hartei: völlig korrekt! da fehlt ein doppelpunkt. ich bitte um verzeihung;-)

  4. tss tss tss
    Montag, 1. August 2011 um 13:54

    „Das Überraschende an dieser Pokalüberraschung war, dass sie nicht wirklich überraschend kam.“
    (aus der SZ)
    Kann jemand mal bitte den Kalauer-Alarm abstellen?

  5. anderl
    Dienstag, 2. August 2011 um 00:11

    1.) Aus der Fanszene ist zu hören, dass die „Fans“ mit Lust auf „Action“ zum BFC abwandern, weil die großen Vereine alle so hoch spielen, dass solche Aktionen wie gegen den FCK gar nicht möglich sind. Als 5.Ligist genießt der BFC kaum Aufmerksamkeit. Und dazu noch Berlin, wo in den Augen der meisten Deutschen nicht nur im Regierungsviertel alle Irren wohnen.

    2.)Erst „auf die Fresse rufen“ und dann auch „auf die Fresse geben“ sind zwei paar Schuhe. Es sind nicht Tausende in den Gästeblock gestürmt.

    3.) Das Stadion vom BFC ermöglicht so etwas auch. In Dresden z.B. wäre das gar nicht möglich gewesen. Denn die müssen ein zweitligataugliches Stadion haben.

    4.) Bei den FCK-Fans hat keiner drüber nachgedacht, dass sie provozieren. Die Antwort (die ich ablehne) mussten sie eben aushalten. Darüber spricht aber keiner. Die Taschentuchaktion geht vielen auf den Keks, wie man in den Foren lesen kann. Nur, hier kommt 3. zum tragen: In den anderen Stadien hat der gegnerische Hool (Fan) keine Möglichkeit, durchzustarten.

    5.) Auch wenn sich 4. nach Verteidigung der BFC-Hools anhört, sollten die einfach mal alle 100 Stunden Sozialarbeit ableisten, dazu 10 Jahre Stadionverbot und für jedesmal, wenn sie in der Zeit auf irgendeinem Fussballplatz erwischt werden, noch mal 100 Stunden Sozialarbeit drauf.

    6.) Man kann die Hools vertreiben, aber das Problem wird dadurch nur auf eine andere Sportanlage verschoben.

    7.) Schade, dass in den Foren sofort das Ossibashing losging und, was äußert peinlich war, dabei die Begriffe Stasi und Nazi vermischt wurde. Von diesen hat dann keiner dran gedacht, dass die Frankfurter und Lauterer das ständig abziehen miteinander.

  6. Ach du Scheiße, der Armin Veh
    Dienstag, 2. August 2011 um 08:52

    @ tss tss tss:
    Das ist doch derselbe Schreiberling, der letzte Woche schon mal so unangenehm mit seinem gescheiterten Sprachwitz-Versuchen auffiel: Christoph Knerr.
    Schreiben zu können scheint keine Voraussetzung mehr für eine Anstellung in deutschen Tageszeitungen zu sein.

  7. breeze
    Dienstag, 2. August 2011 um 09:53

    Anderl, in großen Teilen stimme ich dir zu.
    Nur, wenn wir annehmen, dass dein 6. Punkt zutrifft, bräuchte man ja trotzdem eine Lösung dafür. Weil Vertreiben keine Lösung ist, heißt das ja nicht, dass man die Hände in den Schoss legen sollte.

    Sauer stößt mir der 4. Punkt auf: Die wenigsten Fußballspiele kommen komplett ohne Spott und Provokationen aus. Und sollte man nicht irgendwann in der Grundschule mal die Einsicht gehabt haben, dass man Konflikte auch lösen kann, ohne Leute gleich Krankenhausreif zu prügeln?
    Natürlich war den FCK-Fans bewusst, dass sie provozieren. Aber dass es dann ein paar Hirnverbrannte gibt, die (mit Hilfe der Ordner?) den Block stürmen muss man nicht den FCK-Fans anlasten.

  8. anderl
    Dienstag, 2. August 2011 um 18:04

    @breeze:
    Mir ist es zu einfach zu sagen,dass der eine komplett schuld ist.
    Aber sie kennen bestimmt den Witz mit dem Hund und dem Zaun?
    Wenn nicht, dann ist er hier:
    Ein Junge kommt an einen Holzzaun. Dahinter steht ein riesiger Hund mit riesigem Maul. Der Hund bellt den Jungen an. Der Junge sieht, dass der Hund nicht über den Zaun kommt und ärgert den Hund ein wenig, während er weitergeht. Der Hund wird immer wütender und der Junge ärgert ihn weiter. Der Hund springt schon dauernd gegen die Zaunwand, als der Junge das Ende des Zaunes sieht. Der Zaun knickt zur Seite ab in Richtung hinter das Haus. Als der Junge mit dem keifenden zähnefletschenden Hund am Knick ankommt, bemerkt er, dass der Zaun einfach aufhört. Jetzt ist zwischen dem Hund und dem Jungen nichts mehr…

  9. von Rinn(?)
    Mittwoch, 3. August 2011 um 13:19

    Der Witz geht neuerdings so, dass der Zaun nicht einfach endet, sondern das der Hundeerzieher, den der Hundebesitzer beauftragt hat um den aggressiven Hund zu bändigen, das Gartentor öffnet… Preisfrage: Wieviel Schuld trägt nun der Junge?

  10. anderl
    Mittwoch, 3. August 2011 um 13:38

    Die Frage geht ja gar nicht nach der Schuld. Sondern nach der Motivation des Jungen. Man treibt es so lange bunt, wie man es kann.

  11. breeze
    Mittwoch, 3. August 2011 um 17:12

    Der Spott als Motiv der Lauterer Fans war sicherlich nicht der edelste, genau wie das Motiv Rache der Berliner verachtenswert ist.
    Selbst in der Motivation hat Lautern noch die Nase vorn. Auch wenn es ein fragwürdiger Wettstreit ist, wer die weniger schlimmen Motive hat.

    Aber die Schuldfrage ist es doch, um die es hier geht. Genau so wie es bei einer juristischen Auseinandersetzung wäre. Da ist die Schuldfrage entscheidend, die angenommene Motivation kann das Strafmaß nur beeinflussen, normalerweise aber nicht abwenden.

    Und ob man die Berliner Fans mit einem instinktgetriebenen Tier vergleichen sollte, halte ich für fraglich. Obwohl sie genau wie eins reagiert haben.

    Ich hab das Gefühl, du hast dich da in was verrannt.

  12. von Rinn(?)
    Mittwoch, 3. August 2011 um 19:21

    @anderl:

    Ganz direkt: Trifft in Ihren Augen dem Verein BFC Dynamo eine Teilschuld an der ganzen Angelegenheit?

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