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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Am Grünen Tisch

DFB – im Kreuzfeuer der Kritik

Kai Butterweck | Montag, 7. November 2011 4 Kommentare

Die Amerell/Kempter-Affäre, die Steuer-Ungereimtheiten, interne Rangeleien und Spiele mit dem Feuer: Die negativen Schlagzeilen rund um den DFB häufen sich. Außerdem: Sorge um die WM 2014 in Brasilien

Der DFB kommt derzeit nicht zur Ruhe. Der immer noch brühwarme Fall Amerell/Kempter, die Steuerfahndung und interne Machtspiele lassen immer mehr Außenstehende an der Seriosität des Verbandes zweifeln. Peter Penders (FAZ) schlägt die Hände vors Gesicht: „Wer mit der Außendarstellung des DFB zufrieden ist, kann nicht alle Sinne beieinander haben. Die Beratungsresistenz des DFB in Sachen Öffentlichkeitsarbeit ist beachtlich. Krisenherde werden nicht gelöscht, sondern stets eifrig befeuert. Und aus peinlichen Geschichten dazulernen, scheint total verpönt. Man mag Bundestrainer Joachim Löw nehmen, der monatelang verkündete, demnächst mit Ballack zu reden; man mag auch Koch nehmen, der einst einen Angriff auf die DFB-Justiz konstatierte, nur weil Trainer Felix Magath Berufung gegen ein Sportgerichtsurteil einlegte. Die Liste ist lang und wirft eine Frage auf: Wie konnte dieser Verband nur so gute Weltmeisterschaften organisieren?“

Sollte man unter gewissen Voraussetzungen den Einsatz von Pyro-Technik in Stadien zulassen? Klaus Hoeltzenbein (SZ) spricht sich klar dagegen aus: „Karl-Heinz Rummenigge hatte recht, als er jüngst erklärte, DFL und DFB hätten mit der Ankündigung, Pyrotechnik in Stadien unter gewissen Umständen zu erlauben, das völlig falsche Signal gesetzt. Wenn aber eine Debatte einmal begonnen wurde, muss sie unter Einbeziehung aller Parteien auch ordentlich beendet werden. Dies wurde versäumt, das gilt vielen Ultras jetzt als Alibi dafür, im Stadion wieder verstärkt zu provozieren. Der entscheidende Punkt ist der, dass jedes Groß-Feuerwerk, das nicht von lizenzierten Experten veranstaltet wird, lebensgefährlich und verboten ist, zumal es auf breite Kreise des Publikums angsteinflößend wirkt. Die dialogfähigen der Ultra-Gruppen müssen sich von ihrer romantisierenden Idee einer ‚lebendigen, fröhlichen Pyrotechnik‘ verabschieden. Da kann kein Kompromiss gelingen. Auch deshalb, weil sich immer mehr Personen, die auf Knall und Krawall gebürstet sind, feige und vermummt unter dem Nebel dieses Ultra-Siegels verstecken.“

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Es geht um Milliarden

In Brasilien finden binnen zwei Jahren die beiden größten Sportereignisse der Welt statt. Neben den olympischen Spielen im Jahr 2016, kommt es zwei Jahre vorher zur Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft. Jens Glüsing (Spiegel Online) sorgt sich vor allem um die WM 2014: „Dass Brasilien den Zuschlag für die beiden größten Sportereignisse der Welt erhielt, hat es vor allem Ex-Präsident Lula zu verdanken. Doch insbesondere die Organisation der Fußball-WM entpuppt sich für seine Nachfolgerin Rousseff als Alptraum. Der Bau vieler Stadien ist im Verzug, Werbe- und Sponsoringverträge sind undurchsichtig, die Verhandlungen mit der Fifa haben sich festgefahren. Es geht um Milliarden – das weckt die Begehrlichkeit von Politikern, Sportfunktionären und Bürokraten.   Vor Ort ist der brasilianische Fußballverband CBF verantwortlich. Dessen umstrittener Präsident Ricardo Teixeira führt den Verband des fünffachen Weltmeisters seit zwei Jahrzehnten fast wie ein tropischer Don Corleone. Er selbst wurde von dem Paten aller brasilianischen Sportfunktionäre ins Amt gehievt – seinem ehemaligen Schwiegervater und Ex-Fifa-Präsident João Havelange, 95. Der Greis ist trotz seines Alters geistig hellwach. In seiner Heimatstadt Rio gilt das Duo Teixeira/Havelange als praktisch unantastbar. Zusammen mit dem Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Carlos Nuzmán, regieren sie wie ungekrönte Könige über den brasilianischen Sport.“

 

 

 

Kommentare

4 Kommentare zu “DFB – im Kreuzfeuer der Kritik”

  1. AlexS
    Dienstag, 8. November 2011 um 11:24

    „Der entscheidende Punkt ist der, dass jedes Groß-Feuerwerk, das nicht von lizenzierten Experten veranstaltet wird, lebensgefährlich und verboten ist, zumal es auf breite Kreise des Publikums angsteinflößend wirkt.“

    Hoeltzenbein beweist hier ja ein gewaltiges Maß an journalistischer Versiertheit.
    Gehören zu den breiten Kreisen, die das angsteinflößend finden, auch die Kommentatoren, die bei CL-Spielen ohne deutsche Beteiligung bengalische Feuer mit „südländischer Begeisterung!“ anschmachten, während sie bei harmlosen Bildern aus Deutschland lebenslanges Stadionverbot bis ins dritte Glied fordern?

    Widerlich, diese Scheinheiligkeit …

  2. mustard
    Dienstag, 8. November 2011 um 13:51

    @AlexS: Das feiern „suedlaendischen Temperaments“ habe ich allerdings schon laenger nicht mehr gehoert. aber diese Scheinheiligkeit in der Berichterstattung war lange Jahre ueblich in Deutschland.

    Was mich persoenlich aber auch nervt ist wenn sich Reporter herausnehmen zu bestimmen wer ein Fan ist und wer nicht, und was diese duerfen und was nicht.

  3. mustard
    Dienstag, 8. November 2011 um 13:54

    Nachtrag – irgendwie laesst mich das System nicht meinen ersten Kommentar editieren: Einen interessanten Artikel ueber das dilettantische Auftreten des DFB hat die FAZ uebrigens gestern nachgelegt: http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/dfb-zwanzigers-sieg-verschlimmert-die-krise-11520974.html

  4. HUKL
    Mittwoch, 9. November 2011 um 23:48

    Dr. Zwanziger – wie soll es eigentlich mit unserem schönen Fußballsport weitergehen?

    Nicht erst seit ein paar Wochen, sondern bereits seit Monaten und Jahren spricht man wie in der Wirtschaft und Politik längst auch bei dem Fußballsport von internationalen Machtspielen, mafiösen Strukturen, Korruptionen, Steuerhinterziehungen, Betrügereien und Krisen.
    Leider haben vereinzelte Vorgänge nicht an unserer Ländergrenze Halt gemacht und fanden Nachahmer. Es will einfach nicht besser werden.

    Die drei oben stehende Kommentare der Journalisten haben treffend darauf hingewiesen, doch sollte noch Einiges ergänzt werden.

    Die in- und externen Ermittler haben mit den
    FIFA-Oberen genügend Arbeit.Im Fall des Dauerthemas „Blatter“, der ständig fortschreitende Aufklärung verspricht und eine „Task Forkes“ nach der anderen gründet, hat er selbst neulich einen ganz tolle Feststellung getroffen:“Um die Verdachts-momente und tatsächlichen Korruptionsfälle abzuarbeiten, müsste man wie bei einem Baum schütteln, um die faulen Früchte aussortieren zu können, da es solche und solche gibt. Nicht aber die Gesuchten fallen zuerst!“ Ist das nicht treffend?

    Es hat sich bereits herumgesprochen, dass es die familiären Stukturen erlauben, seinen Neffen Philippe Blatter an der Verteilung des großen finanziellen Kuchens indirekt und rein zufällig beteiligen zu lassen.
    Als neuer Geschäftsführer der Schweizer Marketingfirma „Infront Sports & Media“, Nachfolger der 2001 in Konkurs gegangenen ISSM-
    ISL (wo weltweit endlich die Offenlegung der Gerichtsakten erwatet wird), erhielt die Übertragungsrechte für die sehr umstrittenen Fußballweltmeisterschaften 2018 und 2022 in Russland und Katar für TV, Radio und Internet.
    Aufsichtsratmitglied ist übrigens ein Bekannter, nämlich Günter Netzer…

    Der geschäftstüchtige Neffe erhält auch noch etwas Taschengeld dazu, weil er bei einer anderen Firma (Match Hospitality) zudem ein geringer Teilhaber ist, die die Ausschreibungen für alle auszutragende Fußball-WM`s bis 2022 für Logen, Sitzplätze und Exklusivreisen (gegen unbekannte Mitbewerber) gewonnen hat.

    Längst ist die Welle der Kuriositäten aber auch auf unseren DFB übergeschnappt. Während die scheinbaren Freundschaften der bekannten Schiedsrichter Amerell und Kempter längst in schwere Feindschaften übergingen, entstanden bei den möglichst unauffälligen Schlichtungsversuchen unserer beiden ranghöchsten Fußballfunktionäre Dr. Zwanziger und Koch völlig neue Brandherde. Der Chef bezeichnete dabei die gutgemeinte, unauffällige Vermittlung seines Vertreters zwischen den mittlerweile schon längst auch von den Gerichten verfolgten Streithähnen als
    „Tatbestand des Verrates“ und verglich ganz nebenbei diese Affäre mit den
    „Missbrauchfällen in der katholischen Kirche!“. Das ist natürlich eine ungewohnt harte und riskante Bemerkung des ehemaligen Juristen. Wo sind wir eigentlich hingekommen?

    So ganz nebenbei ist bei diesem Dauerstreit an das Tageslicht gekommen, dass auch gegen ca.
    70(!) ehemalige und noch aktive Schiedsrichter unseres Verbandes nach Auslandseinsätzen staatsanwaltlich ermittelt wird. Sie haben ihre verdienten Gelder nicht auf den Konten ihrer Heimatkreditinstute überweisen lassen. So wurden aus den gedachten Spargroschen nun regelrechte Steuerhinterziehungsmodelle.

    Bei diesen ungewöhnlichen Geschichten ist fast schon längst vergessen worden, dass der mit einem phänomenalen Gedächtnis ausgestattete Großunternehmer, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer sowie Präsident des Bundesligisten B. Mönchen-Gladbach, Rolf Königs, aus Versehen sein ausländisches Konto
    mit über ca. 1,6 Mill. ausgeblendet hat, da er zehn Jahre lang keine Zeit hatte, sich darum zu kümmern. Die nachträgliche Versteuerung hat er aber mit Hilfe einer cleveren Beamtin wohl schon erledigt….

    Fußball und die eingangs erwähnten Worte gehören leider doch zusammen. Hinzu kommt noch, dass besonders in letzter Zeit die fernsehtauglichen Spiele in den Arenen sehr medienwirksam von schönster Pyrotechnik eingebettet werden, für die vereinzelte, nicht aufgeforderte und deshalb möglichst unerkannt bleibende „Fans“ sorgen.

    Herr Dr. Zwanziger, mal unter uns, haben Sie vielleicht doch derzeitig zu viele Baustellen zu betreuen?

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