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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Am Grünen Tisch

Mann ohne Eigenschaften?

Erik Meyer | Samstag, 3. März 2012 Kommentare deaktiviert für Mann ohne Eigenschaften?

Die Presse heißt den neuen Präsidenten ohne Euphorie willkommen und hadert mit dem politischen System des DFB.

Moritz Küpper (Deutschlandfunk) erklärt, dass Sportpolitik nicht nach den demokratischen Prinzipien der Gewaltenteilung funktioniert: „Natürlich, es gab Schlagworte wie Bundestag, es gab Delegierte und ja, es gab auch eine Abstimmung. Doch es gab auch nur einen Kandidaten. Der Sport im Allgemeinen und der DFB im Speziellen, kennen keine Opposition. Und es gab ein Abstimmungssystem, in dem beispielsweise der Deutsche Meister und der Meister der zweiten Bundesliga eine Stimme mehr hatten.“

Doch diese Konstellation bedingt keinen Frankfurter Frühling, wie Peter Hess (FAZ) kommentiert: „Große Neuerungen, mutige Visionen sind von Niersbach nicht zu erwarten, aber ein kompetentes Betreiben des Kerngeschäftes. „Ich war nie ein Revoluzzer“, sagt Niersbach über sich. Wenn er glaubte der DFB hätte eine Revolution nötig, wäre er nicht zur Wahl angetreten.“

Trotzdem sieht Thomas Kistner (SZ) einen Wandel: „Dass an der DFB-Spitze mit dem Personen- auch ein Paradigmenwechsel stattfindet, schlug sich schon in Abschieds- und Antrittsworten der Hauptakteure nieder. Hier Theo Zwanziger, der glänzende Theoretiker, der sich aber als allzu selbstbewusste Galionsfigur des Verbandes in eine Isolation manövriert hatte, die am Ende ausweglos erschien. Dort Wolfgang Niersbach, der sich als Mannschaftsspieler beschreibt, als einer, ‚der sich dem DFB mit Haut und Haaren verschrieben hat‘ – und dies sogleich nachwies, unter großzügiger Verwendung der gängigen Kicker-Metaphorik.“

„Kritiker finden, ein farbloser Bürokrat ohne Ideen würde in einer Art Erbdemokratie an die DFB-Spitze gespült“, aber Jan Christian Müller (FR) charakterisiert den „netten Herrn Niersbach“ so: „Ihm geht die Eitelkeit ab, ständig als erster Mann wahrgenommen werden zu müssen. Der Diplomat ohne Allüren würde sich auch niemals beschweren, wenn die Bundeskanzlerin in der Kabine die Nationalspieler zum Sieg beglückwünscht und er selber dabei keine Rolle spielt. „

Oliver Fritsch* (Zeit Online) erkennt vor allem programmatische Leerstellen: „Es könnte zum Problem der Präsidentschaft Niersbachs werden, dass mit dem eitlen Zwanziger auch einige wichtige Aspekte seiner Politik gestrichen werden. Mit dem Ideologen verschwinden die Ideen. Der DFB hat nun einen Pragmatiker als Präsidenten, der sein Programm in vier Worten zusammenfassen kann: ‚Mein Schwerpunkt ist Fußball.‘“

Verbittert zeigt sich Andreas Rüttenauer (taz), über dessen Gegenkandidatur nicht abgestimmt wurde: „Doch eine Diskussion über eine mögliche Demokratisierung des Verbandes hat auf der Versammlung vom Freitag, die sich den Namen Bundestag gegeben hat, nicht stattgefunden. Es war ein trauriger Tag für den deutschen Sport. Der DFB hat sich einmal mehr präsentiert wie eine Operettendiktatur. Statt Fantasieuniformen für die Führungsriege gab es sogar einen echten Orden.“

freistoss des tages

*Disclaimer: Oliver Fritsch ist Gründer von indirekter-freistoss.de

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