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Ball und Buchstabe

Rückspiegel: Hopp, der übersensible Patriarch

Oliver Fritsch | Sonntag, 24. Februar 2013 4 Kommentare

Fehler im Management, Konflikte zwischen Dietmar Hopp und der Presse, nahender Abstieg – in Hoffenheim ist die Stimmung trübe / Doping freigeben? Gunter Gebauer eröffnet eine neue Veranstaltungsreihe mit dieser brisanten Frage

Ich war letzten Sonntag in Hoffenheim beim 0:1 gegen Stuttgart. Ich hab mich unter Journalisten umgehört und bin erstaunt, wie schlecht das Verhältnis zwischen Dietmar Hopp und der Lokalpresse sein soll. Wie er mir dargestellt wurde: ein netter Milliardär, aber ein Patriarch, der bei der kleinsten kritischen Bemerkung reagiere, auch drohe. Und die Rhein-Neckar-Zeitung ist sicher nicht bösartig oder überkritisch.

Aktuelles Dauerthema ist der mutmaßliche Einfluss von Beratern auf Hopp, etwa der Agentur Rogon oder von Gordon Stipic. In der Szene kursiert der Begriff „Beratertankstelle“. Dass Tim Wiese degradiert wurde, könnte ein Signal an Rogon gewesen sein. Enttäuscht war ich vom jüngsten Beitrag von Sport Inside, einer Sendung, die ich schätze. Aber Roger Wittmann, dem Chef von Rogon, hätte man auch mal ein paar kritische Fragen stellen können.

In Hoffenheim deutet vieles auf Abstieg hin, einiges auf Platz 18. Gegen Stuttgart schoss die TSG zwei Mal aufs Tor. Ich selbst dachte vor vier Jahren, also in der ersten Hoffenheim-Saison, dass der Weg des Vereins in die Champions League führt. Doch der Verein hat keine sportliche Strategie, sie hing tatsächlich nur an Ralf Rangnick. Hopp (und die, die an der Suche beteiligt waren) haben keinen Nachfolger gefunden, der ihn ersetzen konnte.

Vielleicht hätte Frank Kramer das Zeug dazu gehabt, doch der Nachwuchstrainer hatte in den zwei Spielen im Dezember keine echte Chance. Ich hab eins der beiden im Stadion gesehen, das 0:2 in Hamburg. Das hat ein schlechter HSV hochverdient 2:0 gewonnen. Die Hoffenheimer schienen das Angreifen und Schießen zu verweigern (nicht im übertragenen Sinn gemeint). Als Text herausgekommen ist eine kleine Analyse über die Fehler im Management, die ohne die Begriffe „Tradition“ und „Plastikcklub“ o.ä. auskommt.

Über die seltsame Konstruktion der Hoffenheimer Spielbetriebs GmbH mit den hohen stillen Einlagen (Hopps?) und einem Golfclub als Mehrheitsgesellschafter habe ich mich im Mai beschäftigt. Mein Verdacht: Das alles erleichtert, die 50+1-Regel zu umgehen. Inzwischen hat Hopp eingeräumt, dass das ein Fehler war und angekündigt, die Gesellschafterstruktur zu ändern. Aber, so sagte er im Interview mit den Print-Kollegen, das sei nur ein Formfehler gewesen. Er habe nur einen Notartermin sparen wollen.

***

Am Donnerstagabend macht Zeit Online eine Offline-Veranstaltung: Der Sportphilosoph Gunter Gebauer diskutiert mit Gert Wagner, dem Vorstandsmitglied des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, über die Frage, ob Doping freigegeben werden soll. Es ist der Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „Philosophisches Armdrücken“. An jedem letzten Donnerstag des Monats wird Gebauer mit einem Gast über ein Sportthema diskutieren. Drei Tage zuvor wird jeweils ein Text Gebauers veröffentlicht. Die Kommentare der User sollen in die Debatte einfließen.

Ich habe Gunter Gebauer in jüngster Zeit näher kennengelernt, unter anderem bei der Berichterstattung zur Olympia-Ausstellung des Martin-Gropius-Baus (auch hier). Am besten, Sie schauen ihn sich selbst an: 28. Februar, 19 Uhr, Anhalter Bahnhof, Berlin (Redaktion Zeit Online). Um Anmeldung wird gebeten.

Ich bin gespannt, auch darauf, wie jemand substantiell für die Freigabe plädieren kann. Ich halte Doping für Medikamentenmissbrauch und auch nicht steuerbar. Brisanz könnte die Debatte über die Erlaubnis zum Dopen durch den Fall Pistorius erhalten. In Australien kursiert die Hypothese, Pistorius könnte sich zum Mörder gedopt haben. Steroide können zu Kontrollverlusten führen. Die Sache ist natürlich mit zwei Fragezeichen zu versehen.

***

Zum Abschluss ein Hinweis auf ein zehn Tage altes Gespräch mit Moritz Fürste. Er ist Weltmeister, Olympiasieger und Welthockeyspieler – und ließ sich wie viele andere für einen Monat nach Indien versteigern. Sein Preis: umgerechnet 65.000 Euro. Typ Student, rhetorisch und reflektiert, kann auch kritisch über Hockey reden. Ich habe mit ihm eine Dreiviertelstunde geskypet.

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Kommentare

4 Kommentare zu “Rückspiegel: Hopp, der übersensible Patriarch”

  1. Checker
    Montag, 25. Februar 2013 um 08:55

    a) wurde bei pistorius testosteron und keine steroide gefunden
    b) war es gar kein testosteron, sondern ein pflanzliches mittel
    c) „Ich halte Doping für Medikamentenmissbrauch und auch nicht steuerbar.“ that doesn’t even make sense
    d) http://wordpress.hate-mag.com/?p=3398

  2. Die Bundesligaschau für Montag, den 25.02.2013 | Fokus Fussball
    Montag, 25. Februar 2013 um 09:29

    […] Fritsch (Indirekter Freistoß) über seine Wahrnehmung […]

  3. Die Blog- & Presseschau für Dienstag, den 26.2.2012 | Fokus Fussball
    Dienstag, 26. Februar 2013 um 12:43

    […] war das der Indirekte Freistoß. Oliver Fritsch über Hopp, den unsensiblen […]

  4. Jörn
    Freitag, 1. März 2013 um 14:52

    Tja, liebe Hoffenheimer. Und dann kommen am Sonntag ausgerechnet die Superbayern. Aber glaubt nicht, ihr hättet nichts zu verlieren, denn das habt ihr, nämlich 3 Punkte!

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