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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

DFB-Pokal

Alles wieder beim Alten

Kai Butterweck | Freitag, 1. März 2013 5 Kommentare

Der FC Bayern München schlägt Borussia Dortmund und stellt die alten Machtverhältnisse wieder her

Die Niederlage der Dortmunder ist für Peter Hess (FAZ) noch lange kein Grund die Stirn in Sorgenfalten zu legen: „Die neue alte Hackordnung muss jedoch nicht in Stein gemeißelt sein. Klopps Dortmund ist nicht dabei, auseinander zu fallen. Die Mannschaft funktioniert noch immer und damit sind nicht nur die Profis in kurzen Hosen gemeint, sondern auch die in langen: Vorstand, Management und Trainer. Allein an den Umsatzzahlen kann man ablesen, dass die Borussia auf Jahre hinaus der große Bayern-Herausforderer bleiben wird, jederzeit bereit und fähig, die Münchner wieder zu überflügeln, sobald die ihr Potential nicht ganz ausschöpfen.“

Ging der Ball einmal verloren, jagten ihn alle

Oliver Fritsch (Zeit Online) überreicht den Bayern den Leidenschafts-Oscar: „Eine Meisterschaft ohne Sieg gegen den BVB wäre nur halb so viel wert. Diesmal musste Dortmund bezwungen werden. Entsprechend stürzten sich die Bayern-Spieler in die Schlacht, hungrig, schnell, kämpferisch. Man sah Stürmer in der eigenen Hälfte grätschen. Man sah jederzeit anspielbare Mitspieler. Ging der Ball einmal verloren, jagten ihn alle, bis sie ihn verschlangen. Um die Dortmunder herum wimmelte es nur von Bayernbeinen.“

Claudio Catuogno (SZ) adelt Bayerns 40 Millionen-Mann Javier Martínez: „Er ist eine Art Sozialarbeiter in der Bayern-Welt. Eine umsichtige Autorität im Hintergrund, immer hellwach – und wenn irgendwo seine Hilfe gebraucht wird, ist er zur Stelle. Der Sozialarbeiter Martínez perfektioniert gerade eine Rolle, ohne die kein Gefüge funktionieren kann – weit über den Fußballplatz hinaus. Kann ein Fußballer 40 Millionen wert sein? Für einen Spieler kann eine derartige Summe eine Last sein, ein Betrag, an dem er ständig gemessen wird. Das Erstaunliche ist deshalb, wie rasch Martínez sich von dieser Summe entkoppelt hat. Geld wird im Fußball schnell zum Thema, wenn ein Stürmer das Tor nicht trifft. Es wird zur Nebensache, wenn einer rackert, damit andere glänzen können.“

Für Elisabeth Schlammerl (Tagesspiegel) standen zwei andere Bayern-Akteure im Mittelpunkt: „Exemplarisch für die alte Dominanz der neuen Bayern standen Bastian Schweinsteiger und Arjen Robben. Schweinsteiger gestaltete das Spiel als glänzender Stratege im Mittelfeld. Und Robben krönte die spielerisch beste Münchner Phase am Ende der ersten Halbzeit mit dem Siegtor, es hatte für ihn auch therapeutischen Wert.“

Wie einst Mark van Bommel

Maximilian Koch (stern.de) reibt sich verwundert die Augen: „Man sieht in diesen Tagen Dinge, die hat man noch nie von Arjen Robben gesehen. Einen Robben, der seinen Gegenspieler bis tief in die eigene Hälfte verfolgt, um ihm den Ball abzujagen. Einen, der sich ohne Angst in Kopfballduelle wuchtet. Einen, der sogar zur Grätsche ansetzt. Wenn da nur nicht dieser geniale Schlenzer gewesen wäre, der den Bayern gegen Dortmund den Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals bescherte – man hätte Arjen Robben am Mittwochabend fast mit seinem Landsmann Mark van Bommel verwechseln können, der einst auch das Bayern-Trikot trug.“

Rafael Buschmann (Spiegel Online) bringt einen weiteren Matchwinner ins Spiel: „Dantes Rezept besteht dabei aus einer Mischung aus brasilianischer Leichtigkeit und deutscher Verbissenheit, die schon durch seine Bewegungen auf dem Platz verkörpert werden. Auf der einen Seite sind es knallharte und unter vollem Einsatz aller körperlichen Möglichkeiten geführte Luft- und Bodenzweikämpfe, die selbst so hartgesottene Stürmer wie den Noch-Borussen Lewandowski verschüchtert zurücklassen. Auf der anderen Seite ist es eine ruhige, clevere, fast lässige Spielereröffnung.“

Statt fröhlicher Jubelgesänge hallten plötzlich schlimme Beleidigungen durchs Stadion

Jürgen Schmieder (FAZ) nimmt sich den Stadion-DJ zur Brust: „Es gab nur einen unschönen Moment an diesem Abend, die Münchner Spieler hatten gerade mit den Fans in der Südkurve gefeiert, während das Vereinslied aus den Boxen dröhnte. Danach jedoch legte der Stadion-DJ das Ballermannlied „Ladioo“ auf, das seit einiger Zeit dazu benutzt wird, um im Refrain „BVB, Hurensöhne“ anzustimmen. Es war also vollkommen klar, was passieren würde, sobald dieses Lied gespielt wurde: Es löste beim Münchner Publikum einen Pawlowschen Reflex aus – und plötzlich schallten statt fröhlicher Jubelgesänge von Zehntausenden schlimme Beleidigungen durch die Arena. Es war eine unnötige und degoutante Einlage des Münchner DJs, die die Verantwortlichen keineswegs gutheißen dürften – weil dieser eine Moment den Eindruck erwecken könnte, dass es sich da doch um schlechte Gewinner handeln könnte.“

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Kommentare

5 Kommentare zu “Alles wieder beim Alten”

  1. Manfred
    Freitag, 1. März 2013 um 18:24

    Eine Meisterschaft, Herr Fritsch? Höh? Über den Satz kann ja am 4.5. nochmal geredet werden, bis dahin war, ist und bleibt es ein Sieg in einem Pokalspiel 😉
    Abgesehen davon ist die Überschrift dieses IFs mindestens voreilig.

  2. HUKL
    Freitag, 1. März 2013 um 19:00

    Verält sich der Primus richtig?

    Leider haben sich die Redakteure der oben genannten Redaktionen vom allgemeinen
    „Bayern-Rausch“ und den sofort folgenden euphorischen Ausbrüchen der FC B-Oberen schnell anstecken lassen, weil gegen den zur Zeit wohl einzigsten ernsthaftesten Kontrahenten in Deutschland trotz sichtbarer Überlegenheit das eine erzielte Tor zum Weiterkommen reichte.

    Die tollen Leistungen während der schon lange andauernden Erfolgsserie wird bestimmt überall im Land sehr ehrlich bewundert. Doch erst nach dem Entfernen der tief im Fleisch der Bayern -Verantwortlichen und teilweise auch Spieler sitzenden Stachel von Überheblichkeit und Hochmut wäre dieser Verein ein richtiger Sympathieträger bundesweit! So denken bestimmt auch viele andere Fußballinteressierten.

    Wie bei dem unvergessenen „schwarzen Tag“ gegen Chelsea an gleicher Stelle dominierten die Roten doch auch gegen Dortmund eindeutig…., wobei allerdings damals bis kurz vor Schluss das ernüchternde Gegentor bei dem fast einzigsten Angriff der Gäste fiel und alles mühsam Erarbeitete zunichte machte, das teilweise bis heute nicht gänzlich zu verdrängen ist.

    Wenn am vergangenen Mittwoch der gerade eingewechselte Dortmunder Schieber fast von der gleichen Stelle aus, zur gleichen Zeit (nämlich kurz vor Schluss) seinen Kopfball (auch wie damals) nur einen knappen Meter nach unten gedrückt und im Bayern-Tor untergebracht hätte, wäre auch noch das gleiche Dilemma möglich gewesen! Also, bitte etwas zurückhaltender reagieren und nicht gleich eine neue deutschlandweite Hierarchie aufstellen, Herr Hoeneß! Etwas weniger ist demnach manchmal etwas mehr………

    Übrigens ist vorstellbar, dass die Gipfelstürmer aus Bayern vor der nun fest eingeplanten Pokalüberreichung eventuell erst noch die Nuss aus Freiburg zu knacken haben. Das könnte aber nicht gerade einfach werden, wenn der schlaue Streich „auf Arbeit“ an der Außenlinie mit Dauersprints unterwegs sein wird und seinen wilden Jungs erst nach dem Schlusspfiff des Schiedsrichters die ersehnte Erholung gönnt, wie erst zuletzt in Mainz geschehen!

  3. OF
    Samstag, 2. März 2013 um 17:55

    @Manfred: Ich glaube, es war den Bayern höchstens zweitrangig, in welchem Wettbewerb sie den BVB schlagen. Wichtig war ihnen, dass sie es taten.

  4. Manfred
    Sonntag, 3. März 2013 um 17:10

    Pflichtspielsieg dürfte das Zauberwort sein 🙂

  5. OF
    Sonntag, 3. März 2013 um 21:24

    Das Wort Pflichtspiel finde ich so unpoetisch.

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