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Am Grünen Tisch

Fifa-Reform – schnell den Deckel drauf

Kai Butterweck | Freitag, 22. März 2013 1 Kommentar

Nach der Fifa-Vorstandssitzung stellen sich die Verantwortlichen mit stolzgeschwellter Brust vor die Mikrofone. Doch viel verkündet wird nicht. Die Presse ist enttäuscht

Michael Ashelm (FAZ) ist unzufrieden: „Blatter versuchte nach der Fifa-Vorstandssitzung, seinen schwer belasteten Verband als Speerspitze für Transparenz und Modernität zu verkaufen. In Wirklichkeit jedoch steht auch nach den jüngsten Beratungen fest, dass die wenigsten Punkte der zuletzt von den unabhängigen Reformbeauftragten um den Schweizer Anti-Korruptions-Experten Mark Pieth aufgestellten Kernforderung umgesetzt werden sollen.“

Andreas Rüttenauer (taz) hat gute Nachrichten für zwiespältige Gestalten: „Korrupte Funktionäre müssen auch weiterhin nicht fürchten, sich vor unabhängigen Kommissionen rechtfertigen zu müssen. Das Kontrollwesen wird von der Fußballfamilie selbst verwaltet. Kein Wunder, dass eine Organisation wie Transparency International sich kopfschüttelnd abgewendet hat, als die Fifa um deren Unterstützung warb.“

Es geht um den Machterhalt Blatters

Jens Weinreich (Spiegel Online) macht Platz für Sepp Blatter: „Der Fifa-Präsident lässt sich als Reformer feiern und attackiert auf allen Fronten seinen langjährigen Verbündeten und potentiellen Herausforderer Michel Platini, den französischen Boss der Uefa, der ihm viele Flanken öffnet. Dafür nutzt der Funktionär wie immer das gesamte Arsenal der Fifa: Mehr als eine Milliarde Dollar lagern auf deren Konten. Eine hohe zweistellige Millionensumme werden in den Personenkult um Blatter, die Tätigkeit externer Berater, die Ermittlungsarbeit der Ethikkommission oder das Sponsoring für die Internationale Kriminalbehörde Interpol, das allein 20 Millionen Euro ausmacht, investiert. Es geht um den Machterhalt Blatters.“

Eric Dobias (Hamburger Abendblatt) schüttelt ernüchtert den Kopf: „Über acht Stunden hatte das Exekutivkomitee am Mittwoch und Donnerstag in Zürich getagt, um die letzten Weichen für die Verabschiedung der nach dem Korruptionsskandal vor zwei Jahren angeschobenen Reform durch den Fifa-Kongress am 30./31. Mai auf Mauritius zu stellen. Doch viele ermutigende Ergebnisse hatte Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger als Leiter der Fifa-Statutenkommission nicht zu verkünden.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Fifa-Reform – schnell den Deckel drauf”

  1. Hans Klemm
    Freitag, 22. März 2013 um 19:05

    In den oben geschriebenen Kommentaren zeigt sich der allgemeine Frust aller Redakteure über das Wirken dieses Weltverbandes sehr anschaulich.
    Um endlich Aufklärung über die bereits schon Jahre andauernden vielseitigen Betrugsvorwürfe gegen Blatter und seine Helfeshelfer zu erhalten, bei der es u.a. auch um die „unge-wöhnlichen“ Vergaben der WM 2018 und 2022 geht, sollte es bei verschiedenen „Enthül-lungen“ tatsächlich zu einem lang erhofften vorzeitigen Austausch von den richtigen Köpfen in der Führungsebene kommen, damit das Bild der stark beschädigten Fußball-Weltzentrale FIFA , die nicht ein kleiner eingetragener Verein, sondern in Wirklichkeit ein scheinbar von außen unangreifbarer riesiger Milliarden-Konzern ist, endlich wieder von Glaubhaftigkeit geprägt wird.

    Wenn vor kurzem ein hier weniger bekanntes Exekutivmitglied nach einem halbjährigen (!) Verfahren und Verkündung durch die Herren Eckert und „Chefermittler“ Garcia für zwei Monate gesperrt wird, will man doch wenigstens erfahren wollen, was da wieder passiert ist. Natürlich kein Kommentar! Es passierten lediglich angeblich Ethikverstöße!

    Die unter der Leitung von Blatter agierende FIFA scheint wirklich ein ausgewählter
    „Trümmerhaufen“ zu sein. Es ist einfach erschreckend, dass die sogenannten einzelnen Aussortierungen immer gleich als Erfolg einer Reformation gefeiert werden.
    Unser Ex-Präsident Dr. Zwanziger kommt mir deshalb trotz seines Postens als Leiter der Statutenkommission schon seit Monaten etwas verlassen in diesem Verband vor, wollte er doch nach seinem Antritt kräftig aufklären….

    Finden die fußballstarken Verbände, vielleicht unter der Federführung des doch sonst so mächtigen DFB, nicht endlich einmal ein gemeinsames Vorgehen, um zu erfahren, wo die bekannten Schmiergelder hingewandert sind? Das wäre doch viel wichtiger, als alles Andere!

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