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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

WM 2014

WM 2014 – Witzigkeit kennt keine Grenzen

Kai Butterweck | Dienstag, 24. Juni 2014 1 Kommentar

Die Presse beschäftigt sich mit TV-Moderatoren, die zwischen den Spielen fleißig um die Wette witzeln. Außerdem: Der schmale Grat zwischen Patriotismus und Nationalismus, Die Suche nach einem Gürteltier und oberflächliche Experten

Zwischen den Spielen wird im TV-Studio viel gelacht. Ralf Wiegand (SZ) geht der komödiantische Ton so langsam auf die Nerven: „Um mal was anderes zu hören als Scholli, Oli oder Opti, musste man lange aufbleiben. Kurz vor der Geisterstunde erst wechselten die Besetzungen auf der Dachterrasse von Rio, im Zweiten brachte Rudi Cerne was Süßes zum Schichtwechsel mit, im Ersten hatte Reinhold Beckmann diesen Giovane Elber dabei. Aber jetzt, wenn die TV-Nächte kürzer werden, weil es keine Null-Uhr-Spiele mehr gibt, entfällt auch dieses bisschen Abwechslung. Nun wird gnadenlos durchgewitzelt.“

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Das Niveau ist nicht besser geworden

Auch Peter Unfried (taz) hält sich in den Halbzeitpausen lieber die Ohren zu: „ARD und ZDF haben den „Fifa-Flöten“ (geschätzte) 180 Millionen Euro für die Rechte an den WM-Spielen bezahlt, 2018 und 2022 sind auch schon eingekauft. Wer ernsthaft behauptet, das sei eine Grundlage für unabhängigen Journalismus, hat vermutlich nicht alle Panini-Bildchen im Album. Was hat man den Fußballunterhalter Waldemar Hartmann dafür geprügelt, dass er stets auf das Primat der Unterhaltungsfunktion des Fernsehfußballs bestanden hat. Vielleicht war er ja einfach nur ehrlich. Und nun ist er weg: Und das Niveau ist nicht besser geworden.“

Fähnchen, Wimpel, Schlachtgesänge: Die Republik ist wieder einmal im Schland-Fieber. Paul Hofmann und Anne-Sofie Balzer (Zeit Online)beschäftigen sich mit dem schmalen Grat zwischen Patriotismus und Nationalismus: „Dem Alltagsrassismus in sozialen Netzwerken wie Twitter ist schwieriger beizukommen als dem im Stadion. Zwar können seine Übergriffe gemessen an Zehntausenden Tweets nicht als repräsentativ gelten. Gleichzeitig aber zeigen Spiele wie gegen Ghana, dass die Netzanonymität dem Fußball-Nationalismus mit Ressentiments und Pöbeleien eine Bühne bietet. Der polnische Flitzer wurde am Ende einfach vom Platz eskortiert. Viele der Kommentare auf Twitter und Facebook stehen noch immer.“

Wir übertreiben

Jan Rübel (Yahoo) schämt sich: „In unserer Abneigung gegen die Fans anderer Länderteams sind wir unerbittlich. Im Fußball gehören natürlich Rivalität und ein bisschen Feindschaft dazu – keine Frage. Fußball hat immer etwas von Kampf, schließlich werden ja auch nicht die Weltmeisterschaften im Häkeln live im Fernsehen übertragen. Aber wir übertreiben. Wir müssen Menschen aus anderen Nationen unbedingt mitteilen, wie sehr wir die Niederlagen ihrer Teams genießen. Und das auch noch, wo wir nicht gerade mit dem feinsten Humor gesegnet sind.“

Lars Wallrodt (Welt Online) genießt die sportlichen Aktivitäten bei dieser WM in vollen Zügen: „Ja, diese WM macht Spaß, und das vor allem aus sportlichen Gründen. Plötzlich wird ein neuer, unorthodoxer Fußball gespielt, der nicht am Reißbrett entworfen wurde sondern irgendwo zwischen Hirn und Herz. Jahrelang dominierten die Spanier mit ihrem Tiki-Taka . Brillante Langeweile war das, minutenlang kam kein Gegner an den Ball. Doch plötzlich sind die Spanier schon nach zwei Spielen draußen – eine größere Sensation hat es bei einer WM noch nicht gegeben.“

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Fußball spielen können sie

In der Schweiz (NZZ Online) erfreut man sich vor allem am bisherigen Auftreten der L‘Equipe Tricolore : „Die Franzosen waren bisher die bestechendsten an diesem Turnier, aber wir trauen ihnen noch nicht, weil wir nicht wissen, ob sie ihre Dämonen wirklich gebändigt haben. Plötzlich überkommt sie wieder die Streiklust, und dann? Und zudem: Honduras zu besiegen, adelt noch kein Team, und gegen die Schweiz zu gewinnen, ist nun auch nicht . . . Ach, lassen wir das. Fußball spielen können sie, allen voran Karim Benzema, Sohn algerischer Einwanderer, dem wir vieles zutrauten, bloß nicht, Führungsspieler zu sein. Wir hatten Unrecht. Pardon, Karim.“

Boris Herrmann (SZ) sucht verzweifelt eines der Aushängeschilder dieser WM: „Wo ist eigentlich Fuleco? Das Kugelgürteltier, dessen Aufgabe es wäre, die Weltmeisterschaft als Maskottchen zu repräsentieren, gibt sich schon seit Tagen auffällig unauffällig. Bei den Fußballübertragungen im brasilianischen Fernsehen ist es jedenfalls genauso selten zu sehen wie in den Stadien. Offenbar hatte es nicht einmal ein Ticket für die Eröffnungsfeier bekommen.“

Johannes Kopp (taz) beschäftigt sich mit der Fifa Technical Study Group – einer Expertenkommission, die die WM sportlich evaluieren soll: „Kurzum, die ersten Eindrücke, die Gérard Houllier als Vertreter der Technical Study Group zum Besten gab, waren recht oberflächlicher Natur und wenig instruktiv. Gut, eine fundierte Expertise wäre zu diesem Zeitpunkt gewiss auch etwas viel verlangt gewesen. Auffällig ist jedoch, dass dieses Fifa-Gremium sich stets so sehr auf die Zukunft kapriziert. Man hätte überdies gern erfahren, was man bislang der TSG zu verdanken hat. Wo die Früchte ihrer Arbeit liegen?“

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Kommentare

1 Kommentar zu “WM 2014 – Witzigkeit kennt keine Grenzen”

  1. #Link11: Puppchen, du bist mein Augenstern | Fokus Fussball
    Mittwoch, 25. Juni 2014 um 17:53

    […] Dauerthema bleibt die Kritik an der Berichterstattung über die WM. Der Indirekte Freistoß hat eine Presseschau zum Thema erstellt, auf Meedia.de bezieht Philipp Köster Stellung. Der […]

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