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Confed-Cup

Confed Cup – Masse und Klasse

Kai Butterweck | Dienstag, 27. Juni 2017 1 Kommentar

Joachim Löw reibt sich dieser Tage genüsslich die Hände. Während seine „Weltmeister“ im Urlaub weilen, dreht die zweite Garde beim Confed Cup in Russland so richtig auf

Das Confed Cup-Team von Bundestrainer Joachim Löw steht im Halbfinale. Auch die U-21-Truppe von Stefan Kuntz klopft bei der EM in Polen an die Final-Tür. Michael Horeni (FAZ) ist entzückt: „Was die U 21 und das Reserveteam des Weltmeisters in dieser Woche noch leisten können und werden, ob es tatsächlich auch zu Titeln reicht, ist sportlich betrachtet nur eine Etappe. Die wichtigste Aufgabe steht dem Bundestrainer danach noch ganz allein bevor – aus den Weltmeistern von gestern, dem U-21-EM-Team und der Confed-Cup-Auswahl von heute den besten Kader für die WM im kommenden Jahr zu bilden. Es wird, so viel lässt sich nach den Erfahrungen der aktuellen Turniere schon jetzt sagen, eine ziemliche Herausforderung, genau die erfahrenen und jungen Kräfte aus diesen Mannschaften herauszupicken, die sich dem Bundestrainer in diesen Tage überreich wie nie zuvor anbieten.“

Löw bestimmt, wer wo spielt, und die Profis folgen ihm

Peter Ahrens und Rafael Buschmann (Spiegel Online) stehen mit weit aufgerissenen Augen vor einem reich gedeckten Tisch: „Löw macht das sowieso gerne bei Turnieren, dass er Spieler von Partie zu Partie wechselt. Aber mit dieser jungen Mannschaft ohne die Platzhirsche von der WM 2014 kann er sein Team so richtig nach Herzenslust gestalten. Stars wie Toni Kroos, Mesut Özil, Thomas Müller oder Mats Hummels und die anderen Top-Spieler, die allesamt in Russland nicht mit von der Partie sind, sind erfahren genug, sich selbst auf dem Platz zu organisieren. Ohne all die Arrivierten jedoch darf Löw noch viel mehr Trainer sein als sonst. Er bestimmt, wer wo spielt, und die Profis folgen ihm.“

Philipp Köster (stern.de) kommt mit einer Prise Humor um die Ecke: „Nach der ganz erfolgreich absolvierten Vorrunde gegen allenfalls halbstarke Gegner ist aus der Thekenmannschaft plötzlich eine Art Jahrhundertteam geworden – überall neue Alternativen, starke Auftritte, neue Entdeckungen. Die Darbietung mancher Kicker wird bestaunt, als hätten die nie zuvor ein Profispiel absolviert. Hätten Sie gewusst, dass Emre Can, der gegen Chile bester deutscher Spieler war, beim FC Liverpool unter Vertrag steht? Und dass Stürmer Sandro Wagner tatsächlich in der Bundesliga spielt und dort schon das eine oder andere Mal ins Tor getroffen hat? Alle Wetter!“

Robert Peters (RP Online) gratuliert dem Bundestrainer: „Die Zwischenbilanz bei der kleinen WM-Generalprobe in Russland muss nicht unbedingt jene Kritiker beschämen, die Löw bei seiner Personalpolitik Überheblichkeit vorgeworfen haben. Sie unterstreicht allerdings, dass Deutschland sich inzwischen in einer äußerst luxuriösen Situation befindet. Löw hat mindestens 30 erstklassige Fußballer zur Verfügung. Und sein Plan, den Stars ein bisschen Druck zu machen, ist bereits aufgegangen.“

Mächtiger Bizeps, kräftige Schulter- und Brustmuskulatur

Auch optisch hat sich auf der deutschen Trainerbank viel verändert. Jan Christian Müller (FR) überreicht dem DFB-Coach den „Next Topmodel-Award“: „Die Haltung des 57-Jährigen ist aufrechter als noch zu Beginn seiner Amtszeit, permanentes Krafttraining hat seine Wirkung nicht verfehlt. Den schmächtigen Mann, der mit hängenden Stutzen und hängenden Schultern unterwegs war, gibt es  nicht mehr. Stattdessen: mächtiger Bizeps, kräftige Schulter- und Brustmuskulatur. Es ist die Körpersprache eines Erfolgsgewöhnten. In einem Alter, in dem andere Männer ihre Haare lieber kürzer schneiden lassen, wenn sie denn noch ausreichend davon haben, lässt Löw sie wachsen. Er kann es sich leisten.“

Martin Schneider (SZ) porträtiert die Stärken von Timo Werner: „Der für Leipzig spielende Stürmer hat zwei herausstechende Eigenschaften. Da ist zum einen seine Schnelligkeit, die er sich mit Läufen in den Weinbergen seiner Heimatstadt Stuttgart antrainiert hat. Er rennt die 30 Meter nach eigener Aussage in 3,7 Sekunden – und wäre damit schneller als Usain Bolt bei seinem Weltrekord, wenn er das Tempo über die gesamte 100-Meter-Strecke halten könnte. Werner bringt dabei auch noch die Technik mit, bei dieser Geschwindigkeit den Ball zu verarbeiten. Und da ist zum anderen dieser unbedingte Wille zum Abschluss, dieser spürbare Ehrgeiz, diese Giftigkeit, die dazu führt, dass ihn manche Beobachter mit dem frühen Rudi Völler vergleichen.“

Macht der Videobeweis Sinn? Lars Wallrodt (Welt) bleibt dabei: Alles gut! Nur eine Sache müsse man nochmal überarbeiten: „Was noch überdacht werden sollte, ist die Kommunikation nach draußen. Bislang sind die Zuschauer im Stadion ahnungslos. Sie sehen, dass der Schiedsrichter sich ans Ohr fasst (das Signal, dass er mit seinem Videoassistenten kommuniziert) und einen imaginären Bildschirm in die Luft zeichnet, wenn er eine Entscheidung revidiert. Was genau vor sich geht, wissen sie nicht. Bislang ist auch in der Bundesliga nicht geplant, die entsprechende Szene auf der Stadionleinwand zu zeigen. Stattdessen soll es eine Texteinblendung geben. Das ist nicht genug, um den Skeptikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dem Videobeweis eine größtmögliche Transparenz zu verpassen ist oberstes Gebot. Nur so werden auch die Nörgler erkennen, dass die neue Technik den Fußball fairer macht. Es sei denn, sie nörgeln um des Nörgelns willen. Aber dann ist ihnen ohnehin nicht zu helfen.“

freistoss des tages

 

Kommentare

1 Kommentar zu “Confed Cup – Masse und Klasse”

  1. Charly
    Dienstag, 27. Juni 2017 um 19:24

    Man könnte sich in die Sommerloch-Berichterstattung verlieben.

    Horeni, Ahrens und Schneider kommen immerhin sportlich daher. Peters wirft sich schützend über seine bedrohten Kollegen, und Müller nimmt sich Zeit für seine Bewerbung bei Cosmopolitan.
    Wallroth fordert gar totale Transparenz, den Live-Videocheck auf der Stadionleinwand, damit der eigentlich uneigennützige Fan urplötzlich die Vorzüge der neuen Fairness entdeckt.

    Nur Köster relativiert, ordnet ein und nimmt die Luft raus. Dem möge man sich anschließen.
    Und dann endlich Urlaub machen.

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