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Reinhard Grindel – Das Ende einer Notlösung

Kai Butterweck | Mittwoch, 3. April 2019 ohne Kommentar

Die Presse beschäftigt sich intensiv mit dem Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel

Ein klebriger Nebenverdienst in Höhe von knapp 80.000 Euro und eine schnieke Luxusuhr stürzen Reinhard Grindel ins Verderben. War da noch mehr? Alexander Müller (morgenweb.de) holt noch etwas weiter aus: „Grindel ist nicht wegen zweier Verfehlungen gescheitert, die hässliche Erinnerungen an die Gier und die Korruption unter mächtigen Fußball-Funktionären in der jüngeren Vergangenheit wecken. Er hatte auf den meisten relevanten Feldern schlicht nicht das Format für den Job als DFB-Boss. Die Liste seiner Fehltritte, Kommunikationspannen, Affärchen und Taktlosigkeiten ist endlos lang. 2016 war Grindel angetreten, um beim DFB nach dem moralischen Tiefpunkt des Sommermärchen-Skandals wieder Werte wie Anstand, Transparenz, Bodenständigkeit und Ehrlichkeit in den Vordergrund zu rücken. Drei Jahre später liest sich die Bilanz seiner Amtszeit verheerend.“

Heute hier, morgen dort

Frank Hellmann (sportschau.de) klärt auf: „An seinem Fleiß gab es nichts auszusetzen. Selbst Direktoren und Abteilungsleitern kam die Arbeitswut ihres Präsidenten fast schon unheimlich vor. Der gebürtige Hamburger schien an manchen Tagen an sechs, sieben Orten gleichzeitig zu sein. Eben noch in Miami, jetzt beim Bayrischen Rundfunk in München, morgen beim Werksbesuch in Wolfsburg. In der Terminhatz übersah Grindel bereits, wie ihm nicht nur viele Sachthemen entglitten, sondern welche Tretminen bereits seine Widersacher auslegten. Eines ist Reinhard Grindel daher dringend zu raten: wirklich nicht zu glauben, eine Luxusuhr habe ihn um das größte Amt eines deutschen Sportverbands gebracht.“

Oliver Fritsch (Zeit Online) findet klare Worte: „Nimmt man alle Deutschen, die Reinhard Grindels Rücktritt als DFB-Präsident bedauern, bekäme man wohl keine Fußballmannschaft zusammen. Seine Entscheidung ist eine Erleichterung für den deutschen Fußball. Grindel war unbeliebt, weil er manch unbeholfenen Auftritt hinlegte, sich Verfehlungen in finanzieller Hinsicht leistete und sportpolitische Fehler in Serie beging. Grindel war ein schwacher DFB-Präsident.“

Ein logischer Nachfolger ist nicht in Sicht

Sven Flohr (Welt) blickt mit sorgenvoller Miene in die Zukunft: „Und nun? Der DFB steht blank da. Schon der ehemalige Schatzmeister Grindel war ein Kompromisskandidat. Auch jetzt ist ein logischer Nachfolger aus den eigenen Reihen nicht in Sicht. Die Alternativen wären ein bekannter Ex-Fußballer oder eine externe, starke Lösung aus Politik oder Wirtschaft. Einer wie Christian Seifert, der von Karstadt kam und erfolgreich die Bundesliga führt. Wer auch immer die Hand hebt – der Fall Grindel(s) sollte ihm eine Warnung sein.“

Jörg Tegelhütter (tagesschau.de) klappt das Buch zu: „Strittige Entscheidungen wie zuletzt das Nationalmannschafts-Aus der drei Bayern-Spieler kommentierte er gern, um sich später als „falsch verstanden“ darzustellen. Seine Erfolge, wie der Zuschlag für die EM 2024 waren längst verblasst. Und im DFB-Präsidium wuchs die Erkenntnis, den falschen Mann an die Spitze gewählt zu haben. Am Ende stand Grindel alleine da. Gedemütigt, nachdem Interna über Zusatzeinkünfte an die Presse gelangten. Ein unschönes Ende eines ungeeigneten Präsidenten.“

Claudio Catuogno (SZ) hat das Schlusswort: „Peinlich darf ein DFB-Präsident zur Not sein. Maßlosigkeit ist dagegen schon ein Problem. Grindel repräsentierte auch die Hunderttausenden Ehrenamtlichen, die – wirklich ohne jede Aufwandsentschädigung – Woche für Woche ihren Dienst in den Fußballklubs tun. Das war der Kern des Skandals.“

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