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Dietmar Hopp – Vom Buhmann zum Weltretter?

Kai Butterweck | Dienstag, 17. März 2020 ohne Kommentar

Mitten im Corona-Chaos zündet man in Sinsheim Kerzen der Hoffnung an

Für den Großteil der Ultras ist Dietmar Hopp das Gesicht ihrer Kapitalismuskritik. Nun steht der Hoffenheim-Mäzen als Mitinhaber eines renommierten Biotech-Unternehmens („Curacev“) auf der Liste der potentiellen Weltretter ganz weit oben. Sven Astmeister (FAZ) stellt schon mal Hammer und Meißel bereit: „Der amerikanische Präsident Donald Trump, der die Corona-Gefahr öffentlich lange heruntergespielt hat, wollte Curevac sogar mit viel Geld nach Amerika locken. Für einen Investor auf der Suche nach dem schnellen Profit wäre das ein attraktiver Deal gewesen. Doch Dietmar Hopp hat Donald Trump einen Korb gegeben. Weil er es sich leisten kann, bleibt diese Forschung wohl in Deutschland. Gelingt Curevac der Durchbruch, gehört dem Mann in der Tat ein Denkmal gesetzt.“

Sollen die Fans ihr Unbehagen einfach runterschlucken?

Andreas Rüttenauer (taz) stellt sich auf die Seite der Ultras und lässt Fragezeichen vom Himmel regnen: „Soll deshalb die Kritik aus den Kurven im Sinn des Herrn Hopp verstummen? Sollen die Fans ihr Unbehagen Kollektivstrafen gegenüber, die auf Bestellung Hopps beim DFB ausgesprochen werden, runterschlucken? Darf ein Ultra nicht mehr gegen das anschreien, was gemeinhin “der moderne Fußball“ genannt wird und was sich mit der den Regeln widersprechenden Legalisierung des Investorenmodells bei der TSG Hoffenheim Bahn gebrochen hat? Oder ist es nicht vielmehr so, dass das eine mit dem anderen recht wenig zu tun hat?“

Klaus Hoeltzenbein (SZ) bringt es wie folgt auf den Punkt: „In der Eskalation ging es jüngst darum, dass komplette Fankurven gesperrt werden sollten. Nun sind alle Stadien gesperrt. Wann die Tore wieder öffnen, zunächst wohl für Spiele ohne Ultras, ohne Publikum, hängt an Visionären wie Hopp, die nach Wundermitteln forschen lassen, in Tübingen und anderswo. Es ist ziemlich viel Ironie in dieser Geschichte.“

Die Debatte um Hopp verläuft in falschen Bahnen

David Joram (Tagesspiegel) erkennt Schräglagen: „Für Hopp, der 96 Prozent an der TSG Hoffenheim Spielbetriebs GmbH hält, bietet die Verknüpfung zwischen Fußball und Biotech gute Chancen. Sie hängt aber mit der TSG Hoffenheim und ihrem Kerngeschäft rein gar nicht zusammen. Die Nachricht der Hoffenheimer vom Investment ihres Mäzen an anderer Stelle wirkt befremdlich. Es geht dabei nicht um die Qualität des Produkts, sondern um die Frage, ob Fußballvereine grundsätzlich fremden Interessen dienen sollten. Die Fankurven im Land haben dazu eine klare Meinung. Dass nun sogar Mitglieder des Bundestags wie FDP-Mann Olaf in der Beek Hopps Investment in eine Biotech-Firma gegen den Protest der Ultras gegen ihn abwägen, wirkt schräg. Es zeigt, dass die Debatte um Hopp in falschen Bahnen verläuft, Äpfel mit Birnen verglichen werden.“

Christian Spiller (Zeit Online) sendet Daumen-runter-Grüße in Richtung DFL, Kalle Rummenigge und Aki Watzke: „Viele, die im deutschen Fußball etwas zu sagen haben, haben in den vergangenen Tagen keine gute Figur gemacht. Allein das unwürdige Geeiere gegen Ende der vergangenen Woche, als innerhalb weniger Stunden entschieden wurde, es werde gespielt – und dann doch nicht. Während in anderen Gesellschaftsbereichen schon längst gehandelt wurde, waren die Fußballbosse die letzten Realitätsverweigerer. Sie zeigten keinerlei Bestrebungen, in die Gesellschaft hineinzuwirken, gar voranzugehen und damit vielleicht auch Menschen zu aufgeklärtem Handeln zu bewegen, die nur der Fußball erreichen kann. Sie redeten vor allem über Geld und entlarvten sich damit selbst. So kommt das Schlechteste des Sports zum Vorschein.“

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