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Toppmöller und Leverkusen in Not

Oliver Fritsch | Donnerstag, 25. März 2004 Kommentare deaktiviert für Toppmöller und Leverkusen in Not

Die Lage der Liga – Sonntagsspiele der Bundesliga – Topmmöller und Leverkusen in Not – die Situation von Sammer und Gerets – die Perspektiven von Eintracht Frankfurt

Martin Hägele (NZZ 3.2.) resümiert die Lage der Liga. „Menschen, die den Fussball in Deutschland lieben, haben nun Mitleid mit Bayer Leverkusen; aber die Gefühle der Fans sind so ziemlich alles, was übrig geblieben ist von jener Mannschaft, die im vergangenen Jahr den schönsten und begeisterndsten Fussball nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa gespielt hatte – aber so tragisch jeden Final verlor. Solche Regungen oder gar Sympathien kann sich ein Unparteiischer nicht leisten. Er hat gerecht zu sein. Anhand der bitterbösen Vorgeschichten aus den Spielen zwischen Borussia Dortmund und dem Klub vom Weltkonzern, deren Leitung vielen seiner Vorgänger aus den Händen geglitten war, entschied sich Referee Fröhlich schon nach fünf Minuten für die ganz harte Linie. Als der türkische Internationale Bastürk hinter Ewerthon hergrätschte, wälzte sich der Brasilianer spektakulär auf dem Rasen. Fröhlich zog sofort die rote Karte, hätte es mit ein bisschen mehr Gefühl für diese Situation aber auch bei einer gelben belassen können. Zu diesem Zeitpunkt führte der Meister bereits durch einen Treffer Amorosos. Bastürks Ausschluss nur kurz darauf aber nahm der Auswahl Toppmöllers die Moral, bei dieser als Schicksalsspiel apostrophierten Partie noch einmal zurückschlagen zu können. Dafür fehlte den Bayer-Professionals einfach der Glaube. Dafür trägt diese Mannschaft zu viele Tiefschläge mit sich herum, dafür spürte jeder der Abwehrspieler im roten Trikot geradezu Ohnmacht, wenn sich der Hüne Koller nur Leverkusens Strafraum näherte. Dessen Kraftakt zum 2:0 hatten die Leverkusener Verteidiger inklusive Keeper Butt nur unkonzentrierte und eher verzweifelte Attacken entgegenzusetzen. Borussia Dortmund konnte sich schon früh darauf beschränken, den Vorsprung ganz einfach über die Zeit zu bringen. Und so jene Maxime umzusetzen, die Klubchef Niebaum von seinen Angestellten gefordert hatte: Die sollten nicht länger über die Ziele zum Saisonende reden, sondern bitte jetzt Punkte holen und so den Abstand zum Leader Bayern München verringern. Kahn und Co. hatten dem alten Rivalen tags zuvor in der westfälischen Nachbarschaft die Vorlage gegeben und beim 0:0 gegen Arminia Bielefeld sogar das Glück des Klassen-Primus strapaziert. Aus neun Punkten Rückstand auf die Nummer eins wurden so sieben. Kein Grund zum Jubeln, denn mit dem VfB Stuttgart wartet am nächsten Wochenende im Daimler-Stadion ein Gegner, der dem Titelverteidiger aggressiver zusetzen wird. Für die Professionals von Bayer Leverkusen beginnt dann mit der Busfahrt nach Bochum nicht nur eine Reise in die Vergangenheit von Trainer Toppmöller. Im Ruhrstadion geht endgültig der Abstiegskampf los, lediglich das Torverhältnis trennt die Stars noch von Aufsteiger Hannover 96.“

Borussia Dortmund – Bayer Leverkusen 2:0

Michael Horeni (FAZ 4.2.) fasst die Leverkusner Reaktionen nach dem Spiel zusammen. „Das Leverkusener Leiden hat immer dasselbe Gesicht. Es gehört Reiner Calmund. Der Bayer-Manager stand nach dem Schlußpfiff auf dem Spielfeld des Westfalenstadions und hielt wartend ein Mikrofon in der Hand, weil im Fernsehen der Niedergang des Werksklubs einer Erklärung bedurfte. Doch ein Blick in das Gesichts Calmunds sagte mehr als seine tausend Worte: Die Augen waren faltig zusammengekniffen, und es sah so aus, als wäre der Manager wieder einmal im Reich der Tränen angekommen. Die Leverkusener Lage nach 19 Spieltagen ist aber auch zum Heulen: Nur noch ein Punkt trennt die deutsche Lieblingsmannschaft der vergangenen Saison nach dem 0:2 bei Borussia Dortmund noch von einem Abstiegsplatz – und der Trend zeigte am Sonntag auch für den sozialdemokratischen Fußballtrainer Klaus Toppmöller die an diesem Tag für die Genossen typische Richtung an: steil abwärts. Mit den aktuellen Sorgen mischt sich an diesem Mittwoch nun auch noch die tränenreiche Vergangenheit, wenn Leverkusen im DFB-Pokal ausgerechnet an jenen Ort zurückkehrt, der für Bayer zum Symbol des ewigen Scheiterns geworden ist: Unterhaching. Wo im Mai 2000 die Titelträume von Bayer am letzten Spieltag dahingingen, könnte im Jahr 2003 auch die Endstation für den Trainer des Jahres 2002 bald gekommen sein (…) Auf dem Platz erinnerte Bayer jedoch stark an eine führungslose Combo – und die Führungskräfte Calmund und Toppmöller gaben sich danach ratlos wie selten in dieser Saison. Vor der Winterpause konnten sie noch auf die vielen Verletzten und die Hoffnung auf einen Neuanfang verweisen. Nach zwei Spielen, null Punkten und 0:5 Toren ist aber von gelebter Veränderung oder unbedingtem Reformwillen noch immer nicht viel zu spüren.“

In der FR (3.2.) heißt es dazu. „Startaufstellung von Bayer 04 Leverkusen beim 0:2 am Sonntag in Dortmund: Tor: Jörg Butt, 2 A-Länderspiele für Deutschland. – Abwehr: Diego Placente, 8 A für Argentinien, Juan, 10 A für Brasilien, Carsten Ramelow, 34 A für Deutschland, Boris Zivkovic 17 A für Kroatien. – Mittelfeld: Yildiray Bastürk, 19 A für die Türkei, Bernd Schneider, 21 A für Deutschland, Hanno Balitsch, Kapitän der deutschen U21, Pascal Ojigwe, 16 A für Nigeria, Oliver Neuville, 38 A für Deutschland, Franca, 8 A für Brasilien. Klaus Toppmöller sagt: Wir pfeifen personell auf dem letzten Loch. Man muss den schwer angeschlagenen Trainer von Bayer Leverkusen nach dem 0:2 einer chancenlosen Mannschaft in Dortmund sogar verstehen, wenn er in diesen schweren Tagen verzweifelt nach Ausreden sucht. Denn selbst dieses allerletzte Aufgebot ist in seiner individuellen Stärke – siehe oben – selbstverständlich noch um Klassen besser, als der gehobene Durchschnitt der Bundesliga. Deshalb hat Manager Reiner Calmund auch recht, wenn er sagt: Die Mannschaft hat die Klasse, um da unten rauszukommen. Aber hat sie auch die Nerven? Und den Willen? Und hat ihr Vorgesetzter, der Trainer des Jahres 2002, noch die Kraft und die natürliche Autorität, um den hüfttief im Dreck fest sitzenden Karren wieder rauszuziehen? (…) Niemand könnte behaupten, seine Demission wäre schon zum jetzigen Zeitpunkt eine völlig falsche Entscheidung gewesen. Zumal die Vergangenheit nicht für den leidenschaftlichen Verfechter verwirrenden Offensivfußballs spricht: In Frankfurt und Bochum misslang das zunächst jeweils hervorragend angelaufene Unterfangen, nicht nur kurz- oder mittelfristig etwas aufzubauen. Toppmöller ist den Beweis eines erfolgreichen Managers in schwierigen Zeiten auch beim 1. FC Saarbrücken schuldig geblieben. Zuletzt hat der ehemalige Mittelstürmer fehlenden Blick für die Realität offenbart, als er im Trainingslager in Florida mutmaßte, sein Team werde die Mannschaft der Rückrunde. Er ist ein Mann, der nach Vorbild manches gescheiterten New-Economy-Unternehmers mit grenzenlosem Optimismus Rezepte für den schnellen Aufstieg kennt, der aber nach Lage der Dinge nicht in der Lage ist, ein gemeinhin weitaus schwierigeres Krisen-Management zu betreiben. Die Buchmacher haben die Quoten für einen Rauswurf bereits leidenschaftslos runtergesetzt: Toppmöller ist Favorit vor Rangnick, Wolf und Gerets.“

Michael Ashelm (FAS 2.2.) kommentiert die schwierige Situation Klaus Toppmöllers. „Das anhaltende Leistungstief der Mannschaft, die sich in der vergangenen Saison mit großartigen Vorführungen auf höchstem europäischem Niveau in die Herzen vieler Fußballfreunde des Landes spielte, beunruhigt inzwischen sogar die Bayer AG selbst, den Weltkonzern, der hundertprozentiger Eigentümer der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH ist. „Natürlich sind wir besorgt“, gibt Meinolf Sprink zu. Der Sportbeauftragte der Bayer AG ist der Verbindungsmann des Konzerns zu den verschiedenen Sportabteilungen, eben auch zur professionellen Fußballsparte. Noch nie so oft wie in den vergangenen Wochen hat sich das Haupthaus in die Belange des von einer schweren sportlichen Krise erfaßten Bundesligateams eingemischt und sich zu Wort gemeldet. In erster Linie ist Trainer Klaus Toppmöller in die Schusslinie geraten, der nach den Erfolgen der vergangenen Saison von allen Seiten wegen seines ‚besonderen Stils‘ noch so hoch gelobt worden war. In erster Linie besorgte die AG-Manager sein neuer, rauher Umgangston, wissen sie doch, daß das Image der inzwischen in vielen Ecken der Welt wohlbekannten Bayer-Mannschaft letztlich auch auf den Konzern und seine Produkte abfärbt. So griff Sprink im Namen der Unternehmensleitung durch, als Toppmöller den Spieler Jan Simak despektierlich einen „Pflegefall“ nannte. Die Reaktionen in der Konzernzentrale in Leverkusen reichten von Ablehnung bis zu großer Empörung, alles lief auf eine einzige Frage hinaus: Was sollen bloß die vielen kranken Menschen denken, die Produkte des Pharmakonzerns kaufen? „So was geht nicht und darf nicht passieren“, sagt Sprink über Toppmöllers verbalen Fehltritt. Verwundert zeigte man sich im Management auch über die Aussage des Trainers, sich bei enttäuschendem Verlauf der ersten vier Spiele der Rückrunde selbst zur Disposition stellen zu wollen. Für viele eine Bumerang-Aussage, der taktisch schlimmste Fehler einer Führungskraft, der am Ende immer bestraft wird.“

Martin Hägele (NZZ 4.2.) schreibt. „Toppmöller musste sich im Westfalenstadion vorkommen wie Hiob im Alten Testament: Welche Strafe kommt als nächste? Er hatte die Hände gefaltet, minutenlang sprach er nicht mehr. Zog vor seinen Augen schon jenes Szenario auf, das in jedem Verantwortlichen und Fan von Bayer als lebenslänglicher Albtraum lebt: der Sportpark von Unterhaching, das Eigentor von Michael Ballack, die Tränen von Christoph Daum, dem ehemaligen Trainer, die verschenkte Deutsche Meisterschaft. Härter hätte es das Cup-Los nicht meinen können, obwohl der Dorfklub am Rande Münchens mittlerweile in die Regionalliga abgestiegen ist. Auf diesem Platz kann, ja muss Toppmöller den schon viel zu oft beschworenen Neustart schaffen, weil es sich Bayer nicht länger leisten kann, dem Trainer weitere Chancen zu geben. Und vielleicht können ihm dabei die zwei Neuen helfen, der polnische Nationalspieler Kaluzny, der brasilianische Internationale Cris, die als Ersatz für Nowotny und den verletzten Weltmeister Lucio eingekauft worden sind. Beide gelten als Haudegen, beide tragen bei ihrem Début in Unterhaching keine traurigen Erinnerungen auf den Platz. Denn der Klub aus der westdeutschen Provinzstadt braucht jetzt neue Elemente, Menschen mit der Energie, sich gegen eine vermeintliche Vorbestimmung und den Lauf der Geschichte aufzulehnen. Bayer 04 und sein Trainer sollten sich gegenseitig nichts mehr vorspielen. Oder gar vorlügen. Auch wenn diese Wahrheit brutal klingt. Sie sagt nämlich, dass all das, wofür Toppmöller im Vorjahr gelobt wurde, den Trainer heute als Vorwurf trifft. Er war der Freund der Spieler, der Idealist und Fussball-Romantiker, nun aber sind keine nostalgischen Gefühle, auch keine Dankbarkeit mehr gefragt, sondern ein ganz nüchterner Chef, der mit ein paar klaren Anordnungen den Laden wieder zum Laufen bringt. Weg von der Abstiegsangst, die überhaupt nicht zu den Menschen unterm strahlenden Kreuz der Weltfirma passt.“

Hamburger SV – Werder Bremen 1:0

Raimund Witkop (FAZ 4.2.). „Bester Spieler des HSV war mit Bernd Hollerbach ein ausgewiesener Spezialist in der Übung, dem Gegner die neunzig Minuten auf dem Rasen gründlich zu vergällen. Der andere herausragende Spieler des Hamburger SV entschied die Begegnung. In der 55. Minute fand Sergej Barbarez die Zeit und hatte die Übersicht, den Ball nach einem Fehler von Verlaat aus 18 Metern exakt neben den Pfosten zu zirkeln. Einen vergleichbaren Moment individueller Klasse hatte Bremen nicht zu bieten. Die, von denen man es erwarten könnte, waren nicht auf der Höhe: der Brasilianer Ailton, weil Ujfalusi ihn wirkungsvoll bekämpfte, und der in der Hinrunde überragende Johan Micoud. Der Franzose und auch der Ungar Krisztian Lisztes waren so zaghaft in den Zweikämpfen, daß ihre kreativen Möglichkeiten gar nicht erst zum Vorschein kommen konnten. Wir entfalten dann unsere Stärken, wenn der Ball läuft, klagte Schaaf. Dazu aber muß man ihn bekanntlich haben und behaupten können. Was also hindert Werder Bremen daran, sich das Prädikat einer Spitzenmannschaft dauerhaft zu verdienen? Einige Spieler erliegen womöglich der trügerischen Hoffnung, kraft ihres Könnens gegen mittelklassige Gegner auch auf leichtfüßige Manier gewinnen zu können. Die großen Klubs reagieren auf so etwas mit Neueinkäufen und verschärfter interner Konkurrenz. In dieser Liga spielt Werder nicht – aber dafür haben sie in Bremen ja einen soliden Haushalt und sind stolz darauf.“

Jörg Marwedel (SZ 4.2.). „Mochte Werder-Trainer Schaaf auch hadern über ein ‚abgehacktes Derby‘, in dem sein Team ‚den Spielrhythmus nicht gefunden‘ habe, so konnte Kollege Kurt Jara zu Recht von „einem unserer besten Spiele“ reden und mit einem Anflug Tiroler Schmäh kontern: ‚Vielleicht hat er bemäkelt, dass wir zu eng an seinen Leuten standen und den so genannten Spielmacher der Bremer total aus dem Spiel genommen haben.‘ Gemeint war Johan Micoud. Und weil die Bremer auch schon das erste Heimspiel gegen Bielefeld (2:2) nicht gewonnen hatten, kamen trübe Gedanken auf ans Vorjahr, als sie ebenfalls eine prächtige Ausgangsposition im Kampf um eine Champions-League- Teilnahme verspielten. Eine ‚für uns entscheidende Woche‘ mit den Spielen gegen 1860 München (DFB-Pokal und Bundesliga) kündigte Libero Verlaat an. Schaaf wiederum versuchte sich als Verdrängungskünstler: ‚Was im Vorjahr war‘, beschied er einen Fragesteller, ‚interessiert mich nicht. Darüber machen Sie sich wahrscheinlich mehr Gedanken als ich.‘ Wirklich?“

Hintergründe aus der Bundesliga

Ist die finanzpolitische Praxis der Kaiserslauterer repräsentativ für die Gepflogenheiten der Liga? fragt Thomas Kistner (SZ 1.2.). „Die Akte FCK kursiert nun durch die Ämter, und sie schafft insofern einen Präzedenzfall, als hier einmal nicht Rücksicht auf die Existenz eines Bundesligaklubs genommen wird. Das ist die Botschaft vom Betzenberg; gewiss brisant für viele in der Liga. Und der vertrauliche Draht zur Politik? Hilft auch nicht mehr. In Zeiten, da der Steuerzahler mit wachsender Hingabe geschröpft wird, dreht sich der Wind. Staatliche Hilfsleistungen für hasardierende Profiklubs (und letztlich für deren Großverdiener) sind da plötzlich nicht mehr politischer Beweis für eine bedingungslose Volksnähe – sondern verdammt unpopulär.“

Hanno Beck (FAS 2.2.) vergleicht. „In den Vereinigten Staaten gibt es viele Maßnahmen, um einen ausgewogenen Wettbewerb innerhalb der Ligen zu garantieren. Eine einfache Möglichkeit, um übermäßige Investitionen des Vereins in Spielstärke zu verhindern, sind Kaderrestriktionen – mehr als eine bestimmte Anzahl von Spielern darf der Verein nicht verpflichten. Oder man reglementiert die Ausgaben eines Vereins: Diese „salary caps“ schreiben den Vereinen eine Obergrenze der Spielergehälter vor. Da die Vereine diese Caps gerne umgehen, um ihre Superstars zu halten, gibt es in manchen Ligen auch eine „luxury tax“: Ein bestimmter Prozentsatz der Gehaltszahlungen des Vereins muß dieser als Steuer entrichten, die dann unter den restlichen Vereinen umverteilt wird. Eine andere Möglichkeit, ein Auseinanderdriften der Spielstärken innerhalb einer Liga zu verhindern, besteht in „draft regulations“: So dürfen beispielsweise in einigen Ligen am Ende der Saison die schwächsten Teams sich zuerst aus dem Pool der jungen Talente aus der High-School bedienen – die besten Nachwuchsspieler kommen so zu den schwächsten Vereinen. So logisch und elegant diese Regeln auf den ersten Blick wirken, so problematisch sind sie auch. Der wichtigste Einwand, warum sie auch nicht ohne weiteres auf die deutsche Bundesliga übertragbar sind, liegt in den unterschiedlichen Organisationsformen der beiden Ligen. Die amerikanischen Ligen gehören den Clubbesitzern, die den Rahmen für den Spielbetrieb festlegen. Zudem gibt es in diesen Ligen keinen Auf- und Abstieg, und sie sind strikt gewinnorientiert: Die Clubs können verkauft werden und sogar einfach in andere Städte transferiert werden.“

Zur Position des Lauterer Trainers heißt es bei Peter Heß (FAZ 1.2.). „1. FC Kaiserslautern. Das war einmal ein Name, der Respekt einflößte in der Fußball-Bundesliga. Rote Teufel wurden die Spieler genannt, weil sie sich auf die Gegner stürzten, als gälte es, sie in die Hölle zu befördern. Bevor die FCK-Profis eine Niederlage hinnahmen, wehrten sie sich gegen sie mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen. So wurden in 40 Jahren Bundesliga zwei Meistertitel gewonnen, viele Uefa-Cup-Ränge erreicht, bis auf einmal der Abstieg vermieden und immer die treuen Fans zufriedengestellt. In dieser Saison ist alles anders, dabei gab es noch nie so viele Gründe, sich für den FCK mit Leib und Seele einzusetzen. Der Verein steht vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Die ohnehin nur schwer zu vollziehende Sanierung wäre durch den Abstieg zusätzlich gefährdet. Hunderttausende Fans aus der Pfalz, der näheren und weiteren Umgebung blicken bang zum Betzenberg. Und was sehen sie? Eine Mannschaft, die träge dem Abgrund entgegentaumelt (…) Gerets entspricht zu genau dem Idealtyp des pfälzischen Lieblingsfußballers. Männlich hart gegen sich und andere, andererseits von einer rauhen Sentimentalität gegenüber dem Beruf im allgemeinen und dem 1. FCK im besonderen ergriffen. Wäre Gerets noch Profi wie in den Siebzigern und Achtzigern, als es der gnadenlose Außenverteidiger bis zum Kapitän der belgischen Nationalelf brachte, und hätte er drei, vier Mitstreiter seines Kalibers an der Seite, die FCK-Traummannschaft für den Abstiegskampf wäre perfekt. Aber als Trainer droht er zu scheitern. Seine Appelle an die Ehre und das Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem Verein brachten bisher nicht die erwünschte Wirkung bei der Generation Basler. Zwei, drei guten Auftritten folgten immer wieder niederschmetternd lustlose Vorstellungen des früher so zuverlässigen FCK. Irgendwann in den vergangenen Wochen scheint Gerets den Respekt bei seinen Spielern verloren zu haben.“

Richard Leipold (FAZ 1.2.) kommentiert das Standing des Dortmunder Trainers. „Die Kompetenz steht des Trainers bei seinen Vorgesetzten außer Zweifel. Kritik an Sammer ist dumm, behauptet Sportmanager Michael Zorc. Matthias ist als Trainerneuling Erster und Dritter geworden, da verbietet sich jede Diskussion. Gerade genesen, mobilisiert Sammer abermals seine Widerstandskräfte, diesmal allerdings nicht, wie sonst, gegen Lobhudler und Schulterklopfer und auch nicht gegen seinen Leverkusener Kollegen Klaus Toppmöller, der den Treffen mit Sammer in der vergangenen Saison manch verbale Attacke vorausgeschickt hat, diesmal aber allen Grund hat, kleinlaut zu sein. Zum ersten Mal, seit Sammer den BVB trainiert, verspürt er Gegenwind, vor allem auf dem Boulevard. Die Vorwürfe kommen aus verschiedenen Richtungen. Angeblich diskutieren sogar Spieler kontrovers über die Taktik. Sammer reagiert widersprüchlich. Einerseits nimmt er die sehr gute Mannschaft in Schutz. Sie habe trotz der Niederlage in Berlin besser gespielt als beim Sieg im Meisterjahr. Andererseits hätten einige Profis zuletzt grundlegende Mängel offenbart. Wenn solche Fehler einer Jugendmannschaft passieren, dreht der Jugendtrainer durch, sagt Sammer. Wir müssen wieder lernen, elementare Dinge zu beherrschen. Manchmal mischt sich ein Anflug von Selbstverteidigung in die Analyse. So darf der Hinweis auf den körperlichen Top-Zustand der Mannschaft in Sammers Rede zur Lage der Borussia nicht fehlen. Die Diskussion über die taktische und psychologische Einstellung der oft zaghaft wirkenden Meisterspieler wird flankiert von Vorwürfen aus interessierten Kreisen außerhalb Dortmunds. Einige Gegner Sammers nutzen die erstbeste Gelegenheit, alte Rechnungen zu begleichen, so etwa der Bochumer Profi Sunday Oliseh, der einen Teil seines Gehalt weiter vom BVB erhält. Er behauptet, sich in Dortmund wie beim Militär gefühlt zu haben.“

Thomas Kistner (SZ 4.2.) malt. „Folgendes Szenario: Die Fernsehrechte an der Fußballbundesliga sind vakant, der bisherige Rechteverwerter Sat1 hat seine Option nicht gezogen und will künftig deutlich weniger bezahlen, lieber 50 Millionen Euro statt 80 Millionen wie bisher. Nun hofft der Rechtehalter, die Agentur Infront, gemeinsam mit den Liga-Managern, dass die ARD einspringt. Die hat mehr Geld und bietet Planungssicherheit – schließlich haben die Öffentlich-Rechtlichen die Gebührenzahler im Kreuz. Da dies aber öffentliche Mittel sind, die dann an die Infront flössen, wäre eine pikante Situation zu bestaunen. Gegen einen 20-Prozent-Partner der Infront, den saudischen Scheich Kamil, stehen Terrorvorwürfe im Raum bis hin zu einer Klage von Opfern des New Yorker Anschlags. Der Infront-Teilhaber wird vom FBI verdächtigt, al-Qaida und andere Gruppen finanziell unterstützt zu haben. Diese Vorwürfe muss man sich gar nicht zu eigen machen, um die Kernfrage aufzuwerfen: Sollte danicht Klärung geschaffen werden? Zumal das Szenario ja auch für die Senderechte an der Fußball-WM 2006 gilt, die von Infront gehalten werden. Fragt sich nur, wer diese Klärung schaffen könnte. Die Lage ist sensibel, zumal im internationalen Fußball just zu besichtigen ist, wie Teile der arabischen Geschäftswelt immer aktiver werden.“

Interview mit ProSieben-Sat.1-Chef Urs Rohner über die Fußball-Bundesliga und faire Verhandlungen SZ

Zweite Liga

Zur Situation des Zweitligisten Eintracht Frankfurt lesen wir von Marc Widmann (SZ 3.2.). „Seitdem die Geschichte des Vereins im Sommer beinahe zu Ende gewesen ist, hat eine neue Mentalität bei der Eintracht Einzug gehalten. Kapitän Jens Keller ist die Symbolfigur dieser Veränderung. Vor einem halben Jahr war der Schwabe arbeitslos, weil der 1. FC Köln seinen Vertrag nicht verlängern wollte. Der 32-Jährige erschien zu alt für einen Neuaufbau. Mittlerweile, eine halbe Saison später, ist Keller der Kopf der erfolgreichsten Abwehr der Zweiten Bundesliga (…) Als Trainer Willi Reimann vor gut einem halben Jahr nach Frankfurt kam, stolperte er in ein heilloses Durcheinander. „Im Verein war null Struktur“, sagt Reimann, „null“. Ein Herr namens Gabor Varszegi war kommissarischer Vorstandsvorsitzender und wollte für wenig Geld die Anteile der Fußball-AG übernehmen. „Ein Chaos hoch drei“, sagt Reimann. Mittlerweile ist der Ungar Varszegi wieder verschwunden und eine Gruppe von anonymen Eintracht-Freunden hat die Anteile übernommen; jedenfalls so lange, bis ein Investor gefunden ist. Schon seit einem Jahr sind die Frankfurter auf der Suche. Beim Spiel gegen Freiburg saß Josef Ackermann auf der Tribüne, Vorstandschef der Deutschen Bank. Über seinen Mantel hatte er einen Fan-Schal gehängt. Man hofft auf eine geregelte Zukunft bei der Eintracht. Willi Reimann hat diese Hoffnung wachsen lassen. Der ruhige Trainer mit der leisen Stimme legt großen Wert auf das, was man im Fußball ehrliche Arbeit nennt. Deshalb hat er Kapitän Keller geholt und deshalb hat er der Mannschaft immer wieder seine Einstellung gepredigt: „Solange sich die Spieler für den Verein einsetzen, bin ich ihr Partner“, sagt der Trainer, „aber wenn sie sich anders verhalten, gibt es Probleme mit mir.“ Die Mannschaft hat den 53-Jährigen offenbar verstanden.“

Ein Spielbericht der FAZ (3.2.) über das 1:1 zwischen Frankfurt und Freiburg. „Eine Partie mit großen Emotionen hatten alle Beteiligten versprochen, doch es wurde nicht mehr als ein gepflegter Langweiler. Das 1:1 im Spitzenspiel der Zweiten Fußball-Bundesliga zwischen der Frankfurter Eintracht und dem Sport-Club Freiburg sorgte dennoch für Spannung, wenn auch nur im nachhinein. Denn hinter dem enteilten Spitzenreiter 1. FC Köln schwächelten die beiden anderen Aufstiegskandidaten Freiburg und Frankfurt auch am zweiten Spieltag der Rückrunde und machten so das Rennen wieder spannend. Auf der Großbaustelle des Frankfurter Waldstadions wollten am Freitag abend nicht einmal die Zuschauer ihren Beitrag zu einem stimmungsvollen Abend leisten. Nach Ausschreitungen beim letzten Vorrundenspiel gegen Oberhausen hatte die Frankfurter Polizei als erzieherische Maßnahme scharfe Sicherheitskontrollen angekündigt und mit Großfahnen, Choreographien und Megaphonen auch gleich die Stimmung im Stadion verboten. So wunderten sich vor allem die Freiburger über einen vollkommen ruhigen Abend, sie hatten anderes erwartet: eine aufgeheizte, hitzige Atmosphäre, nachdem die Breisgauer in Frankfurter Fankreisen seit dem Wechsel von Rolf-Christel Guié-Mien in der Winterpause ungefähr so beliebt sind wie die Offenbacher Kickers. Guié-Mien hatte sich über Nacht von der Eintracht verabschiedet, eine Ausstiegsklausel machte den Wechsel für eine Ablöse von 250.000 Euro möglich. Jeden Tag habe er gebetet, daß er in Freiburg spielen dürfe, sagte der gläubige Kongolese nach seinem Wechsel – nachdem er kurz zuvor in Frankfurt noch öffentlich Gott gedankt hatte, daß er mir Reimann als Trainer geschickt hat. Daß der Freiburger Fußball-Lehrer Volker Finke Guié-Mien aus moralhygienischen Gründen erst gar nicht mit nach Frankfurt brachte, hatte Eintracht-Trainer Willi Reimann als hohe Form der Heuchelei bezeichnet, worauf Finke am Freitag in gewohnt überheblicher Diktion der Eintracht empfahl, aufzuhören, Menschen in ihrer Persönlichkeit zu kritisieren. Nach dem 1:1 war man dann beiderseits persönlich auf Ausgleich bedacht, Reimann bestand zwar weiterhin darauf, daß das eine Sauerei war, richtete seine Wut nun aber in erster Linie auf den beteiligten Spielerberater, und Finke fand plötzlich, daß zwischen ihm und dem Kollegen alles auf mehr als angenehme Weise geregelt ist.“

Interview mit Bernd Stange, Nationaltrainer Iraks FR

Der 1. FC Köln vor dem Pokalspiel bei den Bayern SZ

Jörg Stratmann (FAZ 4.2.) schreibt zum selben Thema. „Unter Kölns Fußballfreunden macht ein Scherz die Runde: An diesem Dienstag, heißt es, werde der Tabellenführer ausscheiden. Eigentlich gehört nicht viel dazu, diesen Ausgang des Viertelfinalspiels um den Pokal des Deutschen Fußball-Bundes zwischen Bayern München und dem 1. FC Köln vorherzusagen. Schließlich trifft der überlegene Bundesliga-Erste auf den eindeutigen Primus der zweiten Liga. Spätestens an dieser Stelle scheint der Spaß ein Ende zu finden, denn der eindeutige Favorit in dieser Begegnung zweier Klassen steht fest. Doch nicht einmal das kann den Kölnern derzeit die Laune verderben. Warum soll es nicht den anderen Tabellenführer erwischen? Nicht weniger als 2.500 Anhänger wollen sich an diesem Wochentag aufmachen, um im fernen München dabeizusein, sollte es tatsächlich dazu kommen. Zugleich wollen sie damit das eigene Team feiern, das ihnen in dieser Saison schon so viel Freude bereitet hat. Noch immer ist die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel als einzige im deutschen Profifußball in dieser Saison ungeschlagen. Und nimmt man den Pokal und das Ende der vorigen Abstiegssaison der Bundesliga hinzu, sind es schon 23 Pflichtspiele ohne Niederlage. Diese Serie soll auch im Olympiastadion halten, selbst wenn die Überraschung groß wäre. Wir wollen für Furore sorgen, hat Matthias Scherz, der Torschütze vom Dienst in dieser Saison, ganz ernsthaft angekündigt. Und sogar der trockene Funkel sagte: Wir glauben an die Möglichkeit, die Sensation zu schaffen. Damit hat der Mann, der sich so standhaft weigert, an dem nostalgischen kölschen Sehnen nach alter Fußballgröße teilzuhaben, den Fans endlich einmal aus der Seele gesprochen. Bei allem Respekt vor seiner Arbeit haben sie Funkel längst nicht ins Herz geschlossen. Doch sollte das Unerwartete gelingen, wäre ihnen egal, daß der Trainer bislang den nüchternen Erfolg immer über spielerischen Glanz gestellt hat.“

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