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Verdienter Bayern-Dusel

Christoph Asche | Donnerstag, 18. Februar 2010 Kommentare deaktiviert für Verdienter Bayern-Dusel

Die Bayern gewinnen nach einer krassen Fehlentscheidung des Schiedsrichters 2:1 gegen Florenz; die Presse diskutiert über den Chip im Ball, zwei Helden in Strumpfhosen und den umstrittenen Referee

Angesichts der krassen Fehlentscheidung des norwegischen Schiedsrichters Tom Henning Övrebö, die den Bayern einen nicht unbedeutenden Vorteil für das Rückspiel in Florenz verschafft hat, greift Sebastian Winter (Spiegel Online) das alte Thema „Chip im Ball“ auf. Während sich Bayern-Coach van Gaal nach dem Spiel überraschend für eine elektronische Unterstützung der Schiedsrichter stark machte, kennt Winter eine Person, die dem Ganzen skeptisch gegenübersteht – Sepp Blatter: „Der Chip im Ball sollte schon vor gefühlten 20 Jahren eingeführt werden. Und wo ist er jetzt? Auch die Welle der Empörung nach Thierry Henrys nicht geahndetem Handspiel im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel Frankreich gegen Irland, das den Franzosen den Weg nach Südafrika ebnete, hat der Schweizer verebben lassen.“ Winter selbst ist vom Einsatz technischer Hilfsmittel auf dem Fußballfeld nicht überzeugt. So sei die Sache im Abseitsfall noch verzwickter als bei einem Handspiel oder einer Torlinienentscheidung, „zumindest, wenn der Spieler ein reguläres Tor erzielt, der Schiedsrichter jedoch auf Abseits entscheidet. Die Entscheidung kann auch zukünftig kaum zurückgenommen werden, denn die gegnerische Mannschaft wird argumentieren, dass sie nach dem Schiedsrichter-Pfiff aufgehört habe mit dem Spielen.“ Klarer wäre die Sachlage, wenn ein Spieler ein Abseitstor erzielt, das der Schiedsrichter übersieht, schreibt Winter. In diesem Falle sei es für den Schiedsrichter durchaus möglich, einen Videobeweis heranzuziehen und seine Entscheidung zurückzunehmen.

Die Italiener mit geschicktem Positionsspiel

Christian Eichler (FAZ) macht sich Sorgen um das (zu) knappe Ergebnis der Bayern. So habe sich der AC Florenz als Außenseiter eine „unerwartet gute Ausgangsposition für das Rückspiel in zwei Wochen erarbeitet.“ Die Bayern hingegen seien besonders in der ersten Halbzeit „spielerisch eher einfallslos“ gewesen, was vielleicht an den vorherigen Träumereien „von der Eroberung Europas“ lag. Auch das Halbzeitergebnis von 1:0 für die Münchner bewertet Eichler als „schmeichelhaft, denn außer einigen Verzweiflungsschüssen aus eher schlechter Position hatten die Bayern nichts halbwegs Gefährliches zustande gebracht. Bis zur ersten Bayern-Ecke vergingen 34 Minuten. Die Italiener hatten sich mit geschicktem Positionsspiel und präzisen langen Bällen auf ihre einzige Spitze, Alberto Gilardino, gut aus der Affäre gezogen.“ Zudem seien die langen Diagonalbälle vom neuen Sechser Bastian Schweinsteiger auf die „Strumpfhosenträger auf den Außenpositionen, Ribéry und Robben“ allesamt eine leichte Beute für die Fiorentina-Defensive gewesen.

„Bayern-Bonus“ gilt nicht

Die Analyse von Johannes Aumüller (SZ) sieht gänzlich anders aus. Begriffe wie „Bayern-Dusel“ oder „Bayern-Bonus“ lässt er für den gestrigen Sieg nicht gelten, da die Münchner für ihn „über weite Strecken das bessere Team“ waren. Es sei nie das Gefühl aufgekommen, dass die Bayern das Spiel verlieren könnten – nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass sich für die Fiorentina „außer dem aus einem Eckball resultierenden Gegentreffer kaum Tormöglichkeiten“ ergaben. Für den vergleichsweise blassen Auftritt von Robben und vor allem Ribéry macht Aumüller eine italienische Defensivreihe verantwortlich, „die gegen die Offensivreihen der europäischen Spitzenmannschaften Lyon und Liverpool in zusammengerechnet 360 Minuten lediglich zwei Treffer kassierte.“

Övrebö darf nicht mit zur WM

Jörg Hanau (FR) schaut in seinem Beitrag etwas genauer auf Schiedsrichter Övrebö, der nicht erst seit gestern Abend im Fokus der öffentlichen Diskussion steht: So sei er den Italienern bereits bei der EM 2008 sauer aufgestoßen: „Im Spiel gegen Rumänien verweigerte er erst einem Tor von Luca Toni wegen angeblicher Abseitsstellung die Anerkennung, später pfiff er einen umstrittenen Strafstoß gegen Italien. Danach war Schluss mit Pfeifen. Övrebö wurde im weiteren Verlauf der EM nicht mehr eingesetzt und darf auch nicht zur WM nach Südafrika.“ In der Champions League hat der Skandinavier auch außerhalb Italiens alles andere als gute Freunde: „Im Mai 2009 verwehrte er Michael Ballack und dessen FC Chelsea im Halbfinale gegen den FC Barcelona gleich mehrere Elfmeter. Chelsea schied aus, Barcelona triumphierte drei Wochen später im Finale von Rom.“

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