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Bundesliga

Sammer zögert – der HSV zittert

Matthias Nedoklan | Donnerstag, 20. Januar 2011 1 Kommentar

Eigentlich hätte alles so einfach sein können, wenn der HSV Matthias Sammer als neuen Sportchef vorgestellt hätte. Die Angelegenheit droht jedoch zur erneuten Blamage für den Verein zu werden

Jörg Marwedel (SZ) fragt sich, warum Matthias Sammer trotz grünem Licht aus dem HSV-Vorstand abwartet: „Sein Zögern überrascht insofern, weil aus Hamburg zu hören ist, die Verhandlungen für einen Dreijahresvertrag seien weit fortgeschritten. Zudem hat Sammer beim DFB nicht mehr den Einfluss, den er gern hätte, seitdem ihm Bundestrainer Löw die Befehlsgewalt über die U21 abspenstig machte. Beim HSV dagegen könnte er der starke Mann werden. Vorstandschef Bernd Hoffmann würde ihm zuliebe ein großes Stück Macht abgeben. Dadurch könnte der Boss, dem man oft nachsagte, keinen einflussreichen Mann neben sich zu dulden, seinen Job retten. Was passiert, wenn Sammer doch absagen würde? Dann wäre nicht nur der Neustart verhindert, sondern der Ruf des HSV noch mehr beschädigt. Schon die vergangenen Fahndungen nach einem Sportchef haben dem Klub manch selbst verschuldete Posse beschert.“ Mit dem öffentlichen Umgang mit der Personalie Sammer gehe der HSV das Risiko einer Blamage ein.

Jan Christian Müller (FR) blickt auf die Folgen eines Sammer-Abgangs beim DFB: „Tatsächlich wird es im Raum dann auch zumindest einen Mann geben, der alles andere als traurig darüber ist, dass es Sammer wegzieht aus dem Verborgenen der Verbands-Nachwuchsarbeit zurück ins Rampenlicht der Bundesliga: Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft, und sein ehemaliger Mannschaftskamerad Sammer sind zu unterschiedliche Typen, als dass sie je miteinander gekonnt hätten.“ Spätestens seit Löws Vertragsverlängerung wären Sammers Tage beim DFB gezählt gewesen.

Frank Heike (Tagesspiegel) sieht neben Sammer zwei weitere Profiteure: „Der stille Sieger des spektakulären Wechsels hielt sich mit Bewertungen zurück. Das konnte der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann auch guten Gewissens tun, denn beim HSV entscheiden die Aufsichtsräte über den Sportdirektor mit Sitz im Vorstand, nicht er. Dass er und Vorstandskollegin Katja Kraus aber hinter der Personalie Sammer stecken und nicht die Räte, ist jedem klar. In Sammer käme der Typ Sportbesessener, den Hoffmann auf dem Feld oft vermisst. Dass Hoffmann selbst bei einem Sportdirektor Sammer Macht wird abgeben müssen, schreckt ihn nicht, es verbessert seine Lage sogar. Noch bei der Mitgliederversammlung hatte Hoffmann gesagt, der HSV benötige mehr Fußballkompetenz. Mit Sammer und Trainer Armin Veh in der alleinigen Verantwortung für den Fußball könnten Hoffmann und Kraus wieder zu ihren Stärken zurückkehren und sich um die Vermarktung des Klubs kümmern.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Sammer zögert – der HSV zittert”

  1. Holger Mußwitz
    Donnerstag, 20. Januar 2011 um 13:28

    Ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, dass Sammer den HSV als Hebel beim DFB nutzt, um den Beweis der „Liebe“ des DFB zu erhalten. Wenn man ihn in Frankfurt in die Arme schließt, dann bleibt er beim DFB. Dort kann er Jahre für einen 6-stelligen Betrag arbeiten (oder kommentieren), beim HSV bekommt er max 7,5 Millionen VOR Steuer und danach ist alles offen. Sicherheit im Schoß des DFB – wie niedlich.

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