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Bundesliga

Gladbach jubelt, Bochum weint

Kai Butterweck | Freitag, 27. Mai 2011 Kommentare deaktiviert für Gladbach jubelt, Bochum weint

Borussia Mönchengladbach setzt sich in einer spannenden Relegationsrunde gegen den VfL Bochum durch und bleibt erstklassig. Die Presse adelt Lucien Favre und zollt den Bochumern Respekt

Philipp Selldorf (SZ) schmunzelt über Stefan Effenberg: „Der Fachmann Stefan Effenberg, Frontfigur und Spitzenkandidat der Opposition, hätte Favre selbstverständlich schon Monate vorher ins Amt gesetzt. Er hätte gewusst, dass der schweizerische Trainer im Handumdrehen die undichte Deckung reparieren, die verschütteten Qualitäten der Offensive freilegen und das kaputte Selbstbewusstsein der Elf instandsetzen würde. Das wird er den Mitgliedern am Sonntag auf der Jahreshauptversammlung sicher persönlich sagen. Womöglich sogar, weil er selbst davon überzeugt ist. Effenbergs blendendes Selbstbewusstsein lässt sowas zu.“

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Der Trainer passt, die Mannschaft ist gut besetzt

Daniel Theweleit (Berliner Zeitung) glaubt nicht an eine erfolgreiche Revolte: „Dass es Stefan Effenberg und seiner Initiative Borussia gelingt, auf der Jahreshauptversammlung die gegenwärtige Klubführung zu entmachten, ist nach dem Klassenerhalt kaum vorstellbar. Der Trainer passt, die Mannschaft ist gut besetzt.“

Andreas Morbach (FR) klopf Marco Reus anerkennend auf die Schultern: „Vor zwei Jahren holte Sportdirektor Max Eberl den torgefährlichen Mittelfeldspieler aus Ahlen zur Borussia. Nach einem verheißungsvollen ersten Bundesligajahr wurde der gebürtige Dortmunder, der am Dienstag 22 wird, in dieser Saison für die Favre-Elf fast unentbehrlich. Mit zehn Toren und neun Torvorlagen war er maßgeblich daran beteiligt, dass die gefühlt abgestiegenen Gladbacher es mit einem sagenhaften Schlussspurt überhaupt noch in die Relegation schafften.“

Das wird ein Spieler von Bayern München vermutlich niemals erleben

Philipp Selldorf (SZ) berauscht sich an den Emotionen der Relegation: „Mit Schmerzen war Reus ins Spiel gegangen, humpelnd verließ er das Stadion, aber die Einladung zur bevorstehenden Reise mit der Nationalelf wird er nicht ein drittes Mal ausschlagen, nachdem er schon zweimal hatte absagen müssen. Was bedeuten Schmerzen, wenn das Glück so groß ist? So eine Relegationsrunde ist zwar ein hartes Verfahren, aber für Fußballer ist sie ein einmaliges Erlebnis. Spiele wie in Bochum, bei denen das gesamte Publikum 90 Minuten klatscht, singt, brüllt und niemals an die Lachshäppchen in der Pause denkt, wird ein Spieler von Bayern München vermutlich niemals erleben.“

Gereon Detmer und Jan Reschke (Spiegel Online) lassen Lucien Favre hochleben: „Mit akribischer Arbeit und einem Gespür für taktische Feinheiten rettete der Nachfolger von Michael Frontzeck Borussia Mönchengladbach vor dem Abstieg, der am 22. Spieltag, nach dem Favre übernahm, kaum noch zu verhindern schien. Favre hat die Mannschaft behutsam verändert. Fast geräuschlos. Mit jedem Spiel näherte er sich seiner Idealformation. Dabei nahm er einige Wechsel vor, die für Aufregung hätten sorgen können. Taten sie aber nicht – weil sie sich als erfolgreich herausstellten.“

Gladbach braucht Veränderungen

Patrick Krull (Welt Online) fordert ein Umdenken in Gladbach: „Der Klub braucht Veränderungen. Das Mönchengladbacher Model mit einem mächtigen Herrscher und vielen Vasallen hat den Klub zwar saniert, sportlich aber nicht voran gebracht. Es wirkt mittlerweile wie ein Übrigbleibsel aus einer Zeit, als die Gladbacher noch Meisterschaften feiern konnten. Das war in den 70-er Jahren, als Vereinsklüngel dem Erfolg noch nicht im Wege stand. Heute aber ist neben wirtschaftlichem Verstand vor allem sportliche Kompetenz auf allen Ebenen nötig, um erfolgreich sein zu können. Daran hapert es in Mönchengladbach seit Jahrzehnten.“

Eine neue Erfahrung für Friedhelm Funkel und den VfL Bochum

Stefan Hermanns (Tagesspiegel) wundert sich über die zurückhaltende Einstellung der Bochumer: „Anders als die Ausgangslage es hätte vermuten lassen, traten die Bochumer defensiver auf als vor sechs Tagen in Mönchengladbach. Sie mühten sich zwar, schafften es aber nicht, aus dem Stand in den Offensivmodus umzuschalten. Und so endete diese Spielzeit für den VfL Bochum und Friedhelm Funkel mit einer ganz neuen Erfahrung: Ohne einander waren beide bisher immer im ersten Versuch in die Bundesliga aufgestiegen. Zusammen aber riss ihre imposante Serie – als hätte Plus mal Plus Minus ergeben.“

Frank Lamers (derwesten.de) hält große Stücke auf den Bochumer Trainer: „Diese Bochumer haben seit Jahren Respekt verdient. Egal, ob sie gerade abgestiegen, aufgestiegen oder mit einem Klopfer an der Bundesligapforte gescheitert sind. Man macht einfach aus den zur Verfügung stehenden Mitteln das Beste, also das, was aus diesen Mitteln ungefähr machbar ist. Und im Moment hat man sogar den idealtypischen Trainer für das ungefähr Machbare. Friedhelm Funkel. Einen Typen mit Eisenbiegercharme. Eine Art Gegenstück zum gefeierten, intellektuell, modern, scheu erscheinenden Gladbacher Lucien Favre.“

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