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Pokal, Penunzen & Politik

Erik Meyer | Mittwoch, 8. Februar 2012 9 Kommentare

Während beim DFB-Pokal ein besonderer Ball rollt, gewährt der FCB einen Blick in die Bilanz und die ARD-Sportschau könnte wieder einmal auf dem Spiel stehen.

Holstein Kiel hat gewonnen, konnte Sebastian Krause (SpOn) schon vor dem Spiel feststellen: „In diesem Jahr jährt sich zum hundertsten Mal die Meisterschaft von 1912. Normalerweise müsste ein Verein für ein Gastspiel eines Clubs wie des BVB eine sechsstellige Summe als Antrittsgeld bereitstellen. Stattdessen hat der Verein mit dem Erreichen des Viertelfinals schon jetzt rund zwei Millionen Euro eingenommen, wovon nach Abzug der Ausgaben wohl etwa 1,3 Millionen übrig bleiben werden – rund die Hälfte des Saisonetats.“

Die Süddeutsche hingegen glossiert nach dem Spiel nicht nur die Platzverhältnisse: „Oder die Sache mit dem ‚Pokal-Schreck-Ball‘, der für diesen Abend eigens vom Ausrüster bedruckt wurde. Auch keine schlechte Idee. Und so kam es also, dass der Dortmunder Ivan Perisic nun einen Ball mit ‚Pokal-Schreck‘-Schriftzug von links zurück in die (noch leicht angetaute) Feldmitte spielte, wo der ‚Pokal-Schreck‘-Ball von Sebastian Kehl weitergeleitet wurde zum schnellen Lukasz Piszczek auf dem rechten Flügel. Der ‚Pokal-Schreck‘-Ball flog weiter in den Strafraum, dort wartete schon Shinji Kagawa, und es war dann schon ein ziemlicher Schreck für die Kieler Pokal-Zuschauer, wie einfach Kagawa diesen Ball im Gehäuse der Heimmannschaft unterbrachte.“

Stefan Osterhaus (NZZ) würdigt eine finanzielle Wohltat: „Bisher nicht bekannt war, dass Hoeness auch im Verborgenen segensreich gewirkt hat, ja man kann sogar behaupten, dass er auch ausserhalb Münchens ein Meistermacher ist. Denn nach dem letzten Spieltag, der die Bayern die Tabellenführung kostete (zugunsten Dortmunds), gewährte Hoeness einen Einblick in die bayrische Buchhaltung – und förderte ein Detail zutage, das viele sprachlos machte. Denn Hoeness offenbarte, dass er der leibhaftige Retter der Dortmunder Borussia ist, die 2005 am Rand des Ruins stand“.

Ums Geld geht es auch ab Donnerstag, wenn die Einschreibefrist für die Vergabe der TV-Rechte endet. Roland Zorn (FAZ) sieht die DFL dabei am Drücker: „Das liegt auch daran, dass das Bundeskartellamt anders als im Jahr 2008 seine Zustimmung zur zentralen Vermarktung der Rechte nicht weiter an eine Ausstrahlung der Samstagnachmittagsspiele der Bundesliga vor zwanzig Uhr im frei empfangbaren Fernsehen koppelte. (…) Statt der institutionalisierten Fußballshow am frühen Samstagabend von 18.30 Uhr an könnte diesmal auch eine Internet-“Sportschau“ von 19 Uhr an zu sehen sein.“

Wolfgang Hettfleisch und Jan Chrstian Müller (FR) pflichten dieser Einschätzung mit Blick auf den DFL-Geschäftsführer bei: „Aus Sicht der Liga-Strategen könnte der Systemwechsel samt Tabubruch fast wichtiger sein als der kurzfristige Ertrag. Marketing-Experte Seifert hat sich in seiner gesamten beruflichen Laufbahn mit dem Rechtehandel befasst – und er würde sicher gern als der Mann gelten, der die Vermarktung in ein neues Medienzeitalter gehievt hat. Eines, in dem nichts so alt ist wie die User-Gewohnheiten von gestern.“

Christian Spiller (Zeit Online) resümiert am Beispiel recht unterschiedlicher Vorkommnisse „Wie mit Fußball Politik gemacht wird“:“Der Fußball bewegt die Massen und ist daher ein geeignetes Vehikel, Botschaften auszusenden oder Stimmungen zu beeinflussen. Fußball macht Politik. Und mit Fußball wird vor allem Politik gemacht. Die Mär vom unpolitischen Fußball wurde nicht erst vor wenigen Tagen in Ägypten ad absurdum geführt.“

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Kommentare

9 Kommentare zu “Pokal, Penunzen & Politik”

  1. breeze
    Mittwoch, 8. Februar 2012 um 15:29

    Was der Osterhaus da schreibt ist ja jetzt keine so ganz heisse neuigkeit….

    http://www.schwatzgelb.de/1562.html
    http://www.netzeitung.de/sport/bundesliga/321768.html

    Schwatzgelb ist leider ohne Datum, aber es gibt ein paar Uebereinstimmungen in den beiden Artikeln.

  2. breeze
    Mittwoch, 8. Februar 2012 um 15:32

    Und dazu ist der Artikel von ihm leider ziemlich boulevardesk und devot.
    Ist die NZZ immer so?

  3. Pumukel
    Mittwoch, 8. Februar 2012 um 17:35

    Das Bedauerliche am Journalismus:

    Es muss auch dann etwas geschrieben werden, wenn es eigentlich nichts zu sagen gibt.

  4. Edgar
    Donnerstag, 9. Februar 2012 um 23:35

    Das mit dem Bedrucken des Ball ist wirklich keine schlechte Idee. Es wird jedoch noch Fehlen, dass ein Sponsor diese Idee aufnimmt und der Ball von nun an auch weiter gesponsert wird, quasi „Ballsponsoring“. Aber da wird die DFL schon den Riegel vorschieben…

  5. Nixwisser
    Freitag, 10. Februar 2012 um 10:16

    „Aber da wird die DFL schon den Riegel vorschieben…“

    Die DFL wird das als neues Geschäftsmodell entdecken. Ich denke schon mit Graus an die neuen Buli-Verträge. Eins ist sicher: Es wird noch mehr Werbeunterbrechungen geben und die Spieltagsberichterstattung wird noch zerklüfteter werden. Prima.

    Nixwisser

  6. Manfred
    Samstag, 11. Februar 2012 um 01:30

    So lange das ganze nicht so endet wie beim Mimosenrugby aka American Football geht es ja noch: für 60 Minuten Nettospielzeit mal eben 3 Stunden oder mehr verrinnen zu lassen, darauf muß man erstmal kommen.

  7. Ingrid
    Samstag, 11. Februar 2012 um 21:53

    Bei fussball.de gab es letztens einen Bericht betr. Sportschau:
    http://community.fussball.de/de/thema/das-internet-bedroht-die-klassische-sportschau,12948722.html

    Bald wird es Bundesligafußball nur noch für die finanziell besser gestellten geben und viele werden sich immer mehr von diesem Kommerz abwenden und dann hoffentlich mal beim Fußballplatz nebenan vorbeischauen…

    Seit der Zerstückelung schaue ich jedenfalls viel weniger Spiele an.

  8. Ingrid
    Sonntag, 12. Februar 2012 um 17:06

    Bei dem oben verlinkten Beitrag im Forum von fussball.de hatte ich gestern folgenden Kommentar geschrieben:

    „Bundesliga für finanziell arme Bürger wird es bald gar nicht mehr geben. Ins Stadion kann man sowieso nicht, weil zu teuer und wenn es diese nicht mehr im Free-TV gibt, muss man sich eben vom Fussball zurückziehen bzw. so wie ich machen, mehr zum Amateurfußball gehen. Seit der Zerstückelung schaue ich schon wesentlich weniger Spiele. Was sagen die Sponsoren dazu, wenn ihre Werbung immer weniger Zuschauer im TV sehen?“

    Jetzt sehe ich gerade, dass Kommentar gelöscht wurde wie auch schon ein paar andere Kommentare die etwas kritisch, aber nicht beleidigend oder so waren.
    Da sieht man doch, wie wenig die Meinung gefragt ist und hinter fussball.de steht die Telekom und die lässt keine Kritik aufkommen.

  9. Dirk
    Montag, 13. Februar 2012 um 11:29

    Wenn schon harmlose Kommentare gelöscht werden …. beängstigend.

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