indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Champions League

Champions League – Danke, Bayern! Danke, Dortmund!

Kai Butterweck | Montag, 27. Mai 2013 2 Kommentare

Über 200 Millionen Fernsehzuschauer erfreuen sich an einem rasanten Spiel der beiden derzeit besten Bundesliga-Teams. Die Presse ist entzückt

In einem temporeichen Spiel hat der FC Bayern München am Ende die Nase knapp vorn. Ralf Wiegand (SZ) schiebt die Münchener am großen FC Barcelona vorbei: „Hätte Robben die Chance vergeben, die Bayern hätten zu historischen Verlierern mit drei Finalpleiten in vier Jahren werden können. Zu unwägbar wären Verlängerung und Elfmeterschießen gewesen. So aber, dank Robbens Tor, dienen sie von einem Moment auf den anderen als Blaupause für die führenden internationalen Klubs.  Die Bayern sind das neue Topmodel der Szene denn erst durch das 2:1 von Wembley ist die Wachablösung des FC Barcelona, den die Münchner im Halbfinale gedemütigt hatten, perfekt.“

Der Endspiel-Fluch ist gebrochen

Markus Lotter (FR) fällt vor Bayern-Coach Jupp Heynckes auf die Knie: „In dieser Nacht ist er nicht mehr der Verletzliche, sondern der Souverän, der aus einer sehr guten eine goldene Fußballgeneration gemacht hat. Das jedenfalls darf Mannschaftskapitän Philipp Lahm nach diesem Erfolg ohne Widerspruch behaupten. Der Endspiel-Fluch ist gebrochen. Und vielleicht geht es ja so weiter, vielleicht wird es was mit der von Bundestrainer Joachim Löw geführten Mission „WM-Titel 2014“. Jupp, der Altmeister, grüßt Jogi, den Unvollendeten, aus London, der Fußballhauptstadt der Welt.“

Rafael Buschmann (Spiegel Online) blickt voller Vorfreude in die Zukunft: „Der Verein aus München ist wirtschaftlich gesünder als jeder andere Club auf der Welt, die Marke FC Bayern expandiert mittlerweile selbst in die entlegensten Winkel der Erde. Bald ist auch die Allianz Arena abbezahlt, was noch mal einen zweistelligen Millionenbetrag für Neueinkäufe freimachen wird. Es könnte tatsächlich sein, dass der Champions-League-Titel nicht der Höhepunkt der vergangenen Jahre ist.“

Merkwürdig aggressiv

Nach dem Spiel präsentieren sich die Gewinner widerborstig. Andreas Rüttenauer (taz) zieht die Augenbrauen zusammen: „Nachdem sie das schwerste Spiel dieser ablaufenden Saison gewonnen hatten, fiel die Freude merkwürdig aggressiv aus. Es war, als wollten sie zeigen, dass ihnen „das Ding“ zusteht. Die trotzige Besitzerattitüde der Münchner nach ihrem eigentlich so grandiosen Sieg war eine Steilvorlage zum Fremdschämen. Das Finale hatte ein beinahe schon unwürdiges Nachspiel. Dabei hätte man mit den Bayern gerne einfach nur über dieses Spiel gesprochen, das vor allem in der ersten Halbzeit derart schnell war, dass das Zuschauen zum Staunen wurde.“

Christian Spiller (Zeit Online) bleibt die Spucke weg: „Dass diese Goldene Generation ihr Spiel genau an diesem Tag veredeln wollte, war in fast jeder Sekunde der Partie zu spüren. Die Intensität der Zweikämpfe war so hoch, dass der italienische Schiedsrichter Nicola Rizzoli drei Spieler vom Platz hätte stellen können, ohne dass er sich dafür hätte rechtfertigen müssen. Das Tempo war so irrwitzig schnell, dass man selbst auf der Tribüne aus der Puste kam. Überhaupt hätte es schon zur Halbzeit 3:3 stehen können, wenn sich Manuel Neuer und Roman Weidenfeller nicht entschlossen hätten, den Gastgebern aus England zu zeigen, wie gut Deutschland sein Torhüter-Handwerk beherrscht.“

Die Bayern sollten sich bei den Dortmundern bedanken

Michael Ashelm (FAZ) setzt das gesamte Dortmunder Team auf die Trainerbank der Bayern: „Bei aller Rivalität sollten sich aber die jubelnden Münchner beim Verlierer bedanken: Mit ihrem frechen, mitreißenden Stil, der in den vergangenen zwei Jahren zu zwei Meisterschaften geführt und die Schwächen der Münchner offenbart hatte, haben die Dortmunder mit zur Entstehung einer solch brillanten Bayern-Elf beigetragen.“

Benjamin Apitius (Tagesspiegel) reibt sich im Kinosessel verwundert die Augen: „Der Böse wartete bis zur letzten Minute und war so schrecklich böse, wie er es nur sein konnte. Wieder in prägender Gestalt von Arjen Robben. Wieder Mitten in das Herz einer schwarz-gelben Welt. Ein Filmende von einem Film, der keiner war. So hatte Jürgen Klopp das wohl nicht vorhersagen wollen. Und trotzdem, das ist gewiss, das Gute gegen das Böse, Bond gegen den anderen Typen, eine Fortsetzung folgt.“

Spagat zwischen Bundesliga und Europapokal erfolgreich gemeistert

Tim Röhn (spox.com) spendet den Verlierern Trost: „Dortmund hat erneut eine hervorragende Saison gespielt und auch im Endspiel der Königsklasse eine sehr gute Leistung abgeliefert. Für den BVB, der vor einigen Jahren noch am Boden lag, kann es keine Schande sein, nach zwei Meistertiteln in Folge dem derzeit alles überragenden FC Bayern – und nur dem! – national und international den Vortritt lassen zu müssen. Vielmehr kann sich der Klub darüber freuen, den Spagat zwischen Bundesliga und Europapokal erfolgreich gemeistert zu haben.“

Joscha Weber (dw.de) bedankt sich bei allen Beteiligten: „Hätte Reus doch getroffen, wäre Hummels doch energischer dazwischengegangen. Alles Konjunktiv, vorbei. Was am Ende stehen bleibt, ist ein Ergebnis, dass die Anzeigetafel im ehrwürdigen Wembley-Stadion nicht anzeigte: Beide Rivalen haben in diesem Finale gewonnen. Der FC Bayern natürlich das Offensichtliche: 8,5 Kilogramm Sterling-Silber in Form einer großen Vase, den Champions-League-Pokal. Und der BVB? Eine Menge internationaler Anerkennung, viel Erfahrung und vor allem: die Erkenntnis der eigenen Stärke.“

freistoss des tages

Kommentare

2 Kommentare zu “Champions League – Danke, Bayern! Danke, Dortmund!”

  1. augelibero
    Montag, 27. Mai 2013 um 23:30

    Selten ein so großartiges Finale gesehen! Beiden Mannschaften sind eine Freude!
    Dass jetzt in „hartaberfair“ ein Streitgespräch konstruiert wird, bestätigt mich darin, den Fernseher in der Sommerpause nicht anzumachen. Zu dieser ganzen Geld-Neid-Debatte muss man nur zwei Dinge sagen:
    1. Spitzensport funktioniert seit jeher mit Geld
    2. Jürgen, Klopp, Robert Lewandowksi, Neven Subotic, Sebastian Kehl sind MIT und FÜR viel Geld nach Dortmund gekommen

    Die David-Goliath-Geschichte ist doch nur PR-Storytelling. Gerade die „Underdogs“ (St. Pauli, etc.) vermarkten sich genauso professionell und umsatzstark wie Zigaretten- oder Whiskey-Marken.
    Ich freue mich auf die neue Saison und den Fußball beider Mannschaften. Wenn es wieder auf den Platz geht.

  2. Knappe Niederlage im Champions League Finale 2013: Borussia Dortmund – FC Bayern München 1:2 (0:0) > Borussia Dortmund > BVB, Champions League, Finale, Ilkay Gündogan, Saison 20122013, Wembley
    Dienstag, 28. Mai 2013 um 13:02

    […] Champions League – Danke, Bayern! Danke, Dortmund! (Indirekter Freistoß) […]

  • Quellen

  • Blogroll

  • Kategorien

  • Ballschrank

  • Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de
116 queries. 0,952 seconds.