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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Deutsche Elf

EM-Aus der U21: Bauchlandung statt Triumph

Kai Butterweck | Mittwoch, 12. Juni 2013 2 Kommentare

Bei der EM in Israel scheiden die DFB-Nachwuchskicker bereits in der Vorrunde aus. Die Presse ist beunruhigt

Michael Horeni (FAZ) findet harte Worte: „Von der schönen Hoffnung, diese Auswahl könnte wie ihre Vorgänger 2009 mit Neuer, Özil, Khedira, Boateng, Hummels und Schmelzer durch einen EM-Triumph auch zu einer Keimzelle des Erfolgs der Nationalelf werden, bleibt nicht mehr viel. Man kann es auch anders sagen: Das Prestigeprojekt des DFB hat Totalschaden erlitten – auf allen Ebenen.“

Wie in früheren Rumpelfußball-Zeiten

Bei Stephan Knieps (SZ) werden düstere Erinnerungen geweckt: „Wer das Spiel der Deutschen gesehen hat, muss diesbezüglich Schlimmeres befürchten: Es erinnerte zeitweise eher an die Vergangenheit als an die Zukunft. Deutschland schoss zeitweise plump lange und hohe Bälle nach vorne, reihte Fehlpässe aneinander wie in früheren Rumpelfußball-Zeiten. Erhöhten die Spanier das Tempo, keuchten die deutschen Spieler oft nur hinterher.“

Jan Christian Müller (FR) stellt reichlich Warnschilder auf: „Es war eine Lehrstunde in Sachen Technik, Passgenauigkeit, Tempofußball und Handlungsschnelligkeit, der den Verantwortlichen in DFB, DFL und Klubs eine Warnung sein sollte, die Qualität der Bundesliga im allgemeinen Hype um Bayern München und den BVB nicht zu überschätzen. Denn wahr ist ja auch, dass hinter den vom Franzosen Ribéry und vom Niederländer Robben geprägten Münchnern und den vom Polen Lewandowski angeführten Dortmundern in der Bundesliga eine beängstigende Kluft erkennbar ist, die sicher nicht geringer wird, wenn Spieler wie Emre Can, Jan Kirchhoff oder künftig wohl auch Sebastian Rode den Konkurrenten verlustig gehen und stattdessen bei den Bayern mutmaßlich bestenfalls Nebenrollen spielen.“

Es gibt keinen Grund, in Panik zu verfallen

Artur von Stein (derwesten.de) versteht die ganze Panikmache nicht: „Der Fairness halber muss man erwähnen, dass Adrion ohne Spieler wie Mario Götze, Julian Draxler, Andre Schürrle, Toni Kroos oder Ilkay Gündogan auskommen musste. Und allein die Auflistung dieser Ausnahmekönner belegt, dass es bei aller Enttäuschung überhaupt keinen Grund gibt, in Panik zu verfallen. Die aktuelle Nachwuchsarbeit des DFB ist sehr gut, punktuelle Verbesserungen schließt das natürlich nicht aus.“

Philip Sagioglou (ksta.de) sieht das ähnlich: „Der Deutsche Fußball-Bund hat beschlossen, dass die Junioren-Auswahl nicht wichtig genug ist, um einige Spieler nicht mit Joachim Löw auf USA-Reise zu schicken, sondern zur EM nach Israel. Insofern hat der Verband bekommen, was er bestellt hat. Und alles andere wäre ein Wunder gewesen.“

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Kommentare

2 Kommentare zu “EM-Aus der U21: Bauchlandung statt Triumph”

  1. Linkelf: Bloggerausschuss, behinderte Fußballer und Viagogo | Fokus Fussball
    Mittwoch, 12. Juni 2013 um 10:20

    […] dass es keine einheitliche Spielphilosophie von der U15 bis zur A-Nationalmannschaft gibt. Der indirekte Freistoß fasst nochmal alle Stimmen zum U21-Aus […]

  2. Hans Klemm
    Freitag, 14. Juni 2013 um 20:08

    Nein, die Presse braucht noch nicht beunruhigt zu sein!
    Vor gar nicht zu langer Zeit hat der DFB die vermeintlich Besten ihrer Altersgruppe bei dem Endturnier der Nachwuchs-EM auflaufen lassen. Damals gab es noch Respekt vor den Gegnern. Der unbedingte Wille, teilnehmen und möglichst siegen zu wollen, war bei diesen jungen Burschen unter der Leitung von Trainer H. Hrubesch immer zu sehen. Am Ende konnte auch verdientermaßen ein prächtiger 4:0 Endspielerfolg gegen England gefeiert werden!

    In diesem Jahr war bereits in der Einspielphase nach dem zweiten Spiel Schluss! Zuvor konnte man schon spüren, dass z. B. der Erst-Bezwinger, Holland, seinen U -21 Spielern gönnt, bei diesem Turnier noch einmal einen schönen und auch möglichst erfolgreichen Abschluss vom „Nachwuchs“ zu haben, wobei da schon über 10 Spieler bereits in der A-Nationalmannschaft ihres Landes kicken durften! Unser Trainer R. Adrion schien sich vornehmlich nach der Lust seiner zum Teil auch schon sehr erfahrenen Kandidaten richten zu müssen, denn mit einer „richtigen Truppe“ wäre man bestimmt noch wesentlich weiter gekommen.

    Im DFB scheint aber der „Nachwuchs“ nicht mehr die Aufmerksamkeit zu bekommen, die er einmal hatte. Das zeigen auch die Besetzungs-schwierigkeiten für den Chefposten, der nach Sammer und Dutt, nach beiderseits gewünschten vorzeitigen Trennungen, trotz vorhandener Langzeitverträge, derzeitig noch verwaist bleibt!

    Die scheinbar zu geringe Wertschätzung dieses Turnieres aus der Sicht der Deutschen hat sich in der Realität tatsächlich leider gerächt!

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