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Bundesliga

HSV – Rettung in letzter Sekunde

Kai Butterweck | Montag, 19. Mai 2014 2 Kommentare

Der Hamburger SV bleibt erstklassig. Eine Berliner Leihgabe und ein Torwart-Notnagel retten den Bundesliga-Dino vor dem Absturz in die zweite Liga

Nach einer völlig missratenen Saison zieht der Hamburger SV in allerletzter Sekunde den Kopf aus der Schlinge. Sonderlich beeindruckend waren die beiden Auftritte gegen aufopferungsvoll marschierende Fürther jedoch nicht. Benedikt Warmbrunn (SZ) bringt es auf den Punkt: „Am Donnerstag, im eigenen Stadion, hatte der HSV noch einmal all das gezeigt, was zu dieser elenden Saison geführt hatte: leichte Fehler, Unkonzentriertheiten, Unsicherheiten, ein ziemliches Durcheinander. Am Sonntag, in den 90 Minuten, in denen der HSV der zweiten Liga so nahe war wie nie zuvor, stand da immer noch keine Mannschaft auf dem Rasen, die beeindruckte. Aber eine, die kämpfte.“

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Es ist gerade nochmal gutgegangen

Christian Kamp (FAZ) atmet tief durch: „Es ist gerade nochmal gutgegangen, und man darf gespannt sein, ob man in Hamburg die Signale dieser Schreckenssaison nicht nur gehört, sondern auch wirklich verstanden hat. Erneuerung, ob mit oder ohne die Millionen des Unternehmers Klaus-Michael Kühne ist jedenfalls nötig, soll nicht alsbald wieder ein ähnliches Szenario drohen.“

Jörg Rößner (Welt Online) applaudiert in Richtung Hamburger Tor: „Mit jeder Parade, mit jeder abgefangenen Flanke wurde der Jubel größer und lauter. Die 20.000 Fans des Hamburger SV am Sonntagnachmittag beim Public Viewing des Relegations-Rückspiels in der heimischen Arena wussten sehr genau, bei wem sie sich nach dem Unentschieden und dem damit verbundenen Klassenerhalt bedanken durften: Jaroslav Drobny.“

Das Führungs-Trio sollte geschlossen zurücktreten

Jörg Runde (t-online.de) nimmt sich die HSV-Verantwortlichen abseits des Rasens zur Brust: „Wie man es dreht und wendet: Bei jedem Kreisligist, in welchem Dorf er auch angesiedelt ist, wird wohl professioneller gearbeitet als beim HSV in der jetzigen Besetzung. Dass Jarchow, Kreutzer und Slomka auch in der 2. Liga bleiben wollten und auch jetzt gern weiter werkeln würden, mag gut gemeint sein. Im Sinne der Fans und deren Wunsch nach Professionalisierung wäre das sicher nicht. Bevor das Führungs-Trio in ein paar Wochen bei der Mitglieder-Versammlung aus dem Amt geschubst wird, sollte es besser geschlossen zurücktreten. Und der komplette Aufsichtsrat gleich mit. Das wäre ein Signal für eine bessere Zukunft des Vereins.“

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Matthias Linnenbrügger (mopo.de) sortiert derweil auf dem Spielfeld aus: „Ab heute muss am Umbruch gearbeitet werden, der Kader braucht ein neues, frisches Gesicht. Der HSV muss sich trennen von den Spielern, die so viel kosten und so wenig leisten. Ob Adler, van der Vaart, Jansen,Westermann, Ilicevic oder Jirácek – verkaufen, verschenken! Sie wurden der Rolle als Leistungsträger und Führungskraft nicht gerecht, würden dem notwendigen Neuanfang nur im Wege stehen.“

Ende, Gelände

Ingo Scheel (stern.de) outet sich als Fan und schwitzt Blut und Wasser: „Beim Hinspiel hat Leidensgenosse Michael Tickets für eine Loge abgestaubt. Pannfisch und Schampus. Dann Bier. Dann wieder Schampus. Und mehr Bier. Nützt nichts. Neben uns steht Bernd Wehmeyer hinter der Scheibe. Fummel schaut das ganze Spiel allein und scheint ununterbrochen Selbstgespräche zu führen. Oder ist es das Knirschen seiner Zähne? Für das Rückspiel ziehe ich mich in den nüchternen Ruch der Redaktion zurück. Links und vor mir Werder-Fans, rechts St. Pauli. Irgendwo nebenan scheint das Fernsehbild früher da zu sein. Jemand jubelt schon, als ich noch zittere. Ende, Gelände. 27 Punkte. 0:0. 1:1. Der Dino hat überlebt. Ich hole mir ein abgelaufenes Becks aus dem Kühlschrank im Druckerraum. Nützt nix. Muss sein. Prost. Auf HSVplus.“

Unabhängig vom Ausgang des Duells zwischen dem HSV und der Spielvereinigung Greuther Fürth  macht sich die Zeit-Online-Redaktion Gedanken über die Daseinsberechtigung der Relegation. Christian Spiller (Zeit Online) zeigt mit dem Daumen nach unten: „Die zusätzlichen Spiele sind eine Idee der Besitzstandswahrer, ein beinahe elitäres Repressionsmittel. Eine Idee der Großen, um die Kleinen kleinzuhalten, um noch einmal eine letzte Chance zu bekommen, die eigentlich nicht verdient ist. Bis vor fünf Jahren wäre der Hamburger SV direkt abgestiegen, so wie es nach dieser Graupensaison auch angemessen gewesen wäre. Warum diese Partien eingeführt wurden? Sie bringen Geld. Sie sind ein Geschäft für die TV-Sender, Sponsoren, die DFL und die Vereine selbst. Doch was kommt als nächstes: Bundesliga-Playoffs wie im US-Sport? Ein Final Four? Ein Meisterschaftsfinale? Irgendwann ist auch mal gut.“

So sollte Fußballstimmung immer sein

Sein Kollege Oliver Fritsch (Zeit Online) hält dagegen: „Es sind Finals. Da geht es um alles oder nichts, da weiß man nach Abpfiff sofort, was Sache ist. Entsprechend ist die Atmosphäre. Die Stimmung in Hamburg war lange nicht mehr so mitreißend wie bei dem sportlich dürftigen 0:0 am Donnerstag. Die Fans auf den Stehplätzen sangen laut und lauter, die Fans auf den Sitzplätzen schrien stehend ihre Elf nach vorne, jede halbwegs gelungene Aktion bejubelten sie, Gegner und Schiedsrichter bekamen Pfiffe. Sogar nach dem Abpfiff machten die HSV-Fans weiter. So sollte Fußballstimmung immer sein, so ist sie in Deutschland viel zu selten.“

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Kommentare

2 Kommentare zu “HSV – Rettung in letzter Sekunde”

  1. van Kuchen
    Montag, 19. Mai 2014 um 10:28

    witzig, die Doppeldeutigkeit des von Jörg Rößner verwendeten Begriffes:
    Public Viewing heißt in England Leichenschau.

    schade, daß sich dieses ‚english for runaways‘ – englisch für Fortgeschrittene hier wohl durchsetzen wird

  2. lateral
    Donnerstag, 22. Mai 2014 um 10:32

    …für mich schon seit Adlers Verpflichtung unverständlich, wie sich ein Klassetorwart vom Format Jaroslav Drobnys beim HSV auf die Bank setzen kann! Weiß jemand, wie hoch sein Schmerzensgeld dafür ist?

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