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Bundesliga

HSV – Chaos Reloaded

Kai Butterweck | Dienstag, 16. September 2014 1 Kommentar

Nach der Niederlage gegen Hannover 96 entlässt der HSV seinen Trainer Mirko Slomka. Die Presse nimmt sich den Hamburger VIP-Bereich zur Brust

Trotz einer mündlichen Weiterbeschäftigungsgarantie vom Aufsichtsratsvorsitzenden trennt sich der HSV von seinem Trainer Mirko Slomka. Daniel Jovanov (goal.com) zeigt mit dem Finger auf Karl Gernandt: „Dass der Aufsichtsratsvorsitzende beim Thema Kommunikationspolitik nicht zum ersten Mal daneben greift, ist weniger fatal als die Tatsache, dass Herr Kühne und er die öffentliche Demontage  des Trainers noch vor dem Saisonstart eröffnet haben, womit, zurück gedacht, Slomkas Aus schon mit dem ersten Statement besiegelt war. Denn den Kampf gegen den Investor, Kühne ist kein strategischer Partner, das ist ein Märchen, konnte der 47-Jährige überhaupt nicht gewinnen. Kühne hatte Slomka in der Vorbereitung angezählt und einen „Toptrainer“ gefordert – die vermeintlich von außen herbeigeredete Unruhe ist eigentlich hausgemacht.“

#455429710 / gettyimages.com

Tuchel wäre sehr dumm

Einer der möglichen Slomka-Nachfolger ist Thomas Tuchel. Peter Ahrens (Spiegel Online) nimmt sich den ehemaligen Mainz-Coach zur Seite: „Die Frage ist: Wer tut sich solch einen Job, den HSV zu retten, tatsächlich an? Mit jedem Tag scheint Tuchel größer zu werden, der Übertrainer in Deutschland, selbst als Nachfolger für Joachim Löw beim DFB ist er im Gespräch. Er gilt als einer, der einen Krisenklub wie den HSV durch Handauflegen und das Schreiben eines Matchplans glorreichen Zeiten entgegenführen könnte. Tuchel wäre sehr dumm, sich diesen Ruf durch einen Job beim Hamburger SV zu zerstören. Er sollte auf den Anruf vom FC Schalke 04 warten.“

Auch Alexander Laux (abendblatt.de) blickt erzürnt in Richtung HSV-Ehrentribüne: „Man möchte den Trainer sehen, der in dieser Phase reüssiert hätte – angezählt von Investor Klaus-Michael Kühne noch vor dem ersten Training der Saison startete er mit der schweren Hypothek des allgemeinen Misstrauens. Jeder wusste: Bei der ersten Krise ist Slomka weg. Gerüchte um potenzielle Nachfolger wie Thomas Tuchel, der mit Vorstand Dietmar Beiersdorfer gut bekannt ist, machten die Runde. Da gehen Souveränität und vor allem Autorität schnell flöten, die wichtigsten Werkzeuge eines Fußballlehrers.“

Konzeptloses Auftreten

Jörg Marwedel (SZ) hingegen zeigt Verständnis für die Entscheidung: „Slomka hatte zu viel Kredit in Hamburg verspielt. Das liegt nicht allein an den letzten acht Bundesligaspielen, in denen der HSV einen mageren Punktgewinn erkämpfte. Auch nicht an dem neuen Minus-Rekord. Noch nie hatte der Klub so wie jetzt nach den ersten drei Saisonspielen kein Tor erzielt. Es hat eher damit zu tun, dass ein Konzept auch in Hannover kaum erkennbar war. Immer häufiger hieß es zudem im Umfeld, der Kontakt zu wichtigen Spielern sei gestört. Das sieht Slomka zwar anders, doch einige Profis, hieß es, würden nur noch die Augen verdrehen, wenn er anhand von Statistiken ihre Fehler aufzeige.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “HSV – Chaos Reloaded”

  1. Pumukel
    Dienstag, 16. September 2014 um 12:54

    Spiegel: Jeder wusste, dass es so kommen würde. Weil es beim Hamburger SV immer so kommt. Nur der Zeitpunkt war noch offen. Doch spätestens nach der Niederlage bei seinem Ex-Verein Hannover 96 muss auch Mirko Slomka klar gewesen sein, dass seine Zeit beim HSV abgelaufen war. […] Für HSV-Fans ist es mittlerweile eine Art Quizduell, aufzuzählen, welche Trainer den Verein in den vergangenen zehn Jahren trainiert haben und wer von diesem Klub verschlissen wurde. […] Die meisten dieser Trainer würden auch heute wieder als Slomka-Nachfolger zur Verfügung stehen – weil sie derzeit ohne Beschäftigung sind. HSV-Trainer gewesen zu sein scheint ein Killer-Kriterium für nachhaltige Anschlussjobs.

    Bild: Mit der Entlassung von Mirko Slomka geht eine erfolglose Ära zu Ende. Der frühere Hannover-Trainer holte mit Hamburg aus 16 Bundesliga-Spielen nur drei Siege (drei Unentschieden, zehn Niederlagen).​ Mit 0,75 Punkten pro Liga-Spiel hat Slomka nach Michael Oenning (0,64) die zweitschlechteste Bilanz aller HSV-Trainer mit mindestens 14 Spielen. In die neue Saison startete Slomka mit null Toren aus drei Partien. Der HSV ist trotz Neuzugängen für 26 Mio Euro Letzter.​

    Süddeutsche Zeitung: Ziemlich deutlich wurde beim erneuten Null-Punkte-Spiel am Sonntag in Hannover, dass Slomka der Mannschaft keine eigene Handschrift verpasst hat. Trotz Investitionen von rund 26 Millionen Euro konnte der Mathematik- und Fußballlehrer den erneuten sportlichen Absturz nicht aufhalten. Die Bestandsaufnahme der nackten Fakten in der Krisensitzung führte dazu, dass der Club, der bereits in der vorigen Saison drei verschiedene Trainer beschäftigte, erneut die Reißleine zieht.

    Hamburger Morgenpost: Die längste Vorbereitung aller Bundesligavereine und zahlreiche Neueinkäufe sollten dafür sorgen, dass in dieser Spielzeit alles anders wird. Der Blick auf die aktuelle Tabelle zeigt: Dieses Vorhaben ist gescheitert!

    Kicker: Für den 50-jährigen Beiersdorfer ging es um eine Grundsatzfrage: Traut er dem erfolglosen Trainer grundsätzlich noch die Wende zu? Oder überwiegen die Zweifel nach acht Ligaspielen mit nur einem Zähler? […] Längst war zu dem Heimkehrer durchgedrungen, dass es im Innenverhältnis zwischen Team und Trainer knirschte, obwohl Slomka das Gegenteil stets behauptete. Beiersdorfer wählte den Trainerwechsel als Ausweg aus der sportlichen und atmosphärischen Krise.

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