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Bundesliga

Nimmersatte Allesfresser

Kai Butterweck | Montag, 5. Oktober 2015 3 Kommentare

Der FC Bayern München ist nicht aufzuhalten. Selbst Tuchels Dortmunder haben dem Münchner Angriffswirbel nichts entgegenzusetzen. Außerdem: Berlin träumt von Europa, Hamburg am Boden, Schalke atmet ruhig und Köln feiert seinen Königstransfer

War’s das schon? Peter Hess (FAZ) ist sich sicher: Deutscher Meister wird nur der FC Bayern: „Eines muss man den Dortmunder Borussen zu Gute halten. Auch nach fünf Startsiegen hatten sie nie behauptet, die Bayern gefährden zu können. Was manche als Understatement abtaten, entpuppt sich als Realitätssinn. Nach acht Spieltagen liegen die Dortmunder schon wieder sieben Punkte hinter dem Rekordmeister, und der direkte Vergleich am Sonntagabend trug in einigen Phasen demütigende Züge.“

Die Jagd ist beendet

Danial Montazeri (Spiegel Online) winkt bereits ab: „Sieben Punkte Vorsprung hat der FC Bayern nun auf Dortmund, das dennoch erster Verfolger der Münchner bleibt. War das also schon die Vorentscheidung im Titelkampf? Kleines Zahlenspiel: Seit Guardiola die Bayern trainiert, holen sie im Schnitt 2,54 Punkte pro Ligaspiel. Macht nach 34 Spieltagen 86 Punkte. Um auf diese Zahl zu kommen, müsste der BVB aus den verbleibenden 26 Spielen noch 69 Punkte sammeln und damit erfolgreicher spielen, als es die Bayern tun. Machen wir’s kurz: Wenn kein Wunder geschieht, sichern sich die Münchner erneut den Titel. Die Jagd ist beendet. Nach acht Spieltagen.“

Stefan Hermanns (Tagesspiegel) begleitet Jerome Boateng bei dessen Assists-Spaziergängen: „Torvorbereitungen zählen nicht unbedingt zur Kernkompetenz eines Innenverteidigers. Aber wenn die Innenverteidiger auf der anderen Seite in ihrer Kernkompetenz – der Verteidigung des eigenen Tores – derartige Schwächen offenbaren, kann man auch als Abwehrspieler fleißig Scorerpunkte sammeln. Jerome Boateng bereitete gestern im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga seiner Bayern gegen Borussia Dortmund gleich zwei Tore vor – und das auf denkbar einfachste Weise. Mit zwei langen Bällen aus der eigenen Hälfte überwand er die Abwehr des BVB.“

Keiner soll sich was zerren oder brechen

In Berlin träumt man nach dem beeindruckenden Heimsieg gegen den HSV bereits von Europa. Paul Linke (Berliner Zeitung) zieht seinen Hut: „Froh waren sie bei Hertha zuletzt immer nur über Länderspielpausen, weil sie hofften, dass ihre Fußballweltreisenden mit einem Erfolgserlebnis zurückkommen, mit Selbstvertrauen im Gepäck, das sie sich daheim in Berlin selten erspielen konnten. Jetzt, mit vierzehn Punkten auf einem Europapokalplatz stehend, hoffen sie, dass alle das Selbstvertrauen mitnehmen, behalten und sich auf keinen Fall irgendwas zerren, reißen oder brechen.“

Peter Ahrens (Spiegel Online) schaut der Hertha derzeit gerne zu: „Hertha war in den vergangenen Spielzeiten immer eher eine Truppe der Handwerker gewesen, Fußball wurde gearbeitet, spielerisch war die Hauptstadt eher Provinz. Das hat der Ungar als Trainer verändert. Hertha siegt derzeit nicht nur, es ist auch noch hübsch anzusehen.“

Bemüht, aber bieder

Beim Gegner aus Hamburg hingegen geht wieder die Angst um. Auch Kai Behrmann (Welt) macht sich Sorgen: „Bemüht, aber bieder hatte der HSV versucht, das Defensivbollwerk der Berliner zu knacken – ohne Erfolg. Richtig bitter wurde es aber erst nach dem Seitenwechsel. Ein herber Rückschlag, der böse Erinnerungen an die katastrophale Vorsaison weckte. Und der all jene Fragen aufwarf, auf die anschließend keiner so recht die passenden Antworten parat hatte. Dass es dem HSV-Spiel am Punch in vorderster Reihe mangelt, war bekannt. Zumindest in der Defensive hatte sich das Team aber zuletzt stabilisiert. Umso unerklärlicher waren die letzten 20 Minuten in Berlin, als der Hamburger Hintermannschaft jegliche Ordnung abhanden kam.“

Es ist für Schalke nichts passiert

Trotz der Heimschlappe gegen Köln bleibt es in Gelsenkirchen ruhig. Manfred Hendriock (derwesten.de) weiß warum: „Schalke will sich in dieser Saison nicht mehr nur über Ergebnisse definieren, sondern über Leidenschaft, Kampf und Zusammenhalt. Ein knappes Viertel der Saison ist gespielt, und: es funktioniert. Wer dennoch zuerst auf die Ergebnisse und die Tabelle blickt, der stellt fest: Dortmund hat verloren, Wolfsburg hat verloren, Leverkusen hat zu Hause auch nur unentschieden gespielt. Es ist für Schalke nichts passiert: Außer einer Niederlage mit Applaus.“

Einer der größten Coups des Transfersommers

Derweil schwärmt Daniel Theweleit (Spiegel Online) von Kölns Anthony Modeste: „In den acht Bundesligapartien hat er nun schon sechs Mal getroffen, hinzu kommen drei Tore in Pokal, und in sieben der acht Ligaspiele war er an mindestens einem Tor beteiligt. Diesen Spieler für 4,5 Millionen Euro von 1899 Hoffenheim verpflichtet zu haben, ist einer der größten Coups des Transfersommers in der Bundesliga. Und viele Experten staunen darüber, dass der Abstiegskandidat aus dem Kraichgau diesen Fußballer für solch eine vergleichsweise kleine Summe ziehen ließ.“

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Kommentare

3 Kommentare zu “Nimmersatte Allesfresser”

  1. Charly
    Montag, 5. Oktober 2015 um 21:20

    Erstaunlich.
    Wo man auch hinschaut, die beiden Slapstick-Einlagen des BVB-Keepers zum 0:1 und 1:3 werden nicht thematisiert, obwohl diese dem BVB den Stecker gezogen haben. Vielleicht zuviel der Ehre, aber WM-Torwart Neuer hätte diese – offensichtlich tollen – langen Bälle vermutlich humorlos einkassiert oder unschädlich gemacht.
    Stattdessen redet man über Coaching-Fehler. Ich lache Hohn.

  2. Kai Butterweck
    Donnerstag, 8. Oktober 2015 um 05:20

    da ist was dran.

  3. Van Kuchen
    Montag, 9. November 2015 um 22:40

    tja, Bayern hat alle Gegner kaputt gekauft und marschiert einsam und alleine vorne weg.
    Schade, schade

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