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Champions League

FC Bayern – Triple der Tränen

Kai Butterweck | Mittwoch, 4. Mai 2016 1 Kommentar

Aus der Traum: Pep Guardiola und seine Bayern scheitern auch im dritten Anlauf. Nun hat der Rekordmeister nur noch zwei nationale Titel im Visier. Zu wenig für einen Erfolgscoach wie Guardiola? Die Presse ist gespalten  

In den drei Guardiola-Jahren stand der FC Bayern dreimal im Halbfinale der Champions League. Und dreimal zogen die Münchner am Ende den Kürzeren. Marco Seliger (Stuttgarter Nachrichten) klebt dem Bayern-Coach den „Gescheitert“-Button auf die Stirn: „Nun ist erneut das Halbfinale Endstation, weshalb der internationale Startrainer auf europäischer Ebene beim FC Bayern gescheitert ist. Was bringen Glanzauftritte in der Gruppenphase, wenn die Startruppe in den entscheidenden Situationen nicht ihre Höchstleistung abruft? Warum das so war? Der stilsichere Spanier hat es nicht geschafft, dass seine Mannschaft auf den Punkt da war, wenn es in der Champions League darauf ankam.“

Ziel nicht erreicht

Sarah Wiertz (dw.com) sieht es ähnlich: „Keinen wurmt das Ausscheiden wohl mehr als Pep Guardiola selbst. Er, der Taktik-Tüftler. Er, der Fußball-Philosoph. Er, der Disziplin-Fanatiker – zum dritten Mal hintereinander gescheitert. Das klingt hart, kann man aber so stehen lassen. Ob das Aus nun an der Aufstellung, der Spielphilosophie oder dem Ausfall eines Spielers festzumachen ist – das dürfen andere entscheiden. Fakt ist: Der FC Bayern München hat den Spanier eingekauft, um die Champions League zu gewinnen. Und in drei Jahren hat er dieses Ziel nicht einmal erreicht. Punkt.“

Marcel Schwamborn (express.de) geht sogar noch einen Schritt weiter: „Guardiola sollte als Nachfolger von Triple-König Jupp Heynckes das Spiel der Bayern auf eine weitere Ebene heben. Unter dem Strich bleiben zwar überzeugende nationale Siegesserien, Rekorde in Folge aber auch Erinnerungen an einen Übungsleiter, der permanent an der Seitenlinie hampelte, jeden Gesprächspartner abfällig behandelte und sich selbst mit Toptoptop-Lobhudeleien lächerlich machte.“

Guardiola sollte mit Grandezza verabschiedet werden

Harald Pistorius (noz.de) hingegen reißt den Button gleich wieder ab: „Erstens darf man zwischendurch durchaus mal fragen, ob Erfolg nicht auch an spielerischer Entwicklung und sportlicher Klasse sowie an der Art und Weise von Niederlagen zu messen ist. Zweitens darf die Bayern-Führung mal in sich gehen, ob man mit diesem Trainer vielleicht doch etwas anders hätte umgehen müssen, um ihn zu einem Langzeit-Trainer zu machen – was ja mal der Plan war. Die Bayern werden dieses Aus wegstecken und einen neuen Anlauf nehmen. Sie sollten Pep Guardiola jetzt mit derselben Grandezza verabschieden, mit der dieser außergewöhnliche Trainer in seinen drei Münchener Jahren aufgetreten ist.“

Auch Oliver Fritsch (Zeit Online) stellt sich hinter den Noch-Trainer: „Der FC Bayern war lange so überlegen, weil er auf seine größte Stärke zurückgreifen konnte, den kollektiven Systemfußball: kluges Positionsspiel, mit dem die Mannschaft ein druckvolles Übergewicht im Mittelfeld herstellt, den Ball laufen lässt und ihn stets schnell zurückerobert. Es waren die Pep-Stärken, die auch gegen Atlético zum Tragen kamen. Diese Mannschaft hat einen Stil, den ihr der Trainer vermittelt hat.“

Peter Ahrens (Spiegel Online) haut auf den Tisch: „Dieses Halbfinalrückspiel war einfach ein Fußballspiel, in dem der FC Bayern sehr unglücklich aus der Champions League ausgeschieden ist, obwohl er ganz stark gespielt hat. Nicht weniger, aber vor allem auch nicht mehr. Es hat sich dadurch nichts geändert. Bis auf die Tatsache, dass der FC Bayern und Josep Guardiola in diesem Leben vermutlich nicht mehr gemeinsam die Champions League gewinnen werden. Man kann darüber streiten, ob Guardiola und die Bayern ihren Ansprüchen nicht gerecht geworden sind, wenn sie drei Mal nacheinander den Sprung ins Endspiel verpassen. Und „nur“ drei Mal am Stück Meister werden. Aber diese Partie zum Kulturkampf im Fußball zu stilisieren, wäre vollständig verfehlt.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “FC Bayern – Triple der Tränen”

  1. Mathias
    Montag, 16. Mai 2016 um 02:45

    Das 2. Halbfinale war ein kurzweiliges und spannendes Spiel.

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