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Bundesliga

RB Leipzig versus S04 – Ein „Flug“, ein Pfiff, ein Aufschrei!

Kai Butterweck | Montag, 5. Dezember 2016 4 Kommentare

Nach der Schwalbe von Leipzigs Timo Werner im Spiel gegen den FC Schalke 04 fordert ein Teil der Presse weitreichende Konsequenzen

Bereits nach einer Minute kochen im Spiel zwischen Leipzig und Schalke die Emotionen über. Der Grund: ein geschundener Elfmeter von Timo Werner. Pit Gottschalk (derwesten.de) kommt mit einem Strafenkatalog um die Ecke: „Der Verband muss entscheiden, welchen Wert er dem Fairplay-Gedanken beimisst. Immer wieder appelliert der DFB an die Vorbildfunktion für Kinder- und Jugendsport. Das lässt nur den einen Schluss zu: Werner wird vorübergehend gesperrt. Fußballprofis bekommen nur so ein Gespür dafür, was richtig ist und was falsch. Schonungslos darf der DFB auch nicht mit Schiedsrichter Bastian Dankert sein. Wer den Anspruch auf das Schiedsrichterwesen erhebt, muss an der Pfeife Spitzenklasse erwarten und Fehlleistungen ahnden dürfen. Dankert hätte den Betrugsversuch sehen müssen. Hat er aber nicht. Also bleibt dem DFB keine Wahl: Wenn seine Gerichtsbarkeit auf dem Rasen ernstgenommen werden soll, muss er Dankert eine Kunstpause verordnen.“

Der Betrogene von heute kann morgen selbst der Betrüger sein

Stefan Hermanns (Tagesspiegel) hingegen nimmt den Schiedsrichter in Schutz: „Der Betrogene von heute kann morgen selbst der Betrüger sein – das ist das stillschweigende Einverständnis im deutschen Profifußball. Insofern ist es sehr erfreulich, dass die betrogenen Schalker am Samtag nach der Niederlage gegen Rasenballsport Leipzig durch die Schwalbe von Timo Werner nicht nur reflexartig auf den Schiedsrichter verwiesen (Hätte er den Übeltäter nicht fragen müssen? Hat er Werners Geständnis überhört?); die Schalker haben vor allem den Betrüger selbst attackiert. Und das vollkommen zu Recht: Denn ohne Werners Missetat hätte Schiedsrichter Dankert schließlich gar nicht falsch entscheiden können.“

Oskar Beck (Welt) nimmt’s, wie gewohnt, mit Humor: „Salman Rushdie, der ein großer Fußball-Freund ist, hat die Problematik einmal mit dem unbezahlbaren satanischen Vers gewürzt: „Schwalben im Strafraum, um das Spiel zu beeinflussen, sind so etwas wie ein Taschenspielertrick, aber gute Schwalben sind große Kunst. Eine gute Schwalbe ist wie ein Lachs, der hochschnellt, sich dreht und ins Wasser zurückfällt. Eine gute Schwalbe ist wie das Sterben des Schwans.“ Bei Timo Werner ist der Weg bis dahin noch weit. Zumindest sollte er sich bei Hölzenbein oder Völler schleunigst erkundigen, wie man den Körperkontakt sucht oder sich fachgerecht einhakt. Das war schlampig am Samstag.“

Sebastian Fischer (SZ) „wühlt im Dreck“: „Der geschundene Elfmeter ist eher ein Argument für kompromisslosen Leipziger Ehrgeiz als für Leipziger Glück: RB kann nicht nur Pressing nach der strengen Lehre von Ralf Rangnick, sondern auch mal ein schmutziges Tor erzielen – und das hinterher versiert schönreden. Rangnick etwa ließ keine Gelegenheit aus, die harte Spielweise der Schalker zu geißeln, wenn es um Werners Schwalbe ging. Eine Strategie, die in München nicht unbekannt ist, wenn Arjen Robben mal wieder aus Versehen stolpert.“

Julian Ritter (Zeit Online) wundert sich ein bisschen: „Ab und zu gibt es in der Bundesliga eine einzelne Aktion, die einen ganzen Spieltag überstrahlt. Mal ist es ein Foul, mal ein Handspiel, mal etwas anderes. An diesem Wochenende richtet sich die Aufmerksamkeit auf Timo Werner, der das Gras im Leipziger Strafraum wohl mal riechen wollte. Hätte er persönlich eine Jahresration von Ampullen bei der Freiburger Uniklinik bestellt und die Rechnung aus seiner schwarzen Kasse über eine Briefkastenfirma in der Karibik bezahlt, wäre er sicherlich weniger angefeindet worden.“

Her mit der Hilfe von oben

Christian Kamp (FAZ) fordert den Videobeweis: „Ganz unabhängig vom konkreten Fall wäre es geboten, sowohl die Schiedsrichter als auch die Spieler von der Bürde solcher Ad-hoc- Befragungen zu befreien. Hinter der moralischen Grenzerfahrung, die sich daraus mitunter ergibt, und über die man von außen nicht allzu leichtfertig urteilen sollte, verbirgt sich nämlich noch eine andere: die der eigenen Wahrnehmung. Auch die kann subjektiv richtig sein, objektiv aber auf die falsche Fährte führen. Für all das kann es nur eine Antwort geben: Her mit der Hilfe von oben. Nicht, dass es am Ende heißt, eine Mannschaft habe ihren Platz an der Sonne einer solchen zu verdanken. Das nämlich hätten diese forschen Sachsen gar nicht nötig.“

David Kreisl (spox.com) schließt sich an: „Es war letztlich ein unwürdiges Spektakel, ein überflüssiger Eiertanz gegenseitiger Schuldzuweisungen, ein Kindergarten, den man hätte verhindern können. Zum Beispiel durch das Unterlassen der unverschämten Schwalbe. Ganz sicher aber durch den Videobeweis.“

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Kommentare

4 Kommentare zu “RB Leipzig versus S04 – Ein „Flug“, ein Pfiff, ein Aufschrei!”

  1. Charly
    Montag, 5. Dezember 2016 um 22:29

    Danke Herr Butterweck.

    Oskar Beck mit angenehmer Ironie, Zeit Online mit zulässigen Vergleichen, einiges solala,der Rest ist Pit Gottschalk, Thomas Helmer und Patrick Wasserziehr, if you know what I mean.

    Sportjornalism under pressure. Man spürt die Angst und erahnt den Untergang, der mit feister Cleverness überspielt werden soll.
    Wird nicht klappen. Believe me. Eventuell hilft social media. Da findet man immerhin W.M.Straten.

  2. Charly
    Sonntag, 11. Dezember 2016 um 22:58

    Ergänzung um 5 vor 12:
    Eine wohltuende und reale Möglichkeit, dem Untergang zu entgehen,besteht imho für J darin, sich knallhart von der Masse abzusetzen, in Fragen des Stils, der Wesensart, der Ausdrucksweise und der Kommunikation. DoPa und Sky90 fallen dann weg.
    Meinung statt Schrei nach Anerkennung und Klicks, Souveränität und Courage statt Anbiederung an den Mainstream, Mehr- und Minderheiten nicht beachtend. Aber J sind auch nur wie Du und ich, nicht wahr? Sie fragen, wer ist J? Da kann ich nicht weiterhelfen.

  3. Van Kuchen
    Dienstag, 13. Dezember 2016 um 17:52

    Tja, wenn die Spieler nicht ehrlich sind, dann erlaube ich mir die Frage, woran das liegen kann im Kapitalismus, wo so viel gelogen wird.

  4. lisa
    Montag, 19. Dezember 2016 um 15:11

    lisa

    RB Leipzig versus S04 – Ein „Flug“, ein Pfiff, ein Aufschrei! | indirekter freistoss

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