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Bundesliga

Bayern demontiert Leipzig – Ein Triumph des Trainers

Kai Butterweck | Donnerstag, 22. Dezember 2016 1 Kommentar

Beim Bundesliga-Gipfeltreffen lassen die Bayern der Konkurrenz aus Leipzig nicht den Hauch einer Chance. Außerdem: Das Aus von Andre Schubert, Freudentänze in Frankfurt und erste Sonnenstrahlen über Hamburg

Im Spitzenspiel der Bundesliga rückt der FC Bayern München die Machtverhältnisse wieder gerade. Leipzig ist mit drei Gegentoren noch gut bedient. Claudio Catuogno (SZ) gratuliert dem Rekordmeister: „Beim FC Bayern haben sie den klaren Sieg natürlich als eine Art Wiederherstellung der alten Herrschaftsordnung empfunden, sie haben jetzt mal wieder allen klar gemacht, wer Herr und wer Hündchen ist in der Tabelle. Ein 3:0 gegen den ersten Herausforderer, damit geht man gleich viel selbstgewisser in die Weihnachtsferien. Es war eine Kombination aus Anpassung und Kontinuität.“

Es war Ancelottis Sieg

Andreas Werner (merkur.de) verneigt sich vor Carlo Ancelotti: „Man begann schon, sich leise zu fragen, ob diese Münchner schneller in die Jahre kommen als gedacht. Doch es wäre schon auch ein hartes Urteil gewesen, über dieser Mannschaft den Stab zu brechen, und diese Bedenken schossen die Bayern mit Genuss und frisch aus den Köpfen der Menschen. Einer der größten Gewinner dabei hieß Carlo Ancelotti. Es war das erste Mal, dass der Trainer-Routinier zeigte, wie viel er von seinem Fach versteht. Es war sein Sieg, alle seine Züge sind aufgegangen.“

Auch Christof Kneer (SZ) steht applaudierend vor der Münchner Trainerbank: „Pep Guardiolas Bayern haben den Gegner gerne überrascht. Die Bayern haben manchmal mit einer Dreierkette begonnen, die sich bei näherem Betrachten als Viererkette herausstellte, und kaum hatte man das nähere Betrachten abgeschlossen, war die Vierer- schon wieder eine Dreierkette. Guardiolas Bayern waren bei gegnerischen Trainern wegen ihrer Unberechenbarkeit gefürchtet, für Carlo Ancelottis Bayern galt bislang eher das Gegenteil. Man wusste etwa, wie sie spielen und aussehen würden auf dem Platz – bis zu diesem spektakulären Mittwochabend.“

Uwe Berndt (web.de) pickt sich zwei Gewinner des Abends heraus: „Man lehnt sich wohl nicht zu weit aus dem Fenster mit der Behauptung, Ancelotti wäre diese Aufstellung und Spielausrichtung seiner Mannschaft mit Karacho um die Ohren geflogen, hätte Leipzig in München etwas mitgenommen. Aber dass RB noch nicht einmal in Reichweite kam, um etwas mitzunehmen, lag in erster Linie an: Alonso und Thiago.“

Jens Bierschwale (Welt) klopft den Verlierern auf die Schultern: „Es ist an der Zeit, das Mäzenatentum in der Liga einer genauen Prüfung zu unterziehen. In Zeiten, da Klubs von Hamburg über Wolfsburg bis nach Hoffenheim finanziell von Gönnern gepampert werden, klingt Kritik an solchen Modellen vor allem nach Neid aus der reaktionären Ecke. RB Leipzig hat wie schon vor acht Jahren die TSG 1899 Hoffenheim eindrucksvoll bewiesen, dass mit dem Blick für Talente und einem forschen Spielstil Debatten über Geldgeber schnell verblassen können.“

Schubert ist nicht Favre

Kurz vor dem Weihnachtsfest steht André Schubert ohne Job da. Warum? Ulrich Hartmann (SZ) erklärt: „Nach viereinhalb tollen Jahren mit Trainer Lucien Favre hätten die Gladbacher gern auch viereinhalb tolle Jahre mit Schubert erlebt. Aber Schubert ist nicht Favre. Er konnte eine angeschlagene Elf weniger gut stabilisieren. Er konnte zweifelnden Spielern weniger Selbstvertrauen einflößen. Und er konnte Fußballer nicht in dem Maße besser machen wie sein Vorgänger.“

Michael Horeni (FAZ) bereitet der Ist-Zustand der „Fohlen“ große Sorgen: „Von der Borussia, die mit Taktik und Tempo selbst die Guardiola-Bayern vor unlösbare Rätsel stellte, ist im Winter 2016 nichts mehr übrig geblieben. Aus einer Mannschaft, die ein paar Jahre lang ganz viel Zukunft verhieß und in die Champions League stürmte, ist ein mut- und ideenloser Bundesliga-Mitläufer geworden, der sich als Vierzehnter schon besorgt nach den Abstiegsplätzen umdreht.“

Benjamin Wahlen (spox.com) schließt das Schubert-Kapitel wie folgt: „Schlussendlich muss man feststellen, dass Schubert im verbissenen Bestreben, sich von seinem großen Vorgänger zu emanzipieren, nicht nur zu viele Ideen hatte. Er versuchte auch, zu viele davon in zu kurzer Zeit mit dem Holzhammer durchzusetzen und nahm seinen möglicherweise sogar guten Ansätzen damit die Möglichkeit zu einer konsistenten Entwicklung. Bei einem Verein, der seit fünf Jahren auf einem konstant guten Niveau spielte und ein sicherer Kandidat für die internationalen Plätze war, ist weniger aber oftmals mehr.“

Die Welt steht Kopf

In Frankfurt freut man sich über eine beeindruckende Vorrunde der Eintracht. Ingo Durstewitz (FR) jubelt am lautesten: „Die Hessen sind zweifelsohne die größte Überraschung des Fußball-Oberhauses – vom Fast-Absteiger zum Champions-League-Anwärter binnen sieben Monaten. Die Welt steht Kopf, sie ist gar ein bisschen aus den Fugen geraten. Die Leistung der Eintracht ist nicht hoch genug zu bewerten, sie nötigt allen Experten und Fachmännern höchsten Respekt ab, ehrliche, aufrichtige Wertschätzung.“

Gisdol hat seinen Geschäftsbereich in Schuss

Auch über dem Hamburger Volksparkstadion blinzelt nach langer Zeit mal wieder die Sonne durch. Frank Heike (FAZ) nennt den derzeit hellsten Stern am HSV-Himmel beim Namen: „Markus Gisdol hat sich ferngehalten vom chaotischen Alltag in der Vereinsführung. Er hat ihn hier und da in Hamburger Medien mal vorsichtig oder süffisant beschrieben, auch, um die Komplexität der eigenen Aufgabe hervorzuheben. Zwischen die Fronten ist er dabei nicht geraten. Und auch bei den Umbauten in der Mannschaft ist Gisdol keinem allzu hart auf den Fuß getreten. Der Geist stimmt in der Mannschaft, die Punktausbeute der vergangenen Spiele könnte Basis einer Aufholjagd sein. Seinen Geschäftsbereich hat Gisdol in Schuss. Wie es um die HSV Fußball AG bestellt ist, steht auf einem anderen Blatt.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Bayern demontiert Leipzig – Ein Triumph des Trainers”

  1. Charly
    Donnerstag, 29. Dezember 2016 um 23:12

    Schön zu lesen:

    BAY schlägt RBL = Carlo Superstar.
    GLA entlässt Schubert = überfällig.
    Gisdol rockt den HSV = unfassbar!

    Mal schauen, was mir Mitte Februar und Ende Mai angedient wird.

    Bis dahin wird man auf die Tabelle gucken und mir die wöchentlichen Dramen vermitteln, die auch mein Goldstirnsittich in seinem Repertoire hat. Ist das so gewollt?

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