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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Die gelbe Wand bleibt grau

Kai Butterweck | Mittwoch, 15. Februar 2017 ohne Kommentar

Nach dem Schmähbanner-Skandal in Richtung Leipzig bleibt die Südtribüne beim nächsten BVB-Heimspiel gegen Wolfsburg leer. Aber reicht das aus?

Beim kommenden Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg muss der BVB auf seine treuesten Anhänger verzichten. Benjamin Kuhlhoff (11Freunde) hätte sich über eine kunterbunte Lösung des Problems gefreut: „Nun stelle man sich mal vor, die Südtribüne bliebe am Samstag nicht leer, sondern wäre gefüllt mit aufgedrehten Kindern, die sonst wohl kaum die Möglichkeit hätten, ein Spiel auf der magischen Südtribüne zu verfolgen. Der Puls des BVB würde wieder schlagen. Laut, bunt, friedlich. Auch diese Bilder würden um die Welt gehen und zeigen, zu was das Westfalenstadion, der BVB und der Fußball in der Lage ist. Es wäre zudem ein Zeichen an all die Idioten, die am Ende dafür verantwortlich sind, dass knapp 25.000 Menschen am Samstag der Südtribüne fernbleiben müssen. Ein Zeichen, dass es auch ohne sie geht. Auf und außerhalb des Stadions.“

Sebastian Weßling (derwesten.de) begrüßt die Entscheidung des BVB, das Urteil des DFB nicht anzufechten: „Borussia Dortmund konnte kaum anders: Hätte der Verein abgelehnt, die Südtribüne für ein Spiel sperren zu lassen, hätte er in der momentan aufgeheizten Stimmung dagestanden als Klub, der es gutheißt, wenn seine Fans auf Frauen und Kinder losgehen. Bei differenzierter Betrachtung hat das eine mit dem anderen zwar wenig zu tun, aber auf differenzierte Betrachtung kann man sich bei dem Thema eben nicht verlassen.“

Der deutsche Fußball beruhigt sein Gewissen

Oliver Müller (Welt) nimmt sich die DFB-Verantwortlichen zur Brust: „Mit dem Sperren der Südtribüne beruhigt der deutsche Fußball sein Gewissen. Frei nach dem Motto: Wir haben hart durchgegriffen. Doch ob diese Maßnahme etwas zur Lösung der Probleme beitragen wird, darf bezweifelt werden. In jedem Fall wird es ein trauriges Bild für den deutschen Fußball abgeben, wenn die größte Stehplatztribüne Europas leer bleiben wird. Bleibt zu hoffen, dass diese Symbolik vielleicht ein Umdenken unter gewaltbereiten Fans bewegen wird. Doch Zweifel sind leider angebracht.“

Johannes Graf (augsburger-allgemeine.de) fordert härtere Strafen: „Klubs müssen Grenzen und Zeichen setzen, müssen Rufschädiger zur Rechenschaft ziehen, müssen den Staat stärker unterstützen und müssen ihre sozialen Aktivitäten im Problemviertel intensivieren. Zwingend erforderlich sind zudem härtere Strafen. 100 000 Euro wegen schändlicher Spruchbänder schmerzen einen Champions-League-Achtelfinalisten wie den BVB nicht. Ebenso wenig wie die leere Südtribüne – schließlich verbleiben 57 000 Zuschauer. Friedfertige Stadiongänger pauschal auszuschließen, wirkt ungerecht, ist jedoch nötig, um Zivilcourage zu fördern. Schweigen und Duldung bestärken Minderheiten in ihrem Tun.“

Mangelnde Zivilcourage

Anno Hecker (FAZ) zeigt noch einmal mit dem Finger auf ALLE Gäste der Südtribüne: „Mehr als hundert der überwiegend würdelosen Plakate prägten für eine bestimmte Zeit das hasserfüllte Bild der gesamten Tribüne. Niemand auf der Südtribüne machte sich erkennbar daran, dagegen vorzugehen. Und der Verein unterließ es, sich sofort zu distanzieren. Dabei ruft doch ein geschulter Stadionsprecher die Fans meist schon zur Ordnung, wenn nur ein Raketchen in den Himmel steigt. Alles geschehen lassen, sich nicht zu rühren, nicht einmal als Hausherr die Stimme zu erheben, wenn die Würde des Menschen angetastet wird, das zeugt von Charakterschwäche im entscheidenden Moment auf allen Ebenen: von mangelnder Zivilcourage.“

Peter Ahrens (Spiegel Online) tadelt die BVB-Obrigen: „Dass der Verein danach vier Tage Zeit gebraucht hat, um die Sperre zu akzeptieren, obwohl es die einzig vernünftige Entscheidung in dieser Situation ist, spricht dafür, dass in der Geschäftsführung der Ernst der Lage erst langsam erkannt wird. Durch die Ereignisse gegen Leipzig hat der Verein einen Imageverlust erlitten, der nachhaltig sein dürfte. Der Sympathiebonus, den der BVB über Jahre problemlos bei Fußballfans außerhalb Gelsenkirchens abrufen konnte, verflüchtigt sich.“

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