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Bundesliga

FC Bayern – Oldies but Goldies

Kai Butterweck | Montag, 10. April 2017 2 Kommentare

Im Liga-Spitzenspiel lassen die Bayern völlig überforderten Dortmundern nicht den Hauch einer Chance. Außerdem: Freiburger Köpfe und ungewollter HSV-Ersatz

Mit vier Gegentreffern sind die Dortmunder in München am Ende noch gut bedient. Oliver Fritsch (Zeit Online) bringt das Präsentierte auf den Punkt: „Die Bayern-Elf ist in die Jahre gekommen. Lahm und Alonso werden in zwei Monaten keine Berufsfußballer mehr sein, Ribéry und Robben hören vielleicht ein Jahr später auf. Die vier sind der Kern eines Teams, das in den vergangenen fünf bis sieben Jahren viel gewonnen hat. Nun, in der Schlussphase dieser Ära, wirkt diese Mannschaft zu letzten Großtaten entschlossen. Ein Gegner wie die Dortmunder Talentekollektion ist einem solchen Gegner nicht gewachsen.“

Bayern spielt in einer anderen Liga als Dortmund

Florian Kinast (Spiegel Online) findet sogar noch deutlichere Worte: „Der FC Bayern spielt in einer anderen Liga als Borussia Dortmund. Wer das nicht wahrhaben wollte, musste sich nur dieses ungleiche Duell ansehen – dieses zwar immer wieder gern gesehene und als deutscher Clásico titulierte Aufeinandertreffen, das aber an Brisanz enorm verloren hat. War Dortmund nicht mal ein echter Gegner für die Bayern? Waren die mal nicht auf Augenhöhe und erbitterte Konkurrenten, die gern schon vor den Spielen gegeneinander stichelten? Sicher, das Hinspiel hatte der BVB 1:0 gewonnen, doch am Samstag waren die Dortmunder nicht mehr als ein dankbarer Aufbaugegner für das Duell mit Real Madrid.“

Philipp Köster (stern.de v) applaudiert in Richtung Bayern-Bank: „Carlo Ancelotti muss niemandem mehr etwas beweisen. Und er kann mit Stolz auf seine Mannschaft verweisen, die er nach seinen Vorstellungen neu modelliert hat. Er hat ein Team, das über Jahre auf Pep Guardiolas bisweilen etwas eindimensionalen Ballbesitzfußball eingeschworen worden war, variabler gemacht hat. Wie sehr, zeigte das Spiel gegen Dortmund, wo das Team mal dominant auftrat und bis an die Strafraumkante beeindruckend rasant kombinierte, aber auch immer wieder blitzschnell die Lücken im Dortmunder Verbund zum Kontern nutzte.“

Manuel Bonke (tz.de) ist verliebt: „Wie zwei junge Hüpfer spielen Franck Ribéry (34) und Arjen Robben (33) auch im hohen Fußballer-Alter die Gegenspieler auf den Außenbahnen schwindelig. Das mussten am Wochenende die jungen Wilden aus Dortmund am eigenen Leib erfahren. Die Botschaft war deutlich: Dieses Oldie-Duo ist schlichtweg nicht zu ersetzen!“

Tuchels Aussagen verwundern

Oliver Müller (Welt) wundert sich über Tuchels Worte nach dem Spiel: „Auch in der besten Aufstellung und in der besten Verfassung wäre der BVB in München Außenseiter gewesen, erklärte er. Diese Aussage verwundert. Sie mag gemessen an dem großen Potenzial der Bayern durchaus stimmen, aber dies öffentlich so zu äußern, ist ein falsches Signal – für den deutschen Fußball und für den BVB, der am 26. März zum Halbfinale im DFB-Pokal wieder in München antreten muss.“

Marian Laske (derwesten.de) schlackern ebenfalls die Ohren: „Trainer Thomas Tuchel lieferte seiner Elf schon vor Partie durch ungewohnte Tiefstapelei ein Alibi und wiederholte dies auch nach dem Schlusspfiff. „Alles andere als diese Dominanz und dieses Ergebnis hätten mich überrascht“, meinte Tuchel. Worte, die überraschen. Schließlich hat der BVB den Anspruch, sich als zweite Kraft im deutschen Fußball zu positionieren. Und die Schwarz-Gelben wollen ganz sicher nicht vom Konkurrenten aus München vorgeführt werden, das wurden sie aber zeitweise am Samstag. Tuchels Tiefstapelei klang also so, als würde da jemand von vornerein eine Ausrede suchen.“

Christian Streich ist der Kopf

Während die üblichen Verdächtigen an der Spitze ihre Runden drehen, schielt etwas weiter unten der SC Freiburg in Richtung Europa. Peter Unfried (taz) schielt mit: „Dank Volker Finke hat man eine Struktur schaffen können, die den Abstieg genauso beinhaltet wie den Wiederaufstieg. Die nicht nur eigene Spieler entwickelt, sondern auch eigene Trainerteams und Manager. Cheftrainer Christian Streich ist der Kopf, der die Kultur nach außen verkörpert und nach innen lebt.“

Gut möglich, dass der HSV in diesem Jahr ohne Relegations-Drama auskommt. Frank Lüdecke (Tagesspiegel) stellt einen aussichtsreichen Kandidaten für die Ehrenrunde-Nachfolge vor: „Erster Kandidat für den HSV-Ersatz ist der VfL Wolfsburg. Selten hat eine so teure Mannschaft so weit hinten gestanden. Ihr fehlt nur ein läppischer Punkt auf den 16. Tabellenplatz. Wolfsburg gibt sich alle auch nur erdenkliche Mühe, ein würdiger Nachfolger der Hanseaten zu werden. Der Klub hat in dieser Saison schon zwei (!) Trainer entlassen, Chapeau! Der dritte Trainer war früher mal Co-Trainer der Mannschaft und nach eigenen Aussagen „sehr überrascht“ von der Anfrage des Vereins. Er übernahm die Mannschaft auf Platz 14. Und immerhin – nach sechs Spielen unter seiner Leitung ist Wolfsburg immer noch 14. Das ist nach den neuesten Wolfsburger Maßstäben wohl als Erfolg zu werten.“

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Kommentare

2 Kommentare zu “FC Bayern – Oldies but Goldies”

  1. Van Kuchen
    Dienstag, 18. April 2017 um 13:02

    tja, die Bayern haben ja den Dortmundern die besten Spieler weggekauft
    Und somit dit Konkurrenz ausgeschaltet
    Und die Presse berichtet nicht darüber..
    So ist das im Kapitalismus

  2. Van Kuchen
    Dienstag, 18. April 2017 um 14:59

    an Oliver Müller:
    „dies öffentlich so zu äußern, ist“..
    die Wahrheit.

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