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Bundesliga

Videobeweis – Technik, die…

Kai Butterweck | Dienstag, 22. August 2017 3 Kommentare

Am ersten Bundesliga-Spieltag gibt es große Probleme beim Videobeweis: Ein gefundenes Fressen für die Presse

Pünktlich zum Auftakt des samstäglichen 15:30-Marathons kollabiert das komplette Videobeweis-System. Johannes Aumüller (SZ) macht den Hawkeye-Verantwortlichen Druck: „Bei technischen Revolutionen sind Startprobleme die Regel. In der Bundesliga aber verwundern sie, weil die Offiziellen stets auf umfangreiche Tests verwiesen hatten und zum Beispiel erklärten, die kalibrierten Abseitslinien seien doch „keine Raketenwissenschaft“. Was am kommenden Wochenende, am zweiten Spieltag, vom Technik-Dienstleister Hawkeye zu beweisen wäre. Gibt es erneut Probleme, könnte durchaus jemand auf die auf die Idee kommen, eine Verzerrung des Wettbewerbs einzuklagen. Nämlich dann, wenn ihm am Sonntag ein Tor aberkannt wird, was am Samstag in ähnlicher Situation wegen Funkstörung gegeben wurde.“

Fifa und Uefa beobachten die deutschen Testerfahrungen sehr genau

Jan Christian Müller (FR) ist gespannt: „Schon beim Supercup in Dortmund hatte das System nicht zur Zufriedenheit der im Sinne eines fairen Wettbewerbs zurecht auf Perfektion bedachten DFL funktioniert. Zum Glück für alle Beteiligten war aber sowohl dort als auch an diesem Wochenende in Hamburg, Berlin und Hoffenheim nur die Technik ausgefallen, ohne dass dies zu gravierenden Fehlentscheidungen geführt hätte. Fifa und Uefa beobachten die deutschen Testerfahrungen sehr genau. Womöglich mit dem Ergebnis, dass der Videomann ins Stadion gehört und nicht in ein fernes fensterloses Studio.“

Christian Kamp (FAZ) spendet trotz grober Ausfälle Applaus: „Die Kriterien, wann und wie der Videobeweis zum Einsatz kommt, müssen noch weiter geschärft werden, so dass das Procedere für alle nachvollziehbar und, vor allem, überall unter gleichen Bedingungen abläuft. Was sich aber schon jetzt abzeichnet, ist, dass der Ansatz, den Videobeweis besser sparsam als freigebig einzusetzen, der Richtige ist: als Ultima Ratio in Fällen groben Irrtums. So, wie am Freitag in München – und so, wie auch am Sonntag in Freiburg, als das vermeintliche Führungstor des Sport-Clubs gegen Frankfurt wegen Abseits nicht anerkannt wurde.“

Es wird fairer zugehen

Andreas Werner (merkur.de) outet sich als Videobeweis-Fürsprecher: „Es wird fairer zugehen, auch der Umgang auf dem Platz folgt ab sofort klareren Richtlinien. Lamentieren, diskutieren, insistieren – kann man sich alles sparen, bringt alles nichts mehr, es wird sowieso jede entscheidende Szene seziert, und das weit entfernt vom Epizentrum der Hektik, im Kontrollraum. Man muss sich freilich erst an die Neuerung gewöhnen, doch wer schon Rückpassregel und Freistoßspray zunächst skeptisch sah, dürfte sich auch beim Videobeweis bald der Moderne hingeben. Gerade im traditionsbewussten Fußball ist es nachvollziehbar, wenn Reformen mit Argwohn begrüßt werden. Letztlich aber machte jede Erweiterung Sinn.“

Johannes Graf (augsburger-allgemeine.de) hingegen macht sich Sorgen: „In der Diskussion um die Technik-Panne geht unter, dass weiterhin ein Schiedsrichter und dessen Assistenten auf dem Platz stehen. Womöglich sind die Unparteiischen schon vollends auf die Hilfe des Videoassistenten konditioniert. Wiegen sich in Sicherheit und neigen dazu, strittige Szenen laufen zu lassen. Die Verantwortung geben sie ab ins Fernsehstudio.“

freistoss des tages

 

Kommentare

3 Kommentare zu “Videobeweis – Technik, die…”

  1. ligapresse.de
    Mittwoch, 23. August 2017 um 15:30

    Diese Technikphobie in Deutschland hat nun also auch die Bundesliga erreicht. Gebt dem ganzen doch mal ein paar Wochen und Monate Zeit…

  2. Van Kuchen
    Dienstag, 29. August 2017 um 14:00

    ich lese hier: auf fairen Wettbewerbs bedachten DFL

    dann sollte mal den Bayern untersagt werden, regelmäßig den direkten Konkurrenkten die besten Spieler und zur Not auch Trainer wegzukaufen.
    Mit dieser wenig fairen „Strategie“ haben Sie es schließlich geschafft, daß die Konkurrenz quasi ausgeschaltet ist und sie 5 * hintereinander Meister werden konnten.

    die „gleichen Bedingungen“ wären auch angebracht bei dem Spielerpotential. Denn, daß die Mannschaft mit den besten Spielern erster wird,ist nicht so sehr überaschend.

  3. Van Kuchen
    Dienstag, 29. August 2017 um 14:07

    Und es fragt sich, aus welchem Grunde gibt es denn soviel
    „Lamentieren, diskutieren, insistieren“
    M.M. nach, weil es immer weniger um den Sport, dafür umso mehr um die Finanzen geht

    Der Druck ist immens hoch und wird immer höher, auch der Fall Enke hat da kein Umdenken bewirkt.

    Schade

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