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Bundesliga

Köln entlässt Stöger – Back to the roots

Kai Butterweck | Dienstag, 5. Dezember 2017 ohne Kommentar

Die Presse ist sich einig: Mit der Entlassung von Peter Stöger schaltet der 1. FC Köln wieder zurück in den Karnevalsverein-Modus

Nach drei Punkten aus 14 Spielen zieht der 1. FC Köln die Trainer-Reißleine. Lars Wallrodt (Welt) holt zum Business-Rundumschlag aus: „Dass auf der Basis, die sich alle Beteiligten bis zum Sommer erarbeitet haben, keine nachhaltige und langfristige Aufbauarbeit möglich war, ist ein Armutszeugnis – für den FC und die gesamte Branche. Es beweist, dass der Fußball ein unfassbar windiges Geschäft ist, in dem nichts Bestand hat, wenn kurzfristig die Ergebnisse nicht stimmen. Das eben noch so unerschütterliche Vertrauen in die handelnden Personen, all die Lobgesänge – sie sind nichts wert.“

Indiskretionen und klubinterne Profilierungsversuche

Philipp Selldorf (SZ) spricht aus, was innerhalb der Klubführung keiner hören möchte: „Während die Vereinsvertreter überzeugt sind, dass sie aus der unseligen Situation das Bestmögliche machen, steht andererseits ein objektiver Befund: Nachdem sich vor fünf Wochen der Sportchef Jörg Schmadtke quasi selbst entließ, ist nun der Cheftrainer abhandengekommen, die Mannschaft steht mit drei Punkten am Tabellenende, die Suche nach Lösungen wird durch Indiskretionen, klubinterne Profilierungsversuche und öffentliche Personaldebatten erschwert.“

Claus Vetter (Tagesspiegel) kann endlich wieder ruhig schlafen: „Im Fußball ist es normal, dass wer oben steht, gefeiert wird, und dass unten in der Tabelle gefeuert wird. Peter Stöger wusste das, glaubte er wirklich noch an eine Wende? Quasi alle und alles – vom Vorstand bis zur prekären Personalsituation bei den Spielern sprach dagegen? Oder war es die Angst, nach dem ersten Auslandsengagement wieder in der Heimat, in der Bedeutungslosigkeit des österreichischen Fußballs zu verschwinden? Sicher ist eines: Es war längst an der Zeit, dass sich die Wege vom 1. FC Köln und Peter Stöger getrennt haben. So kann das Theater um den Trainer wenigstens nicht noch unverträglicher werden.“

Die Basis stimmte

Christian Kamp (FAZ) nimmt Peter Stöger mit ins sinkende Boot: „Schuldlos am Kölner Absturz ist Stöger nicht, auch er hatte offenbar den Kader nach dem Verkauf von Modeste stärker eingeschätzt, als er dann wirklich war, und wenn sich das Verhältnis zwischen Führungsfiguren abnutzt, geht das selten nur von einer Seite aus. Von der Mannschaft hingegen war dergleichen nie zu hören, das Verhältnis zum Trainer schien intakt. Mit anderen Worten: Die Basis stimmte. Dass Stöger trotzdem den Boden unter den Füßen verlor, folgt einem eigentümlichen, einem gnadenlosen Mechanismus.“

Daniel Theweleit (Spiegel Online) schnieft: „Wehrle, der im Moment so etwas wie der mächtigste Mann im Klub ist, berichtete, schon am Freitag sei die Trennung beschlossen worden, Stöger wusste also schon in Gelsenkirchen, dass es sein letzter Abend als Chefcoach werden würde. Dankend zog er nach dem Abpfiff seine Mütze vom Kopf, deutete eine Verbeugung an, nahm Spieler in den Arm und wurde von seiner Mannschaft mit Applaus gefeiert. Einige hatten Tränen in den Augen, schön und traurig zugleich war dieser merkwürdige Abschied. Eine Abschiedsstimmung, wie sie die große Kölnerin Trude Herr einst besungen hat: Niemals geht man so ganz.“

Norbert Staub (augsburger-allgemeine.de) macht bereits den Deckel drauf: „Am Trainer lag es am allerwenigsten. Und es ist unwahrscheinlich, dass ein neuer Trainer mehr aus der Mannschaft rausholt. Ohnehin gleicht die Aufgabe für den neuen Coach einem Himmelfahrtskommando, so groß ist der Rückstand des abgeschlagenen Tabellenletzten. Die Kölner müssten noch 35 Punkte aus den ausstehenden 20 Spielen holen, um sicher die Klasse zu halten. Nein – der Rückstand ist zu groß, um den Abstieg zu verhindern. Wenn, dann hätte man früher den Trainer wechseln müssen in der Hoffnung, dass es mit dem Neuen besser läuft. Aber jetzt Stöger rauszuwerfen – das ergibt einfach keinen Sinn.“

Auf die Idee muss man erst Mal kommen

Jonas Klee (11Freunde) schlägt die Hände vors Gesicht: „Dass der Trainer eines abgeschlagenen Tabellenletzten zur Disposition steht? Keine Frage. Dass Peter Stöger durchaus auch schon deutlich früher hätte beurlaubt werden können, vielleicht sogar müssen? Selbstredend. Dennoch muss man sich über den Zeitpunkt der Entlassung doch sehr wundern. Nach einem 2:2 auf Schalke den Trainer zu schassen, wenn der Klub zuvor nur zwei mickrige Pünktchen auf dem Konto hatte, auf die Idee muss man erst Mal kommen.“

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