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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Champions League

Geschlossene Gesellschaft

Kai Butterweck | Mittwoch, 19. September 2018 1 Kommentar

Beim Auftakt der neuen Champions-League-Saison gucken Pay-TV-Allergiker in die Röhre. Die Presse hebt den mahnenden Zeigefinger

Die Champions League gibt’s nur noch im Pay-TV zu sehen. Philipp Selldorf (SZ) is not amused: „Viele Fans in Deutschland und Österreich sind nicht erfreut, dass der Europacup nur noch gegen Extra-Gebühr zu sehen ist, zumal man gleich zwei Abonnements finanzieren müsste, wenn man alle Spiele sehen wollte. Die absoluten Zuschauerzahlen werden daher sinken, die Champions League könnte über Jahre hinweg an öffentlicher Präsenz einbüßen, was wiederum die Liga-Sponsoren aus der Konsumindustrie nicht glücklich machen dürfte.“

Elitäre Zirkel

Frank Hellmann (FR) sucht die „Kleine(re)n“: „Fernsehzuschauer gehören genau wie die Teilnehmer eher elitären Zirkeln an. Spanien, England, Italien und Deutschland speisen mit je vier Fixstartern die Hälfte der 32 Teilnehmer ein. Das erspart den großen Ligen die Playoffspiele, in denen im Vorjahr noch die TSG Hoffenheim an Liverpool hängen blieb. Zwar sind immer noch 15 Nationen dabei, aber wer die Landkarte betrachtet, entdeckt riesige weiße Flecken etwa in Skandinavien. Neben Nord- ist auch Osteuropa in weiten Teilen Brachland geworden.

Auch Oliver Fritsch (Zeit Online) zeigt mit dem Daumen nach unten: „Der Kunde zahlt, aber der Kunde zählt nicht. Er hat keine große Wahl. Beispielsweise kann er keine Einzelspiele buchen oder nur seiner Lieblingsmannschaft folgen – was in der Musik und bei Filmen längst Standard ist. Doch die Uefa bleibt bei der Zentralvermarktung, einem, wie Juristen sagen, klassischen Kopplungsgeschäft. Sie hält zudem ein Monopol. Die Folgen sind dieselben wie überall, wo der Wettbewerb ausgeschaltet wird: Die Qualität des TV-Produkts sinkt und die Preise steigen.“

Liverpools rauschende Europapokal-Kampagne geht weiter

In Liverpool treffen die Trainer Klopp und Tuchel aufeinander. Letztgenannter zieht am Ende den Kürzeren. Hendrik Buchheister (Spiegel Online) kauft sich einen Liverpool-Schal: „In der vergangenen Saison war die Anfield Road der Rahmen für eine rauschende Europapokal-Kampagne. Gegner wie Manchester City oder der AS Rom wurden von den Zuschauern niedergebrüllt und von Klopps Fußballern an die Wand gespielt. Die Partie gegen die Star-Auswahl aus Frankreichs Hauptstadt war die Fortsetzung davon.“

Sven Goldmann (Tagesspiegel) freut sich auf den ersten CL-Auftritt von Cristiano Ronaldo im Trikot von Juventus Turin: „Der Ronaldo von Juventus erinnert an den von Manchester United. Er fordert wieder verstärkt den Ball, zeigt seine Pirouetten, Übersteiger und andere Zirkus-Kunststückchen, spart sich dafür die Cowboy-Posen und zieht die Hosen auch nicht mehr bis zu den Hüftknochen hoch. Schon jetzt hat er das in den vergangenen Jahren doch recht spartanische Spiel des italienischen Endlosmeisters ein Stück weit in Richtung Spektakel verschoben.“

Der FC Schalke 04 kommt gegen den FC Porto nicht über ein mageres Unentschieden hinaus. Manfred Hendriock (derwesten.de) knöpft sich den Referee der Partie vor: „Schalke suchte mit zügigen Ballpassagen den Weg nach vorne, anstatt mit taktischem Quergeschiebe Zeichen der Verunsicherung zu verraten. Und in der Schlussphase wäre nicht nur bei der Chance von Konoplyanka der Sieg für Schalke möglich und allemal verdient gewesen. Spielverderber war auch der spanische Schiedsrichter Gil Manzano, der zwei Elfmeter gegen Schalke verhängte und mit seinen Flötentönen für mächtig Ärger und Aufregung sorgte.“

 

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Kommentare

1 Kommentar zu “Geschlossene Gesellschaft”

  1. van KUchen
    Montag, 1. Oktober 2018 um 11:45

    Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich bin nicht für Kommunismuß.

    Doch: seitdem es den Kommunismuß nicht mehr gibt und man nicht mehr befürchten muß, daß Menschen dorthin abwandern, treibt der Kapitalismuß ungehindert seine Blüten.
    Mein Appell: ein jeder sollte sich Gedanken machen, in welchem System wir leben, welche Auswirkungen dies hat und, natürlich, in welchem System wir leben wollen!

    Ich wünsche mir einen menschlichen Umgang miteinander.

    Und: der Zuschauer hat m.M.n. schon eine Wahl: abschalten, rausgehen, etwas freudvolles in der Natur machen.
    Wenn es mir schlecht geht, gehe ich in die Natur, und danach sieht die Welt ganz anders aus.

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