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Bundesliga

Sandro Wagner – Auslaufen im Reich der Mitte

Kai Butterweck | Donnerstag, 31. Januar 2019 ohne Kommentar

Vom Bundesliga-Tribünenhocker zum Chinese-Super-League-Star: Sandro Wagner kickt ab sofort für den chinesischen Klub Tianjin Teda

Der Wechsel von Sandro Wagner nach China schlägt in der Presse hohe Wellen. Johannes Mittermeier (eurosport.de) sorgt sich um die Bayern-Offensive: „Passiert nichts Unvorhergesehenes, geht Lewandowski als Solist in die heißen Wochen. Ja, Thomas Müller könnte zur Not vorne aushelfen, aber das funktionierte noch nie besonders. Serge Gnabry ist ebenso wenig Keilstürmer wie Arjen Robben oder Alphonso Davies. Einmal mehr wagt der FC Bayern ein Vabanquespiel. Das Binnenklima mag von einem Unzufriedenen befreit sein – der Angriff aber auch.“

Ein unnötiges Risiko

Martin Volkmar (spox.com) schließt sich an: „Die Münchner berauben sich ohne Not einer wichtigen Option, um auf Verletzungen, Formkrisen oder Dauerbelastung zu reagieren. Neben Müller könnte zwar auch Serge Gnabry Lewandowski vertreten, aber weder passt die Position zu ihm noch ist er auf Außen angesichts der permanenten Zwangspausen von Coman, Ribery und Robben dort aktuell zu ersetzen. Es hätte viele Gründe – und auch Möglichkeiten – gegeben, den unzufriedenen Wagner wenigstens bis zum Saisonende zu halten. Stattdessen geht der Klub ungeachtet seiner Titelambitionen ein unnötiges Risiko ein, das im Misserfolgsfall vor allem Kovac und dem für die Transferpolitik verantwortlichen Sportchef Hasan Salihamidzic böse auf die Füße fallen dürfte.

Tilmann Mehl (augsburger-allgemeine.de) beschäftigt sich mit dem Thema „Reisemotivation“: „Eine lange Reise geht für mich zu Ende, ich komme wieder nach Hause zu meinem Verein, in meine Heimat.“ So begründete Wagner den Wechsel nach München vor einem Jahr. Mittlerweile hat sich bei dem Stürmer die weitreichende Erkenntnis durchgesetzt, dass die Reise nie beendet ist. Vor allem, wenn sich auch nur ein Hauch Motivation breitmacht. Zuletzt schafft es Wagner nicht einmal mehr, einen Platz auf der Bank zu ergattern. Also zieht er weiter. Etwa 15 Millionen Euro netto soll dem Gastarbeiter das Engagement in den kommenden beiden Jahren einbringen. Heimat ist, wo sich das Konto füllt.“

Das Ende der ernstzunehmenden Profikarriere

Julian Graeber (Tagesspiegel) zeigt Verständnis: „Er ist mittlerweile 31 Jahre alt, saß bei den Bayern zuletzt nicht mal auf der Bank und hat in München offensichtlich keine Perspektive mehr. Aus der letzten Phase seiner Zeit bei Hertha BSC weiß Wagner, wie frustrierend solch eine Situation sein kann. Ein ähnliches Schicksal verhindert er nun. In China wird Wagner der Star seiner Mannschaft sein, gut verdienen und eine Auslandserfahrung ist aus menschlicher Sicht auch nicht verkehrt. Als Bastian Schweinsteiger vor knapp zwei Jahren in die USA wechselte, waren die Reaktionen deutlich verständnisvoller als beim streitbaren Wagner. Dabei ist die Konsequenz diegleiche: das Ende der ernstzunehmenden Profikarriere.“

Wie stark ist Tianjin Teda? Luis Reiß (t-online.de) weiß Bescheid: „Die vergangene Saison hat der Klub auf Platz 14 von 16 Teams beendet und konnte sich erst am letzten Spieltag vor dem Abstieg retten. Die Tabelle war allerdings extrem ausgeglichen, bis auf Platz sechs fehlten gerade einmal sieben Punkte. Der Klub ist den Abstiegskampf gewohnt. Verglichen mit den Spitzenklubs, die in den vergangenen Jahren dreistellige Millionenbeträge für Transfers bezahlt haben, arbeitet Tianjin Teda eher sparsam. Mit einem Marktwert des gesamten Kaders von geschätzten 20 Millionen Euro liegt der Klub im Mittelfeld der Super League.“

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