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Bundesliga

Das Tönnies-Beben

Kai Butterweck | Donnerstag, 8. August 2019 ohne Kommentar

Nach seiner plumpen Rassismus-Entgleisung kommt Schalke-Boss Clemens Tönnies intern noch einmal mit einem blauen Auge davon

Hätte man Clemens Tönnies nach seinem rassistischen Fehltritt direkt vor die Tür setzen sollen? Oliver Fritsch (Zeit Online) hat zumindest einige Fragen: „Es muss ja nicht immer gleich ein Rücktritt sein, aber es wäre doch das Mindeste gewesen, dass sich Tönnies genauer erklärt. War seine Aussage nur ein Ausfall oder entspricht das einer Ideologie? Wie ehrlich können Schalker Kampagnen für Weltoffenheit sein? Wie will der Verein künftig glaubhaft Fans für ähnliches Fehlverhalten bestrafen?“

Andreas Sten-Ziemons (dw.com) ist verwirrt: „Es galt nicht zu klären, ob Clemens Tönnies ein Rassist ist. Es ging vielmehr darum, ob jemand, der öffentlich rassistische Äußerungen tätigt, als Schalke-Aufsichtsratschef noch tragbar ist. Hier befand das Gremium richtigerweise, Tönnies habe „gegen das in der Vereinssatzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot verstoßen“ und seine „insbesondere den Vorsitzenden des Aufsichtsrats treffende Pflicht verletzt“. Warum darauf nicht die Trennung von Tönnies folgte und der Schaden, den der Vereinsboss seinem Klub zugefügt hat, wenigstens konsequent geahndet wurde, bleibt rätselhaft.“

Tönnies war und ist nicht haltbar

Martin Einsiedler (Tagesspiegel) versteht die Welt nicht mehr: „Der 63-Jährige ist der hemdsärmelige Patron, der jeden im Klub kennt und letztlich auch mitfinanziert oder mitfinanziert hat. Dazu zählen die Mitglieder des Ehrenrats selbst, wie zum Beispiel Klaus Bernsmann. Der war jahrelang der Rechtsanwalt von Tönnies. Das Gremium war so unabhängig wie ein bestochener Schiedsrichter. Nein, wir leben nicht in moralinsauren Zeiten, wenn eine derartige Aussage einen Mann zu Fall bringt, der über viele Jahre viel für den Klub geleistet hat. Tönnies war nicht haltbar und er ist es auch nach der Entscheidung vom Dienstag nicht.“

Auch Stefan Giannakoulis (n-tv.de) ist außer sich: „hn zu entlassen, das hätte die Schalker vor ernsthafte Probleme gestellt. Da mögen sie gedacht haben: Das tun wir uns nicht an. Da eiern wir lieber ein wenig rum, wird schon Gras über die Sache wachsen. Und überhaupt, der Clemens. Hat er wieder einen rausgehauen. Jetzt nehmen wir ihn drei Monate aus der Schusslinie. Und dann machen wir einfach weiter. Schwamm drüber! So ernst müssen wir das mit den Werten nun auch wieder nicht nehmen. Das können die Schalker so tun. Dann müssen sie aber auch konsequent sein, ihr Leitbild in die Tonne treten und neue Regeln aufstellen: Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen wir, aber nur, wenn es uns passt.

Das geht über den Vorwurf der Diskriminierung weit hinaus

Klaus Hoeltzenbein (SZ) zeigt mit dem Finger in Richtung S04-Ehrenrat: „Weniger als das Urteil ist die Begründung das Problem. Denn Tönnies ist vieles, aber er ist kein Rassist, jedenfalls gibt das die aktuelle Beleglage nicht her, da gibt es hierzulande ganz andere Kaliber. Aber Tönnies hat eine rassistische Zote gerissen, und deshalb ist es irritierend, warum der Schalker Ehrenrat dies nicht klar so benennt. Wer eine Gruppe kollektiv beleidigt, Afrika, alle Afrikanerinnen und Afrikaner, äußert sich rassistisch. Das geht über den Vorwurf der Diskriminierung weit hinaus.“

Stefan Giannakoulis (n-tv.de)

Kai Gniffke (tagesschau.de) hält den Ball flach: „Wenn wir alles in die Schublade Rassismus einsortieren, was man für gedankenlos, gestrig und Altherren-Gewäsch hält, dann erklärt man sehr viele Menschen in Deutschland zu Rassisten. Dann lässt man die Grenzen verschwimmen, dann lässt man es zu, dass widerliche, gemeingefährliche Rassisten und Hassprediger in der Masse untertauchen. Und was noch schlimmer ist: Man stempelt Menschen ab, die zwar gedankenverloren alte Vorurteile pflegen und Sprüche klopfen, die sich aber niemals mit braunem Mob verbrüdern würden und eine klare Grenze ziehen.“

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