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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Hertha BSC – Big City Chaos

Kai Butterweck | Mittwoch, 12. Februar 2020 ohne Kommentar

Die Presse beschäftigt sich intensiv mit dem unerwarteten Rücktritt von Hertha-Coach Jürgen Klinsmann

Jürgen Klinsmann ist nicht mehr Trainer von Hertha BSC. Markus Lotter (Berliner Zeitung) atmet auf: „Für den Moment steht Klinsmann als der „Im-Stich-Lasser“ da, als derjenige, der in der Winterpause für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag nach seinen Vorstellungen den Kader der Hertha aufpeppen durfte und diese „seine“ Mannschaft nun ihrem Schicksal überlässt. Andererseits ist seine Entscheidung, sich wieder in die Vereinigten Staaten zurückzuziehen, womöglich die beste, die er jemals für Hertha getroffen hat. Denn in Anbetracht der jüngsten Entwicklung weiß man nicht so recht, was er meint, wenn er von seinem „Potenzial als Cheftrainer“ spricht.“

Der Konflikt war absehbar

Philipp Selldorf (SZ) ist nicht überrascht: „Der Konflikt mit Manager Preetz und anderen bewährten Wortführern im Hause Hertha BSC war absehbar. Klinsmanns autoritärem, reformerischem Anspruch standen von Anfang an die Beharrungskräfte entgegen, die den Verein so lange schon beherrschen. Hertha hat zwar mit dem Einstieg des Investors Windhorst neue Zeiten ausgerufen, doch im Grunde möchte man weitermachen wie bisher, nur mit viel mehr Geld.“

Lukas Rilke (Spiegel Online) fasst sich an den Kopf: „Öffentliches Nachtreten, eine katastrophale Kommunikation – Klinsmanns Rückzug ist ein PR-Desaster für die Hertha. Klinsmann hat sich mit diesem Abgang selbst geschadet, genauso wie den Klubbossen und dem Verein als Ganzes.“

Katrin Schulze (Tagesspiegel) schließt sich an: „Klinsmann wollte mehr sein als ein Trainer. Er hätte gerne nach englischem Vorbild als Technischer Direktor gearbeitet – mit deutlich mehr Befugnissen und, wie der Klub behauptet, exorbitant hohen Bezügen. Hertha wollte das nach eigenen Angaben noch nicht einmal ablehnen, sondern die Entscheidung darüber lediglich vertagen. Glaubt man Klinsmann, hatte Hertha ihm zuvor aber überhaupt noch keinen schriftlichen Vertrag ausgehändigt, was wiederum auch nicht hochgradig professionell wäre. Aber soll das wirklich der alleinige Grund der Kündigung sein? Schwer zu glauben. Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte, was die Sache aber nicht besser macht, weil Jürgen Klinsmann und Hertha als Verlierer dastehen. Als Verlierer, die noch viel mehr verlieren könnten: Klinsmann seinen Posten im Aufsichtsrat – und Hertha einen Platz in der Bundesliga.“

Fantastereien versus Demut und Bescheidenheit

Johannes Kopp (taz) flüstert Manager Michael Preetz warnende Worte ins Ohr: „Die erst jetzt zutage tretenden Unstimmigkeiten im Verein erstaunen wenig. Nachdem Manager Preetz jahrelange eine Kultur der Demut und Bescheidenheit mit der Rückendeckung von Präsident Werner Gegenbauer zu etablieren versuchte, verkörperten die Fantastereien von Klinsmann und Investor Windhorst das genaue Gegenteil. Klinsmann kündigte an, sich wieder auf seine Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied zu konzentrieren. Das macht ihn nicht nur weniger angreifbar, er kann nun auch viel besser bei den angedeuteten Grabenkämpfen angreifen. Für Michael Preetz ist das keine gute Nachricht.“

Fabian Scheler (Zeit Online) vernimmt lautes Gelächter vor den Toren der Hauptstadt: „Klinsmanns eiliger Rückzug wird das ohnehin strapazierte Verhältnis zwischen Berlinerinnen und Schwaben auch nicht verbessern. Zu Recht halten die Hertha-Fans, aber nicht nur die, dem Trainer einige seiner Sätze aus seinen zehn Berliner Trainerwochen entgegen. „So etwas gab es noch nie“, war einer seiner zentralen Sätze, als er vorgestellt wurde. Nun ist das eingetreten, was manche schon bei seinem Antritt befürchtet hatten: Klinsmann kann furchtlos formulieren, Erfolg hat er nicht. Und über die Hertha wird wieder gelacht.“

Jens Bierschwale (Welt) zeigt mit beiden Daumen nach unten: „Seine Ankündigung, das zuletzt ruhende Mandat im Aufsichtsrat trotzdem beizubehalten, darf als kleiner Witz aufgefasst werden. Wie soll Klinsmann von dort aus den Verein gestalten, wenn er den dafür größtmöglichen Einflussposten – den Platz auf der Trainerbank – augenscheinlich einfach so wegwirft? Auch wenn die Berliner Verantwortlichen um Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer ein gleichsam desaströses Bild in der Hauptstadtposse abgeben, kann in den nächsten Tagen nur die vollständige Ablösung Klinsmanns bei Hertha BSC erfolgen.“

Ein Blender und Feigling

Stefan Huber (focus.de) stellt Jürgen Klinsmann an den Pranger: „Nach drei sieglosen Spielen hintereinander, davon zwei Niederlagen, packt Klinsmann also seine Sachen im Berliner Hotel „Titanic“ und läuft vor der ersten, echten Krise seiner Hertha-Zeit davon. Der Sunnyboy kehrt zurück an den Strand von Kalifornien und zeigt dabei sein wahres Gesicht. Der Trainer Jürgen Klinsmann muss sich nicht nur den Vorwurf gefallen lassen, ein Blender zu sein. Er ist auch ein Feigling, der das Vertrauen der Hertha nicht verdient.“

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