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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Sala, was los mit dir?

Kai Butterweck | Dienstag, 5. Mai 2020 ohne Kommentar

Die Presse beschäftigt sich intensiv mit dem Corona-Fehlverhalten von Hertha-Star Salomon Kalou

Handshakes und Corona-Scherze: Salomon Kalou sorgt mit einem Facebook-Livestream für viel Ärger und Unverständnis. Frank Hellmann (FR) ist geschockt: „Wer einen Beleg für die Abgehobenheit der Fußballs braucht, die viel, viel weniger verstanden hat, als sie gerade allen weismachen will, hat ihn in der Hauptstadtkabine bekommen. Dass Hertha BSC den Spieler noch am selben Tag suspendiert und das Verhalten Kalous bedauerte, weil es in der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion über die Wiederaufnahme des Spielbetriebs einen falschen Eindruck erwecke, war unumgänglich. Der Imageschaden ist gewaltig. Weil die Kabineneinblicke alle Beteuerungen nach mehr Bodenständigkeit entlarven.“

Temporäre geistige Umnachtung

Thomas Kroh (rbb24.de) ringt um Fassung: „Wenn Salomon Kalou die Absicht hatte, mit diesem Live-Stream seinen Abgang von Hertha BSC herbeizuführen, dann dürfte es ein recht geschickter Schachzug gewesen sein. Vom Trainings- und Spielbetrieb ist Kalou bereits suspendiert, obwohl er sich in der offiziellen Stellungnahme des Klubs für sein Verhalten entschuldigt hat. Sollte er jedoch nicht die Intention gehegt haben, die Flatter machen zu können, dann bliebe als Erklärung für sein Tun nur die Diagnose: Temporäre geistige Umnachtung, denn eigentlich ist Salomon Kalou doch ein sympathischer Kerl.“

Claus Vetter (Tagesspiegel) dreht den Spieß kurz um: „Allerdings kann Kalou auch gut sein, als abschreckendes Beispiel für indiskutables Fehlverhalten. Es ist kaum damit zu rechnen, dass nun der nächste Fußballprofi im Lande zum Smartphone greift und damit festhält, wie er händeschüttelnd und kalauernd durch die Räumlichkeiten seines Arbeitgebers turnt. Wer Kalou zugeschaut hat, der sollte etwas gelernt haben.“

Wasser auf die Mühlen der Kritiker

Patrick Berger (sport1.de) ist bedient: „Das Video von Kalou ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die so sehr auf den Re-Start hinfiebern. Für alle, deren Job am Fußball hängt. Für die vielen Vereine, die zwingend auf die fehlenden Gelder angewiesen sind. Und natürlich für die Mitarbeiter auf den Geschäftsstellen, die überwiegend in Kurzarbeit sind. Das Kalou-Video ist zugleich auch Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die einen sofortigen Saisonabbruch wollen. Es torpediert sämtliche Bemühungen der Profi-Klubs um einen Re-Start.“

Wolfgang Heise (Berliner Kurier) kommt mit „teuren“ Vergleichen um die Ecke: „Scheitert jetzt der Neustart der Liga, trägt Kalou eine Mitschuld. Es geht um 350 Millionen Euro TV-Gelder, die die Klubs dringend benötigen. Einige stehen vor dem Konkurs. 350 Millionen, so viel kostete ungefähr auch die Produktion des Hollywood-Films „Titanic“ im Jahre 1997 mit Schauspieler Leonardo di Caprio. Der Untergang auf hoher See wurde ein Kassenschlager und spielte über zwei Milliarden Euro ein. Drei Stunden und 15 Minuten war er lang. Kalous Clip ist viel kürzer, war für jeden völlig umsonst zu sehen und könnte den größten Schaden in der Bundesliga-Geschichte anrichten.“

Da haben junge Menschen die Bodenhaftung verloren

Christian Brausch (reviersport.de) holt die Stars wieder auf den Boden zurück: „Bei 36 Vereinen in Liga 1 und 2 müssen sich so viele Spieler und Betreuer an die Regeln halten. Das scheint kaum möglich: Dem einen fehlt es in dieser Situation vielleicht an Intellekt, dem anderen steht sein Ego im Weg. Leider merken viele Spieler nicht, dass sie in diesen Tagen schon längst nicht mehr diese tollen Typen sind, zu denen jeder aufschaut. Vielmehr sehen die Fans Spieler, die das bestätigen, was viele denken. Da haben junge Menschen die Bodenhaftung verloren. Man kann nur hoffen, dass es nicht zu viele sind. Denn sonst wird der Re-Start der Bundesliga zur Corona-Lotterie.“

Stephan Henke (sportbuzzer.de) legt den Finger in blau-weiße Wunden: „Ob der Klinsmann-Abgang per Facebook-Post, die geleakte Abrechnung des Ex-Trainers mit dem Verein oder nun Salomon Kalous Facebook-Video – die Berliner haben in dieser Saison jedes Fettnäpfchen zielsicher angesteuert und sich teilweise zur Lachnummer der Bundesliga gemacht. Doch während die ersten beiden Vorfälle für einige Schadenfreude bei den übrigen Profiklubs gesorgt haben dürfte, ist nach Kalous fatalem Fehltritt die Lage sehr viel ernster.“

Tobias Nordmann (n-tv.de) schließt sich an: „Ein Einzelfall sei das, betont die Hertha. Man möchte es den Berlinern, die ja ohnehin schon durch eine äußerst turbulente Chaos-Saison trudeln, gerne glauben. Aber dass die meisten Personen in dem Video, ein Co-Trainer und mehrere Spieler, es nicht so tragisch finden, dass Kalou keinen Abstand zu ihnen hält und auch den körperlichen Kontakt – Begrüßung per Hand oder Faust – nicht scheut, deutet zumindest daraufhin, dass auch sie einen eher laxen Umgang mit Corona pflegen. Und das die Ansagen des Klubs, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten, nicht ankommen.“

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