indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Stiller Protest mit großer Reichweite

Kai Butterweck | Mittwoch, 3. Juni 2020 ohne Kommentar

Der gewaltsame Tod des schwarzen US-Bürgers George Floyd ruft eine Welle der Empörung und des Protestes hervor. Am Wochenende bekunden auch mehrere Bundesligaspieler ihre Solidarität. Sollen sie dafür nun „bestraft“ werden?

Der Schalker Weston McKennie betritt den Rasen mit einer „Justice For George“-Kapitänsbinde. Sarah Wiertz (dw.com) ist nur bedingt begeistert: „So richtig und wichtig die Solidaritätsbekundung von McKennie auch ist, so falsch war jedoch die Aktion. Denn eines verkennt McKennie: Der Rasen im Fußballstadion ist nicht „seine“ Plattform. Dies ist die Plattform des Vereins und der Deutschen Fußballliga und die untersagen politische Mitteilungen innerhalb des Stadions. McKennie hat durch seine Bekanntheit als Bundesligaprofi andere Möglichkeiten, die er gut hätte nutzen können, um Aufmerksamkeit zu generieren: Die sozialen Medien, über Organisationen, die sein Anliegen unterstützen, vielleicht sogar mit Hilfe von Sponsoren, die ähnliche Wertvorstellungen haben oder ein Zusammenschluss von nationalen und internationalen Sportlern.“

Durften sie das?

Der DFB will die Proteste „prüfen“. Marcus Bark (sportschau.de) schüttelt den Kopf: „Weston McKennie, Marcus Thuram, Jadon Sancho, Achraf Hakimi und Anthony Modeste prangerten am 29. Spieltag auf dem Platz diesen Rassismus an. Durften sie das? Der gesunde Menschenverstand schreit: Ja! Zu diesem Ergebnis wird auch der Deutsche Fußball-Bund kommen (müssen). Dass er sich überhaupt über den Kontrollausschuss der „Vorkommnisse annehmen und die Sachverhalte entsprechend prüfen“ wolle, ist schon ein schlechtes Zeichen – auch wenn er formell dazu verpflichtet ist.“

Mathias Freese (nwzonline.de) redet Klartext: „Dass Menschen nicht aufgrund äußerlicher Merkmale wie ihrer Hautfarbe schlechter behandelt werden als andere, ist eine absolute Grundregel, auf die sich seit geraumer Zeit die gesamte Menschheit einigen kann – oder zumindest sollte. Rassismus aus der Gesellschaft auszuschließen, ist ein Grundpfeiler des Zusammenlebens. Wo er auftritt, muss er aufgezeigt und bekämpft werden. Deshalb muss es überall erlaubt sein, auf Diskriminierung hinzuweisen und ihr laut und in aller Deutlichkeit entgegenzutreten – auch auf dem Fußballplatz.“

Weg mit dem Maulkorb

Finn Rütten (stern.de) schließt sich an: „Wer wirklich mündige Spieler will, der muss ihnen den Maulkorb nehmen und sie ihre Meinung sagen lassen. Natürlich wird es dann nicht immer um Themen gehen, in denen ein derart breiter gesellschaftlicher Konsens herrscht wie aktuell (Niemand bei Verstand verteidigt ja, dass ein Mensch sich bei einem anderen so lange auf den Hals kniet, bis der tot ist). Sicherlich würden dann auch mal kontroverse Meinungen zu hören sein. Aber auch das gehört dazu, im richtigen Leben, wie im Fußball. Und wer echte Vorbilder für die Jugend haben will, der muss auch echte Menschen zulassen.“

Johannes Nedo (Tagesspiegel) applaudiert den Protestlern zu: „Dass Fußballprofis sich ihrer großen Plattform und ihrer besonderen öffentlichen Stellung bewusst werden und auf Missstände hinweisen, ist nur zu begrüßen. Dass sie sich trauen, statt 08/15-Botschaften sich zu wichtigen politischen und gesellschaftlichen Diskussionen zu äußern, ist doch nur ein Zeichen, dass sie eben nicht nur abgehobene Millionäre ohne Bezug zur Realität sind.“

Jan Göbel (spiegel.de) gesellt sich dazu: „mit den Protesten ist klar geworden, dass die Bundesliga in der aktuellen Phase auch weit über den Sport hinaus fähig ist, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Sie muss sich nicht allein auf ihre viel zitierte Rolle des Entertainers in Zeiten von Kontaktbeschränkungen beschränken. Sie kann vielmehr laut werden im Kampf gegen Rassismus, der nicht nur in den USA stattfindet, sondern überall auf der Welt, auch in Europa.“

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