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Rache für Demütigungen

Oliver Fritsch | Donnerstag, 7. Juli 2005 Kommentare deaktiviert für Rache für Demütigungen

Sehr lesenswert! Gigi Riva wird 60 – Ulf Lüdeke (FAZ 7.7.) schildert dessen Erdung in Sardinien: „Er trug in der von Simulantentum und schrillen Schiedsrichterentscheidungen noch unvergifteten italienischen Fußballära der Sechziger und Siebziger den Spitznamen „Rombo di Tuono“: „Donnerschlag“ – in Anlehnung an seine einzigartige Weise, das Leder schnörkellos und explosiv mit seinem linken Fuß in den Kasten zu lenken. (…) Der Ruhm, den Riva in Sardinien genießt, hat Wurzeln, die tief gehen; es geht um mehr als um seine Genialität auf dem Rasen. Das unterscheidet ihn von den meisten anderen Kicker-Biographien. Die Sarden, von denen in den fünfziger Jahren eine halbe Million wegen Arbeitslosigkeit aufs Festland emigrieren mußte, haben schnell verstanden, was an diesem Mann so besonders ist: Er war einer, der auch gehungert und gefroren hat, gedemütigt von dauerndem Mangel und von Unterdrückung. (…) Die Seelenverwandtschaft zu den Sarden ließ sich sogar an Rivas Technik ablesen. Für ihn war Fußball nie Spiel, sondern immer nur Arbeit. Unbeirrt und starrköpfig, zog er seine Bahnen übers Grün, mit kräftigen Schritten den physischen Kontakt suchend. Riva schoß keine Tore, Riva vollstreckte. Und Riva zeigte Charaktereigenschaften, die dem sardischsten Typ aller Sarden nachgesagt werden: dem barbaricino, dem Bewohner der barbagia, einer schroffen, unzugänglichen Gebirgsgegend im Herzen der Insel, die berüchtigt ist für ihren Widerstand gegen jede Form von Kolonialisierung. Und die als Antwort auf die zahlreichen Versuche ein berüchtigtes Banditentum und eine gnadenlose Tradition der faida, der Blutrache, entwickelte. Mit der Ankunft von Gigi Riva 1963 beim US Cagliari begann sich für die Sarden ein uralter Traum zu verwirklichen: gerächt zu werden für die Demütigungen durch den Kontinent – und es ungestraft genießen zu können. Zum Mythos wurde Riva, weil er den zahlreichen Avancen der reichen norditalienischen Klubs wie Juventus und deren schwindelerregenden Traumgagen trotzte.“

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