Ball und Buchstabe
Warum nur Phrasen?
| Montag, 8. August 2005 Kommentare deaktiviert für Warum nur Phrasen?
Aus der Reihe „Fußball im Fernsehen, nein danke“ – Jürgen Kaube (FAZ/Medien 8.8.), von Werbung, Trailern und Inkompetenz verärgert, mit einem sehr lesenswerten Beitrag über die Sportschau: „Was für einen Zuschauer stellen sich Fernsehleute vor, die so etwas für „Bundesliga vom Feinsten” halten; gesetzt einmal, sie reden nicht bloß so geschwollen daher, um zu vertuschen, daß es nur darum geht, mit einem Minimum an Fußball ein Maximum an Werbeeinnahmen hereinzuholen, um die Einkaufskosten abzudecken? Es muß sich um einen äußerst vergeßlichen, durch nichts zu entnervenden, am kleinsten Spielbericht wie an einer Droge hängenden Zuschauer handeln, der seiner Gefühle aber so unsicher ist, daß man ihm sogar die Freude, Erregung, Spannung ständig aufs neue einhämmern muß. Alles, was man sieht, wird noch einmal in Worten ausgedrückt. Alles, was gesagt wird, wird wiederholt ausgesprochen, am besten erst vom Moderator, dann vom Reporter und dann noch einmal vom Spieler im Interview. Insofern folgt die Sendung der Werbung, die den Großteil an ihr ausmacht, denn auch von der Milch und den Telefonen wird uns im Verlauf der anderthalb Stunden je sechsmal gesagt, daß sie vom Feinsten sind, mitunter im Dreißigsekundenabstand, so als wären wir Reiz-Reaktions-Ratten im Gedächtnisexperiment von Doktor Skinner. (…) Sport kann jeder Fünfzehnjährige verstehen, und viele davon tun es auch. Warum liefert man ihnen nur Phrasen? Der Fußball ist populär, man muß ihn nicht durch Mätzchen dazu machen. Wer immer sich für die Sache selbst interessiert, sieht sich durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen in der Nachfolge von Sat.1 auf den Besuch im Stadion, das Radio, eine Premiere-Sportbar und Lektüre verwiesen. Dort werden die Leute immerhin nicht für dumm verkauft.“
Es reicht
Marcus Bäcker (BLZ/Media 8.8.) ergänzt: „Ein für allemal: Wir wollen in der Sportschau nichts über Spielerfrauen erfahren. Auch können wir auf Begriffe wie „Caravan-Beckham“ gut verzichten. Und wo wir schon mal dabei sind: Kaum etwas ist langweiliger als die 548. Wiederholung von Trapattonis Münchner Wutrede. Es reicht. Wirklich.“
1:0 für den Fernsehgarten
Der Tagesspiegel (8.8.) lobt das ZDF-Sportstudio: „Diese 75 Minuten Sportstudio waren das Beste, was das ZDF in Sachen Bundesliga seit Jahren auf die Beine gestellt hat. Fußball pur, ab 22 Uhr. Kein Gelaber, nach fünf Minuten der erste Bericht. Und passend zum Eisnebel der coolste Franz Beckenbauer aller Zeiten: Drei Torwandtreffer – per Außenrist. Solch Klasse ließ ein anderer Bayer vermissen. Die Hartnäckigkeit, mit der ARD–Kommentator Gerd Rubenbauer im Auftaktspiel einen Schiedsrichterfehler beim Platzverweis von Bayern-Spieler Ismael gesehen haben wollte, nervte selbst Bayern-Fans. (…) Fazit: 1:0 für den Fernsehgarten.“
Oskar Beck (Welt 8.8.) fügt hinzu: „So einfach kann eine gute Show sein: Man baut ein Brett auf, sägt zwei Löcher hinein – und läßt Beckenbauer schießen.“










