Ball und Buchstabe
Leistungsschwäche
| Freitag, 3. März 2006 Kommentare deaktiviert für Leistungsschwäche
Eine sehr lesenswerte Analyse zur richtigen Zeit – Hendrik Leber (FAZ/Feuilleton) weist auf den niedrigen Marktwert deutscher Fußballer hin und zieht einen Schluß über die Nachwuchsförderung: „Der Fußballmarkt ist ein Markt, in dem der Geldwert eng korrespondiert mit dem Erfolg. (…) Wo liegen die deutschen Teams? In der europäischen Spielermarktwertliste stehen die wertvollsten deutschen Teams erst auf Platz zehn (Bayern München in der Champions League) beziehungsweise auf Platz fünf (der Hamburger SV im Uefa-Cup). Der erfahrene Statistiker, der sein Wissen aus Zahlen bezieht und nie ins Stadion geht, wird aufgrund der Spielermarktwerte nicht mit internationalen Erfolgen deutscher Mannschaften rechnen. Und wie sieht es für die Weltmeisterschaft aus? Der durchschnittliche Marktwert eines deutschen Spielers der Nationalmannschaft liegt bei 7,1 Millionen Euro. Italien, England, Brasilien und Frankreich haben durchschnittliche Spielermarktwerte zwischen 11 und 15 Millionen Euro. Also keine Finalteilnahme für Deutschland? Zum Glück für Deutschland gibt es Mannschaften mit noch niedrigeren Marktwerten: Togo etwa hat einen durchschnittlichen Marktwert pro Spieler von 0,8 Millionen und Saudi-Arabien sogar einen von 0. (…) Deutschland importiert überraschend viele ‚billige‘ Spieler. Die meisten deutschen Fußballimporte kommen aus Brasilien, Kroatien, Tschechien, Argentinien und Polen – alles Länder mit einem hohen Wohlfahrtsgefälle zu Deutschland. Für andere Nationalitäten ist Deutschland als Arbeitsmarkt nicht interesssant. Spieler aus großen Fußballnationen wie England, Frankreich, Italien, Spanien sind in der Bundesliga kaum zu finden. Ist Deutschland für andere Nationalitäten der volle Futternapf, an dem man sich satt essen kann, der aber keine Leistung produziert, die einen internationalen Wert hat? Gehen die Hochleistungstalente in Länder mit besseren Aussichten? Offensichtlich, denn auch als Exporteur von hochwertig ausgebildeten Talenten ist Deutschland nur zweitrangig. Deutschland nimmt am Transfermarkt für Spitzentalente nicht teil, deutsche Spieler sind im internationalen Vergleich nicht hoch bewertet (…) Offensichtlich leben wir von unserer hohen Kaufkraft, die ‚arme‘ ausländische Talente ins Land zieht, sind aber ausbildungstechnologisch schwach: Wertvolle Talente kommen nicht hierher, und die in Deutschland ausgebildeten haben keinen internationalen Marktwert. Es wird auch nicht investiert, denn Deutschland importiert nur sehr wenige teure Spitzenspieler. Unsere Leistungsschwäche im Fußball hängt offensichtlich mit der mäßigen Ausbildungsqualität zusammen.“










