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Ball und Buchstabe

Paradebeispiel für Realpolitik

Oliver Fritsch | Donnerstag, 18. Oktober 2007 Kommentare deaktiviert für Paradebeispiel für Realpolitik

Nachklapp zum Fall des Wolfsburger U21-Nationalspielers Ashkan Dejagah, der es als iranischer Staatsbürger abgelehnt hat, in Israel zu spielen

Hans-Joachim Leyenberg (FAZ) kritisiert den Umgang der Politik und des DFB-Präsidenten mit dem Fall Dejagah: „Vom Vorsitzenden des Sportausschusses im Deutschen Bundestag über die Präsidentin des Zentralrats der Juden bis hin zum CDU-Generalsekretär überboten sie sich in der Forderung, Dejagah aus der Nationalmannschaft auszuschließen Auch Theo Zwanziger, ein Freund schneller Statements, gefiel sich in markigen Formulierungen Richtung Dejagah. (…) Für Dieter Eilts hatte sich die Personalie nie anders dargestellt, als sie jetzt hingestellt wird. Bei entsprechendem Informationsstand hätte Zwanziger den Ball flach halten können. Mit wohlfeilen Worten betont jetzt der erste Mann des DFB, ‚in der Betreuung unserer Spieler nicht nur sportliche Inhalte zu berücksichtigen, sondern auch pädagogische und gesellschaftspolitische‘. Wunderschön gesagt. Dann hätte man jene Nationalspieler, die im Namen Deutschlands unlängst in Tel Aviv auftraten, auch getrost in voller Mannschaftsstärke Yad Vashem, die zentrale Gedenkstätte für die Opfer und Helden des Holocaust, besuchen lassen müssen. Stattdessen wurde in Ersatztorhüter Fromlowitz nur einer aus dem Kader delegiert. Es hätte der Führungsspitze des DFB spätestens jetzt, mit Hinweis auf den inneren Konflikt Dejagahs, gut angestanden, ein Wort in Richtung der Machthaber in Teheran zu verlieren. Die Auflösung des Falls Dejagah ist ein Paradebeispiel für Realpolitik. Hinterher ist alles nicht so gemeint, wie es ausgesprochen wurde.“

Oskar Beck (Stuttgarter Zeitung) empfiehlt spöttelnd: „Jedenfalls ahnt jeder fortgeschrittene Fußballfan, was der Zwanziger und Dejagah in dieser Woche unter vier Augen so ausgeheckt haben könnten: Vor dem nächsten Länderspiel in Israel klagt Ashkan über Migräne, zieht sich für ein paar Tage mit einem nassen Waschlappen auf der Stirn in ein verdunkeltes Zimmer zurück – und erspart sich, uns und aller Welt damit viel Kopfweh.“

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