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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Internationaler Fußball

Ohne Glamour

Oliver Fritsch | Dienstag, 22. April 2008 Kommentare deaktiviert für Ohne Glamour

Hanspeter Künzler (Neue Zürcher Zeitung) nimmt Chelseas Trainer gegen Anfeindungen in Schutz: „Avram Grant muss einerseits gegen ähnliche Vorurteile kämpfen, wie sie Christian Groß einst bei Tottenham Hotspurs begegneten: Spieler und Fans, die ihren Klub zu den Großen zählen, halten es für unter ihrer Würde, von einem Manager aus einem fußballerischen Zwergreich geführt zu werden. Um als erfolgreich gewertet zu werden, müsste Grant doppelt so viel leisten wie ein Manager aus Spanien oder Italien. Sein größtes Problem hat allerdings weder mit Fußball noch mit der Herkunft zu tun (obwohl ihm deswegen Todesdrohungen zugeschickt wurden). José Mourinho sorgte mit seinen absurden Sprüchen und paranoiden Bezichtigungen nicht nur für Belustigung, er kreierte damit auch Schlagzeilen und Aufregung – Glamour eben. Im Chelsea FC, so der Eindruck, war immer etwas los, selbst dann, wenn er gerade verloren hatte. Avram Grant fehlen weniger die Resultate als die für die fußballerische Weltmarke ‚Chelsea’ unabdingliche Starqualität während Pressekonferenzen, Partys, Filmpremieren und Modeschauen.“

Raphael Honigstein (Financial Times Deutschland) hingegen findet die Kritik an Grant angebracht: „Groß ist der Unmut im Kader über Grants rudimentäre Trainingspraktiken und seine passive Amtsführung; sein vollmundig versprochener attraktiver Fußball wird weiter vermisst. Unverzeihlich ist aus Sicht von Roman Abramowitsch außerdem die mittlerweile nur noch bemitleidenswerte Außendarstellung des überforderten Trainers. Nach dem 1:0 beim FC Everton verweigerte sich Grant mit einsilbigen, sinnlosen Antworten komplett den Fragen der Reporter; ganz ohne Worte redete er sich so um Kopf und Kragen. Abramowitsch und die Fans der ‚Blauen’ können mit dem Hass des ganzen Landes leben – nicht aber mit Spott.“

Problemlöser im Chaos

Christian Eichler (FAS) spürt, dass der FC Liverpool derzeit vor allem von den genauen Schüssen ihres spanischen Torjägers lebt: „An der Anfield Road geht es derzeit drunter und drüber. Die beiden amerikanischen Klubbesitzer sind über Kreuz; Trainer Benitez ist sauer auf sie, seit sie heimlich mit Jürgen Klinsmann verhandelten; die Ölmilliardäre aus Dubai wollen den Klub gern kaufen, kommen aber noch nicht zum Zug; auch ein paar tausend Fans sammeln Geld, um den FC Liverpool zu übernehmen; einer der beiden Klubbesitzer will den Klubgeschäftsführer loswerden, der aber wird von dem anderen Besitzer gestützt, und auch Benitez wäre ihn gern los. In diesem Chaos bieten die Tore von Fernando Torres derzeit die einzige Konstante. Er ist unglaublich wendig, schnell und technisch perfekt. Gegen Inter Mailand und den FC Arsenal schoss er zwei typische Torres-Tore, in einer Drehgeschwindigkeit, die an Gerd Müller erinnert: Annahme, Drehung, und während der Gegenspieler noch die Orientierung sucht, ist der Ball schon im Netz. Fußball lebt von denen, die Probleme lösen, und die besten Problemlöser sind immer noch Torjäger.“

BLZ: Der FC Liverpool leidet vor dem Champions-League-Halbfinale gegen den FC Chelsea unter dem Streit zwischen seinen Eigentümern
FR: Chaos in der Liverpool-Chefetage

NZZ: Transferspekulationen um die südamerikanische Fußballdiva Ronaldinho

NZZ: Geht zum Abschluss einer bisher großartigen Saison geht der AS Roma die Luft aus?

Meine Lieblingsversion (Johnny Cash)

Emotionale Wirkung weit über Vereinssympathien hinaus

Eichler schildert die Bedeutung der lang ersehnten Meisterschaft des belgischen Traditionsklubs Standard Lüttich: „Es gibt Meistertitel, die werden eher geschäftsmäßig gefeiert, mit routinierten Abläufen, dem Gestus von Gewohnheitssiegern – Meistertitel wie jener, den der RSC Anderlecht im vergangenen Jahr gewann, der 29. des Klubs aus Brüssel. Der von 2008 ist etwas ganz anderes. Denn ihn gewann der populärste Klub im Land, der Klub mit den treuesten und leidenschaftlichsten Fans, Standard Lüttich – ein Klub, der dennoch ein Vierteljahrhundert auf den Meistertitel warten musste. Denn Wallonien, der vom Strukturwandel, vom Sterben der Schwerindustrie gebeutelte Teil Belgiens, hatte seit 1983 keinen Fußballmeister mehr gestellt – und das, obwohl hier Fußballsiege wichtiger sind und intensiver erlebt werden als in der verwöhnten Hauptstadt oder im properen Flandern. Deshalb hat der Erfolg eine emotionale Wirkung, die weit über Vereinssympathien oder sportliche Vorlieben hinausgehen dürfte. Dass Standard de Liège seine Fans und Landsleute so lange hatte warten lassen, hatte mit den letzten Titeln zu tun. 1982 und 1983 gewann Standard die Meisterschaft, aber bald wurde gerichtskundig, dass zumindest beim ersten der beiden Titel Bestechung im Spiel gewesen war. (…) Zuletzt wurde die Liga von einem Wettskandal mit chinesischen Drahtziehern erschüttert. Doch jetzt hat sie einen Champion, von dem etwas Unverbrauchtes ausgeht, der mit den alten Geschichten nichts mehr zu tun hat.“

SZ: Pater Pacult führt Rapid Wien zur Meisterschaft

Welt: Weil der Sport vom Geld aus Wirtschaft und Politik profitiert, leisten sich Russlands Klubs immer öfter teure Profis aus dem Westen. Auch einige deutsche Profis konnten dem Ruf des Rubels nicht widerstehen

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